• Potsdamer Talente: Bis(s) zum Gehtnichtmehr

Potsdamer Talente : Bis(s) zum Gehtnichtmehr

Leonard Busch ist ein Kanute mit Rudererformat. Auf Regatten sticht er daher hervor. Aber nicht nur körperlich, sondern auch sportlich. Seine Qualität, sich zu quälen, hat den Potsdamer Kajakfahrer zum Junioren-Weltmeister gemacht.

Länger schneller sein. Der 17-jährige Leonard Busch ist ein Sprinter. Vor allem arbeitet er daran, sein Stehvermögen auf den letzten Metern eines Wettkampfes zu verbessern.
Länger schneller sein. Der 17-jährige Leonard Busch ist ein Sprinter. Vor allem arbeitet er daran, sein Stehvermögen auf den...Foto: Ute Freise

Laien bringen es oft durcheinander. Sie meinen Kanuten und sprechen doch von Ruderern. Ein kapitaler Fehler, der Angehörige beider Sportarten grummeln lässt. An dieser Stelle mal eine Eselsbrücke für die Verwechsler. Man merke sich: Ruderer fahren rückwärts – der Anfangsbuchstabe als Hilfestellung kann vor einem peinlichen Fauxpas schützen.

Doch selbst wenn Leute über diesen elementaren Tatbestand aufgeklärt sind, Ahnung von der Materie haben, liegen sie bei Leonard Busch zuweilen daneben. „Ich werde von ihnen nicht selten für einen Ruderer gehalten“, erzählt der Kanu-Rennsportler und verzieht dabei ein wenig das Gesicht. Grund der Annahme ist, dass er eher das Körperformat einer dieser Rückwärtsfahrer hat: Mit 1,96 Meter ausgesprochen groß, dazu noch recht schlaksig. „Paddler sehen ja meistens anders aus.“ Etwas kleiner, dafür aber verhältnismäßig breiter. Sehr kräftig-kompakt.

"Ein Schön-Wetter-Mensch darf man als Kanute nicht sein"

Insofern sticht Leonard Busch bei Kanuregatten heraus. Er hebt sich von der Masse ab. Allerdings nicht nur körperlich, sondern auch mit seinem sportlichen Können. Der Athlet des KC Potsdam gehört zu den besten deutschen Nachwuchskajakfahrern. 2016 holte er im Vierer über 500 Meter Bronze bei der Junioren-Europameisterschaft, vergangene Saison wurde es in derselben Bootsklasse sogar der Junioren-Weltmeistertitel. Bei der Goldfahrt saß der 17-Jährige auf der zweiten Position – direkt hinter Vereinskamerad Martin Hiller und vor dem Berliner Jacob Schopf sowie Niklas Petri aus Essen. „Ab dem ersten gemeinsamen Moment im Boot haben wir gewusst, dass wir richtig schnell sein können“, erinnert sich Leonard Busch, der besonders viel Qualität in der Beschleunigung hat. Er ist ein Sprintertyp. „Auch wenn man mir das wegen meiner Größe nicht zutrauen würde. Die kommt eigentlich Ausdauerleuten mehr entgegen“, sagt der Hüne. Zum Vergleich: Potsdams Kajaksprintikone Ronald Rauhe ist 17 Zentimeter kleiner, hat viel geringere Hebel, wodurch das Verhältnis von Länge und Frequenz der Paddelschläge für kurze Distanzen besser passt. Aber auch mit seinen langen Armen kommt der Sportschüler hervorragend auf Touren.

In Schwung gebracht wurde seine Kanukarriere 2008. Zuvor hatte er sich in der Leichtathletik und im Schwimmen ausprobiert. Dann schickte ihn seine Mutter „einfach mal so“ zu den Wasserfreunden Pirschheide, erzählt Leonard Busch. Dort bekam er das Paddel in die Hände. „Den Sport fand ich sofort super. Dieses Draußensein in der Natur gefällt mir sehr“, begründet er. „Vor allem, wenn schönes Wetter ist.“ Allerdings weiß der Youngster, der in der fünften Klasse den leistungsorientierten Weg beim KC Potsdam einschlug, inzwischen: „Ein Schön-Wetter-Mensch darf man als Kanute nicht sein. Auf jeden angenehmen Tag kommt einer, an dem es ungemütlich ist.“ Trotz Regen und Kälte geht es dann rauf auf das Wasser. „Nicht toll, aber das gehört dazu, wenn man Erfolg will“, sagt Leonard Busch. Er beißt sich durch.

Auch diese Saison möchte er wieder eine Junioren-WM-Medaille

Den kämpferisch-ehrgeizigen Biss bezeichnet der Schützling von Trainer Clemens Paarmann auch als eigene große Stärke. Er könne sich „ausreizen bis zum Gehtnichtmehr“. Dieser Zeitpunkt komme jedoch manchmal nach seinem Geschmack noch zu früh. „Am besseren Stehvermögen muss ich besonders arbeiten. Den Wille dafür, ein hohes Tempo durchzuhalten und mich zu quälen, habe ich – aber die Muskeln machen einfach noch nicht so mit, wie ich möchte.“ In bis zu zwölf Wassertrainingseinheiten pro Woche – hinzu kommen tägliche Athletikstunden – versucht der Zwölftklässler, seine Physis weiterzuentwickeln. Um das Gehtnichtmehr auf der Strecke hinauszuzögern. Länger schneller sein. Immer das Ziel vor den Augen.

Diese Saison, seine letzte als Junior, richten sich die Ambitionen von Leonard Busch auf die Junioren-WM Ende Juli im bulgarischen Plovdiv. Bei der nationalen Sichtung hat er sich mit guten Leistungen bereits in Stellung für eine erneute Nominierung gebracht. „Ich möchte an die Vorsaison anknüpfen, wieder eine Medaille holen“, sagt er, der hochgeschossene Kanu-Rennsportler, der nur eine Richtung kennt: vorwärts.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!