• Potsdamer Talente: Judoka Lena Grulich: Leichtgewicht mit Durchsetzungskraft

Potsdamer Talente: Judoka Lena Grulich : Leichtgewicht mit Durchsetzungskraft

Taktisch clever und athletisch stark: Die Potsdamer Sportschülerin Lena Grulich glänzt auf der Judomatte. Mit ihren Gegnerinnen hat Trainer Axel Kirchner nur Mitleid.

Kampfstark. Lena Grulich gewann dieses Jahr Bronze bei der U18-EM.
Kampfstark. Lena Grulich gewann dieses Jahr Bronze bei der U18-EM.Foto: Tobias Gutsche

Unmittelbar vor einem Kampf bringt sich Lena Grulich so richtig auf Betriebstemperatur. Dafür schnappt sie sich eine Partnerin zur Erwärmung, probt mit ihr einige Wurfansätze, verinnerlicht technische Abläufe. „Fünf Minuten“, erzählt die Judoka, „power ich durch. Damit fahre ich meinen Körper hoch und senke meine Nervosität. Danach geht’s auf die Matte.“

Auf einer solchen kniet sie im Trainingszentrum am Luftschiffhafen. Zierlich wirkt die Athletin des UJKC Potsdam mit ihren rund 40 Kilogramm Körpergewicht bei einer Größe von 1,63 Meter. Eher zart als robust. Doch allein der braune Gürtel, den sie um ihre schmale Hüfte gebunden hat, lässt etwas anderes vermuten. Lena Grulich ist zwar ein Leichtgewicht, aber eines mit enormer Durchsetzungskraft. Wie sie in diesem Jahr mehrfach eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat: Bei der Deutschen U18-Meisterschaft holte die 15-Jährige zum Beispiel den Titel, vor wenigen Wochen folgte Bronze bei der U18-EM.

"Unsere Bundesliga-Männer würde sie in Grund und Boden rennen"

Einen Kampfsport auszuüben, bezeichnet Lena Grulich in ihrer jugendlichen Frische einfach als „cool“. Sich auf eine Gegnerin zu fokussieren, sie in einem maximal vierminütigen Duell zu durchschauen und mit gezielten Attacken zu bezwingen, stelle dabei die große Herausforderung in ihrem Sport dar.

Diesem geht das aus dem brandenburgischen Knippelsdorf, einem Stadtteil von Schönwalde, stammende Talent seit dem Jahr 2010 nach. Ihr Bruder Eric und eine Freundin hatten sie überredet, beim Verein in Dahme mitzutrainieren. „Kann man ja mal probieren“, habe sich Lena Grulich damals gedacht. Aus dem ersten Versuch wurde schon bald Leidenschaft. „Ich mag die Vielfalt im Judo-Training“, erzählt die UJKC-Kämpferin, die zuvor auch als Leichtathletin aktiv war. Aber immer nur „Laufen, Laufen, Laufen“ stimmte sie nicht zufrieden. Hilfreich war diese athletische Grundausbildung jedoch allemal, wie sich schnell nach ihrem Wechsel an die Potsdamer Sportschule im Sommer 2012 herausstellte. „Lena ist konditionell sehr stark. Unsere Bundesliga-Männer würde sie bei einer Laufeinheit in Grund und Boden rennen“, meint ihre Trainer Axel Kirchner. Zudem zeichne sie sich durch eine rasche Auffassungsgabe sowie taktische Variabilität im Kampfgeschehen aus. Sein Urteil: „Von diesem Mädchen werden wir noch viel hören.“

Anspruchsvoller Aufstieg in die nächste Gewichtsklasse

Jene Worte kommen aus dem Mund des Mannes, der Yvonne Bönisch 2004 zum Olympiasieg führte. Bis heute ist dies der größte Erfolg in der Potsdamer Judo-Geschichte. Die Frage an Lena Grulich, wer ihr Vorbild sei, erübrigt sich dementsprechend. Natürlich ist es Yvonne Bönisch. Umso mehr freut sie sich auch darüber, dass sie wöchentlich eine Einheit unter Anleitung der UJKC-Cheftrainerin absolvieren darf. „Es ist toll, von jemandem betreut zu werden, der genau das geschafft hat, wovon man selber träumt“, sagt die Nachwuchssportlerin.

Eine erfolgreiche Olympia-Teilnahme ist allerdings noch Zukunftsmusik, die sie momentan nur leise aus weiter Ferne hört. Weitaus deutlicher vernimmt der Youngster die Töne der anstehenden Herausforderung. Nach der Sommerpause steigt die dann Zehntklässlerin vom Gewichtslimit bis 40 Kilo in die 44er-Klasse auf. „Da warten neue und vor allem mehr Kontrahentinnen auf mich. Dennoch möchte ich auch dort an die deutsche Spitze und mich international behaupten.“ Dass Lena Grulich diesen Schritt meistern wird, daran hegt Axel Kirchner keine Zweifel. „Bei ihr ist das Killergen in voller Ausprägung vorhanden. Sie will einfach jeden Kampf gewinnen und hat auch das Zeug dafür“, erklärt ihr Coach, der fast schon Mitleid für die Konkurrenz seines Schützlings empfindet. So klingt es zumindest, wenn er sagt: „Also ich möchte kein Mädchen sein, dass gegen Lena kämpft.“