• Rudersport in Potsdam: Neues Boot, aber alte Sorgen

Rudersport in Potsdam : Neues Boot, aber alte Sorgen

Die Verantwortlichen des Potsdamer Ruder-Bundesstützpunktes hadern mit der Stadt. Es hat sich eine Hängepartie um Verbesserungen der Infrastruktur am Seekrug entwickelt. Diese wird als "Gefahr" für den Standort bewertet.

Unbewohnt. Die modernisierten Zimmer im Seekrug-Gebäude können noch nicht genutzt werden - Problem ist der Brandschutz. 
Unbewohnt. Die modernisierten Zimmer im Seekrug-Gebäude können noch nicht genutzt werden - Problem ist der Brandschutz. Foto: Tobias Gutsche

Potsdam - Es ist rund 17 Meter lang, weiß und rot, soll über das Wasser sausen – und heißt „Land Brandenburg“. Die märkische Sportministerin Britta Ernst (SPD) übergab am Donnerstag in Potsdam einen Achter an Nachwuchsruderinnen und taufte das Vehikel nach dem Geldgeber. Die Anschaffung des Großbootes wurde mit rund 30.000 Euro vom Land finanziert. Durch die Fördermaßnahme sollen sich die Trainingsmöglichkeiten für Potsdamer Sportschultalente in der Disziplingruppe „Frauen Riemen“ verbessern.

Bereit für das Wasser. Brandenburgs Sportministerin Britta Ernst taufte das von ihrem Ministerium finanzierte Achter-Boot.
Bereit für das Wasser. Brandenburgs Sportministerin Britta Ernst taufte das von ihrem Ministerium finanzierte Achter-Boot.Foto: Tobias Gutsche

In dieser ist das Areal am Seekrug mittlerweile deutschlandweit die erste Adresse. Potsdam wurde zu einem von vier Ruder-Bundesstützpunkten ernannt und sieht sich dabei mit der wohl schwierigsten Aufgabe konfrontiert. Denn im weiblichen Riemenbereich fährt Deutschland der Weltspitze hinterher. Es bedarf nun harter Entwicklungsarbeit. 

Geld- und zugleich Namensgeber. Das neue Boot heißt "Land Brandenburg".
Geld- und zugleich Namensgeber. Das neue Boot heißt "Land Brandenburg".Foto: Tobias Gutsche

Bei dieser Mission fühlen sich die Potsdamer Verantwortlichen allerdings etwas von der Stadt im Stich gelassen. Notwendige Verbesserungen der Infrastruktur sind noch nicht vollständig umgesetzt – obwohl bereits im September 2017 ein entsprechender Fördermittelbescheid an die städtische Sportdezernentin Noosha Aubel (parteilos) übergeben wurde. Wie es auf PNN-Anfrage hieß, wurden knapp 200.000 Euro – aus Finanztöpfen des Bundes, Landes und der Stadt – bereitgestellt, um den Bundesstützpunkt zu stärken. Mit dem Geld sollten allen voran die Gästezimmer im Seekrug-Gebäude für die Athletinnen modernisiert sowie das frühere Judo-Gebäude in eine – gerade während der Wintermonate wichtige – Ergometertrainingsstätte umgewandelt werden. In beiden Fällen sind die Räumlichkeiten aber noch nicht nutzbar. Daher bestehen weiter organisatorische Sorgen am Leistungszentrum.

Holzschuher: "Das ist kein vernünftiger Zustand"

Besonders die fehlende Möglichkeit zur Unterbringung der Sportlerinnen sei ein Problem, betont Ralf Holzschuher, Präsident des Landesruderverbandes Brandenburg. Aus ganz Deutschland kommen regelmäßig die derzeit besten Riemen-Damen zum Training an den Seekrug, müssen dann aber im Wohnheim der Sportschule oder im Kongresshotel übernachten – das erzeugt zusätzliche Kosten. „Kein vernünftiger Zustand“, mahnt Holzschuher. Chris Henkelmann, Koordinator der Stadt für das Sportareal Luftschiffhafen, zu dem das Ruderzentrum gehört, erklärt: „Die Zimmer an sich sind fertig. Es stehen aber noch Maßnahmen zum Brandschutz aus, die vor einer Inbetriebnahme umgesetzt werden müssen.“ Der Bauantrag dafür sei „bei uns im Haus“ gestellt und befinde sich in der finalen Bearbeitung. Die Ergometerstätte sei derweil ebenso für die Nutzung vorbereitet, es stünden nur noch vertragliche Absprachen bis zur Freigabe aus, so Henkelmann: „Wir sind an den Sachen dran und können nur an die Geduld appellieren.“

Die geht jedoch immer mehr verloren. „Für uns ist nicht erklärlich, warum das so lange dauert“, sagt Holzschuher, auf dessen Wunschliste für den Stützpunkt auch die Schaffung von mehr Bootslagerplätzen steht. Die perspektivischen Ideen der Stadt für eine Wohnbebauung an der Pirschheide, wo sich das Seekrug-Gelände befindet, dürften dabei nicht den Blick für die gegenwärtigen Erfordernisse versperren, fügt er hinzu. „Es ist egal, was hier in fünf oder zehn Jahren passiert. Wir brauchen jetzt Handlungsfähigkeit.“ Die Hängepartie sei schließlich eine „Gefahr für den Potsdamer Rudersport“. Auf Bundesebene sei längst angekommen, dass es am hiesigen Standort Probleme gebe, sagt der Landesverbandspräsident. „Da wird kritisch beäugt und gezweifelt, ob Potsdam es hinbekommt, hier etwas zu bewegen. Die Stadt muss aufpassen, dass sie eine wertvolle Chance im olympischen Sport nicht verspielt.“