• Potsdamer Stadtsportbund möchte weniger Müll: Sauber laufen

Potsdamer Stadtsportbund möchte weniger Müll : Sauber laufen

Bei großen Laufveranstaltungen entsteht Plastikmüll - zum Beispiel durch Trinkbecher. Der Potsdamer Stadtsportbund möchte nun seine Events wie den Schlösserlauf ökologisch nachhaltiger durchführen.

Runter und weg. Die Becher von der Trinkstation beim Potsdamer Schlösserlauf landen später im Müll.
Runter und weg. Die Becher von der Trinkstation beim Potsdamer Schlösserlauf landen später im Müll.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Laufen machen durstig. Und wenn es heiß ist, wie Anfang Juni beim Potsdamer Schlösserlauf, haben die Helfer an den Verpflegungsstellen am Streckenrand alle Hände voll zu tun, die Trinkbecher mit Wasser zu füllen, die von den vorbeieilenden Läufern hastig gegriffen und nach wenigen Metern weggeworfen werden. Das Bild eines Plastikmeers ist zwar nur von kurzer Dauer, denn schnell wird der Unrat von den Streckenposten und den Mitarbeiter der Stadtentsorgung (STEP) beseitigt. Und verglichen mit dem alltäglichen Umweltfrevel in Potsdams Parkanlagen oder auf innerstädtischen Wiesen, der sich allmorgendlich bietet, weiß der Stadtsportbund (SSB) als Veranstalter des Schlösser- und auch rbb-Laufes um seine Verantwortlichkeit im Umgang mit dem Plastikmüll. Doch war in diesem Jahr der Aufschrei angesichts der vielen weißen Trinkbecher am Wegesrand besonders groß.

Anne Pichler, Geschäftsführerin des Stadtsportbundes Potsdam, sagt: "Vieles ist Aktionismus und nicht ausgereift.“
Anne Pichler, Geschäftsführerin des Stadtsportbundes Potsdam, sagt: "Vieles ist Aktionismus und nicht ausgereift.“Foto: SSB Potsdam

Nicht zu Unrecht, wie Anne Pichler zugibt. Die Geschäftsführerin des Potsdamer Stadtsportbundes beschäftigt sich schon seit Langem mit der Frage, wie der Schlösserlauf und andere Sportveranstaltungen in der Stadt umweltfreundlicher werden können. Das Problem und die Fragen hat sie nicht exklusiv. Auch große Veranstalter wie die SCC Events GmbH, die den Berlin-Marathon organisiert, die Macher der Challenge Roth, einer der größten deutschen Triathlons, oder auch viele Fußballclubs grübeln, wie bei ihren Events weniger Müll produziert werden kann. „Wir haben den ganzen Sommer recherchiert“, sagt Anne Pichler gegenüber den PNN. Sie hatte Gespräche mit dem Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung, mit der STEP, sie hat sich bei der Potsdamer Partnerstadt Luzern erkundigt, wie dort mit dem Thema umgegangen wird. Pichler und ihre Mitarbeiter haben sich Modelle und Varianten umweltfreundlicher, recycle- und kompostierbarer Trinkbecher angeschaut und auf Sinnhaftigkeit sowie Zweckmäßigkeit geprüft. „Vieles ist Aktionismus und nicht ausgereift“, hat sie dabei festgestellt. Es gebe zwar etliche verschiedene Ansätze, aber wirklich nachhaltig, ökologisch oder klimaneutral sei bislang kein Produkt.

Projekt zur Umstellung auf Mehrwegbecher

Trinkbecher aus Maisstärke als natürlicher Rohstoff sind nicht wirklich umweltfreundlich. Der Anbau von „Plastikrohstoffen“ wie Mais weist keinesfalls eine positive Ökobilanz auf, „zudem ist das Kompostieren aufwendig und teuer“, hat Anne Pichler erfahren. Auch Pappbecher, die beschichtet sind, stellen nicht wirklich eine Alternative dar. Die Beschichtung hält das Wasser nur etwa 30 Minuten, dann werden die Becher durchlässig – das funktioniert nicht, wenn für tausende Läufer Wasser bereitgestellt werden muss. Auch als kompostierbare Variante sind beschichtete Trinkbecher keine wirklich günstige Lösung.

Durchlaufposten. Auch beim rbb-Lauf kamen bisher immer Plastikbecher zum Einsatz, die nach dem Austrinken auf der Straße landen.
Durchlaufposten. Auch beim rbb-Lauf kamen bisher immer Plastikbecher zum Einsatz, die nach dem Austrinken auf der Straße landen.Foto: Sebastian Gabsch

Bei allen Überlegungen und Recherchen „sind wir nach momentanem Stand da, dass wir auch im kommenden Jahr wieder Plastikbecher haben“, sagt Anne Pichler. Der Unterschied: Es werden wiederverwertbare Becher sein aus einem Material, das aktuellen EU-Standards entspricht. Zunächst 30.000 Becher, mit denen die Läufer im Ziel des Schlösserlaufes versorgt werden und die im Anschluss gereinigt und gelagert werden, will der Stadtsportbund anschaffen. Kosten: 12.000 Euro. „Ökologisch nachhaltig wird Mehrweg aber erst, wenn es mindestens zehn Mal verwendet wird“, sagt Anne Pichler. Um die Anschaffung zu finanzieren, beteiligt sich der SSB derzeit an dem Wettbewerb „Gemeinsam FÜR Potsdam“. In dem von den Stadtwerken und der ProPotsdam GmbH ausgeschriebenen Wettstreit können sich Potsdamer Vereine oder gemeinnützige Organisationen mit ihren Ideen für vier Kategorien bewerben: Sport und Freizeit, Nachbarschaft und Soziales, Kunst und Kultur, Umwelt und Naturschutz. Online können die Bewerber ihre Ideen vorstellen und dafür per Klick Stimmen sammeln. Die Abstimmungsphase läuft seit 24. Juni und endet am 22. September 2019. Die Projekte mit den meisten Stimmen in den vier Kategorien gewinnen. Insgesamt sind 60 000 Euro ausgelobt.

Weitere Maßnahmen für mehr Umweltverträglichkeit

Mit einer erfolgreichen Bewerbung könnte der SSB sein Trinkbecherprojekt finanzieren. Aber unabhängig davon sucht Anne Pichler Sponsoren und Förderer, die den Schlösserlauf grüner machen. Denn umweltverträglichere Becher zu verwenden, „ist uns nicht genug“, sagt sie. So werde der Caterer, der bei Potsdams größtem Laufevent zur Pastaparty serviert, ab dem kommenden Jahr erstmals Mehrweggeschirr verwenden. Dadurch entfallen 50.000 Einwegbecher sowie 3000 Plasteschüsseln, die bislang im Cateringbereich verwendet worden sind. In den Starterbeutel wird es keine Plastikprospekthüllen für die Finisherurkunden mehr geben, ebenso gibt es keine Extra-Coupons mehr für die Teilnehmer-Shirts und die Pastaparty – die Coupons werden mit der Startnummer gedruckt und können von dieser abgetrennt werden. Zudem verzichtet der SSB auf die mehrseitige Infobroschüre, die jedem Starterbeutel beigefügt war. „Das ist aber auch eine finanzielle Einbuße für uns, da Anzeigen von Unternehmen in der Broschüre wegfallen“, so Anne Pichler. Höhere Startgebühren für den Schlösserlauf wird es dennoch nicht geben.

Auch an den Laufstrecken des Zehn-Kilometerrennens und des Halbmarathons wird die Zahl der Plastebecher reduziert. Meist greifen die durstigen und schwitzenden Läufer nicht nur nach Bechern, um zu trinken, sondern auch nach einem zweiten oder dritten Becher, um sich das kühlende Nass über Kopf und Nacken zu schicken. Künftig werden am Streckenrand Wassertonnen stehen, aus denen die Läufer dann ihre nötige Erfrischung schöpfen können.

Infos zum Wettbewerb „Gemeinsam für Potsdam“ und zum grünen Trinkbecherprojekt gibt es unter www.gemeinsam-fuer-potsdam.de.