• Potsdamer Talente: Der außergewöhnliche Adrenalinkick im Eiskanal

Potsdamer Talente : Der außergewöhnliche Adrenalinkick im Eiskanal

Lisa Buckwitz war einst Siebenkämpferin, schulte dann jedoch zur Bob-Anschieberin um. Inzwischen ist sie Junioren-Weltmeisterin. Ihr Ziel sind die Olympischen Spiele 2018 – dann wird sie allerdings womöglich einen anderen Part im Schlitten übernehmen.

Starthilfe für den Schlitten. Lisa Buckwitz ist Bob-Anschieberin.
Starthilfe für den Schlitten. Lisa Buckwitz ist Bob-Anschieberin.Foto: privat

1413 Meter und 17 Kurven lagen hinter Lisa Buckwitz, als sie im Februar 2013 zum ersten Mal im Bob einen Eiskanal hinuntergerast war. Die Premierenfahrt fand auf der Bahn im sächsischen Altenberg statt und ließ ihren Körper verrücktspielen. Ein Lachanfall paarte sich mit einem stechenden Blick, der unterschwellige Angst in den Augen erkennbar werden ließ, wie ihr die Trainer erzählten. „Ich hatte noch nie so einen Adrenalinkick“, erinnert sich Lisa Buckwitz an den wilden Ritt. Geschwindigkeiten von weit über 100 Stundenkilometern und enorme Fliehkräfte in den Kurven versetzten die Anschieberin des SC Potsdam in einen Rauschzustand. Er machte sie süchtig. Es ist die Sucht nach dem Nervenkitzel in der Bob-Bahn.

Lisa Buckwitz zählt noch als Neuling in der Bob-Junkie-Szene. Erst seit zwei Jahren gehört sie dazu. Zuvor war das aus Schöneiche stammende Talent als Leichtathletin aktiv. Eine Vita, wie sie viele Bob-Sportler vorweisen können. Mit sieben Jahren fing sie an und wurde schließlich zu einer Siebenkämpferin. In der Jugend gewann sie die Silbermedaille bei der Deutschen Mehrkampf-Meisterschaft. „Aber dann hatte ich immer mehr Probleme mit Verletzungen und verlor die Lust an der Leichtathletik“, erzählt die 20-Jährige, die an der Berliner Werner-Seelenbinder-Schule lernte und trainierte. Während der 800-Meter-Lauf „die Hölle“ für sie gewesen sei, waren Kugelstoßen, Speerwerfen und Sprint ihre Spezialdisziplinen im Siebenkampf. Lisa Buckwitz ist schnellkräftig und explosiv – also wurde ihr der Vorschlag gemacht, sich doch mal als Bob-Anschieberin zu probieren. In Altenberg fand sie dann schließlich die Lust am Sport wieder.

Ein Ritt wie in der Achterbahn

„Viele, sehr viele Fahrten habe ich dann gemacht“, sagt das Mitglied der Landespolizei-Sportfördergruppe, das am Luftschiffhafen bei Jörg Weber trainiert. Lisa Buckwitz musste nicht nur ihre Hauptaufgabe, das Anschieben und Beschleunigen des Bobs beim Start, erlernen und verbessern, sondern auch ein Gefühl für die Fahrt entwickeln. Es wackelt und ruckelt wie in einer Achterbahn. Mit dem feinen Unterschied, dass man im Bob nicht fixiert ist. „Man muss den Körper in den richtigen Momenten anspannen und festmachen, ansonsten schleudert es einen hin und her.“ Jede Bahn habe da so ihre Tücken, die man mit der Zeit und zunehmender Erfahrung aber aus dem Effeff kenne. Aus den anfänglichen Angst- sind schnell pure Glücksgefühle in der Eisrinne geworden.

Genauso rasant wie eine Bob-Fahrt nahm auch die Entwicklung von Lisa Buckwitz Tempo auf. Gleich im Debütjahr fuhr sie mit ihrer angestammten Pilotin Stefanie Szurek im Europacup mehrfach unter die Top 3. In der aktuellen Saison folgte dann der Aufstieg in die Elite-Klasse. Dort gewann sie im Bob von Cathleen Martini das Weltcup-Rennen in Königssee. Ebenfalls auf dem obersten Podiumsplatz stand sie bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Den Schlitten von Miriam Wagner hatte die SCP-Athletin in Altenberg angeschoben und somit die Starthilfe für den Triumph gegeben. „Diese Erfolge muss man unterschiedlich einstufen“, meint sie. Eines hätten sie aber gemein: „Beide waren wunderschön.“ Der JWM-Titel berechtigte auch zur Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Winterberg, wo das Junioren-Duo Zehnter wurde.

Nachwuchs an den Lenkseilen gesucht

Das große Ziel von Lisa Buckwitz? Olympia 2018 in Pyeongchang! Allerdings steckt sie dann vielleicht in einer neuen Rolle. Ende März wird die Brandenburgerin nach Frankreich zur sportlichen Weiterbildung reisen. In La Plagne soll sie ihre Fertigkeiten an den Lenkseilen testen. „Es hören einige Pilotinnen auf. Der Verband sucht daher Nachwuchs, der nicht nur gut anschieben, sondern auch fahren kann“, erklärt Lisa Buckwitz. Einmal habe sie bereits im Bob vorne gesessen. „Man ist dabei vom Kopf her viel mehr gefordert. Mich reizt es, Pilotin zu werden.“ Es wäre die zweite Umschulungsmaßnahme in ihrer Sportkarriere. Die erste funktionierte reibungslos und mit großem Erfolg.