• Potsdamer Stabhochsprung-Meeting 2019: Gegen den Wind

Potsdamer Stabhochsprung-Meeting 2019 : Gegen den Wind

Eine Tschechin und ein Südkoreaner gewannen S das Potsdamer Stabhochsprung-Meeting bei der Premiere auf dem Stern-Center-Parkdeck. Die Bedingungen waren im neuen Umfeld schwierig - und die Zuschauerkulisse dürftig.

Aufgeschwungen über Potsdams Dächer hat sich Meetingsiegerin Romana Malácová, die am besten Wind und Hitze meisterte.
Aufgeschwungen über Potsdams Dächer hat sich Meetingsiegerin Romana Malácová, die am besten Wind und Hitze meisterte.Foto: Gerhard Pohl

Die sportliche Konkurrenz war überschaubar beim 20. Internationalen Stabhochsprung-Meeting des SC Potsdam. Jeweils zwölf Männer und Frauen „stiegen dem Stern-Center aufs Dach“, wie Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) den Umzug der Wettkampfstätte aus der Shopping-Mall auf deren oberstes Parkdeck beschrieb. Der größte Widersacher der Athleten am Freitag und Samstag war der Wind. „Wie eine Faust“ beschrieb Jin Minsub das Gefühl, als ihm beim Überqueren der Latte ein Windstoß ins Gesicht blies.

Der Südkoreaner kam am vergangenen Freitag am besten mit den Bedingungen zurecht und gewann die 20. Auflage des Meetings mit übersprungenen 5,61 Meter. Anschließend probierte er sich an einer neuen persönlichen Bestleistung, doch scheiterte er an den aufgelegten 5,76 Meter. Mit seinem Sieg gewann Minsub einen Startplatz für das gestrige Internationale Stadionfest (Istaf) im Berliner Olympiastadion, wo der 26-Jährige auf ein Weltklasse-Teilnehmerfeld traf. In Potsdam hätte der Pole Robert Sobera den Südkoreaner von der Papierform her ordentlich fordern und vielleicht noch höher treiben können. Mit einer Bestleistung von 5,81 Meter galt Sobera als Favorit auf den üppigen Silberpokal für den Sieger. Doch gingen die Stäbe des 28-Jährigen aus Breslau bei der Anreise verloren, sodass er mit geborgtem Material springen musste und damit überhaupt nicht klar kam und seine Einstiegshöhe von 5,31 Meter dreimal riss.

Keine Zeit für den Ausblick

Einen polnischen Akzent hatte indes der Sieg bei den Frauen. Romana Malácová kommt zwar aus der Tschechischen Republik, zog aber vor drei Jahren zu ihrem Trainer nach Polen. 4,42 Meter überquerte sie am Samstagnachmittag, auf weitere Höhenflüge verzichtete sie wegen des Windes. Angesichts der Bedingungen würdigte der Potsdamer Bundes-Nachwuchstrainer für Stabhochsprung, Stefan Ritter, die Siegerhöhen als sehr gut. „Die Springer mögen keinen Gegenwind, weil sie dann beim Anlauf ständig ihr Timing ändern müssen“, erklärte Ritter. Die äußeren Bedingungen können bei der mobilen Anlage des SC Potsdam, die auch bei anderen deutschen Springermeetings zum Einsatz kommt, besonders herausfordernd sein. Denn der Anlaufsteg gilt als besonders schnell, „er federt deutlich mehr als der Boden in einem Stadion“, sagt Ritter. Am vergangenen Freitag und Samstag waren die Athleten gefordert, die Kombination aus Tempo und Wind zu meistern. Gut geklappt hat das bei Stina Seidler: Die 20-Jährige vom SV Werder Bremen, die am Luftschiffhafen trainiert, scheiterte nur knapp an einer neuen persönlichen Bestleistung von 4,22 Meter und wurde mit übersprungenen 4,12 Meter Vierte vor den beiden Potsdamer Nachwuchsspringerinnen Lauré Scheutzow und Moana-Lou Kleiner, die jeweils 3,83 Meter sprangen.

Verloren hat das Meeting durch den – wegen baulicher Veränderungen notwendigen – Wechsel von drinnen nach draußen an Zuschauern. Nun wenige fanden den Weg nach oben aufs zweite Parkdeck, um den Springern zuzuschauen. Bei Temperaturen deutlich über 30 Grad unter praller Sonne waren die Bedingungen auch nicht sehr einladend. Auch den Aktiven machte die Hitze – neben dem Wind – zu schaffen. „Das war schon sehr warm“, stöhnte Sieger Minsub, den bei den Weltmeisterschaften im kommenden Monat in Doha (Katar) gleichfalls hohe Temperaturen erwarten. Fehlen wird ihm dann – genauso wie Romana Malácová – die Musik, die sie beim beim Anlauf auf dem Center-Parkdeck begleitet hat. „Deshalb liebe ich diese Meetings“, sagte Minsub. Nur die Aussicht auf Drewitz vom zwölf Meter hohen Parkdeck plus der knapp fünfeinhalb Meter Sprunghöhe habe er nicht wahrgenommen. „Ich war damit beschäftigt, über die Latte zu kommen“, sagte er schmunzelnd.