• Potsdamer Sportpolitik: „Ein klares Bekenntnis als Markenzeichen“

Potsdamer Sportpolitik : „Ein klares Bekenntnis als Markenzeichen“

Potsdams Sportszene trifft sich in der MBS-Arena zum 20. Stadtsportball. Für Noosha Aubel wird es eine Premiere. Im Interview spricht die neue Sportbeigeordnete der brandenburgischen Landeshauptstadt über ihre ersten Eindrücke im Amt, über Ideen und Aufgaben.

Foto: Andreas Klaer

Frau Aubel, wie und wo nehmen Sie Potsdam als Sportstadt wahr?

An ganz vielen Stellen. Beispielsweise habe ich bereits einige Sportveranstaltungen besucht, die zum Teil sehr eindrücklich waren. Aber sehr deutlich geworden ist es mir bei der Sportlergala des Landes, wo das Gros der Nominierten und der Siegerinnen und Sieger aus unserer Stadt kamen. Hier wurde die überregionale Bedeutung sehr deutlich. Lokal natürlich auch in den Gesprächen, die ich mit Vereinen führe, die dann auch ganz deutlich artikulieren, welche Bedarfe sie haben und was sie sich wünschen. Das sind primär mehr Hallenzeiten, mehr Flächen, auf denen Sport getrieben werden kann. Da stellt man natürlich eine Diskrepanz fest zwischen dem was vorhanden ist und was gewünscht wird.

Was können und sollten nach Ihrem Verständnis Markenzeichen einer Sportstadt sein?

Ein klares Bekenntnis der Kommune zur Stadt. Ein ganz wichtiges Kernelement ist hier die Sportförderung, also die Mittel, mit denen wir uns als Stadt aktiv einbringen und die Vereine unterstützen können. Und dass wir dabei die Bandbreite der Förderung des Spitzen- und des Breitensports abdecken. Und darüber hinaus die Unterstützung von Angeboten für Menschen, die außerhalb des Vereinskontext individuell Sport treiben wollen.

Wer nach Potsdam kommt, sieht Schlösser, Museen und Parks, der sieht viel Wasser, Baustellen, Staus. Und an Sportzeichen? Was sieht man da?

Das kommt darauf an, wo man sich bewegt. Ich finde, das Areal des Luftschiffhafens ist schon sehr beindruckend. Ich habe mir das während meiner ersten Wochen mal vier Stunden lang angeschaut und habe in der Zeit nicht mal alles gesehen. Eindrucksvoll, welche Bandbreite an Möglichkeiten wir dort vorhalten. Da gibt es Trainingsmöglichkeiten, die haben Alleinstellungsmerkmal deutschlandweit und weltweit. Wünschenswert wäre natürlich, dass wir noch mehr Sportflächen im Stadtgebiet, in den Stadtteilen hätten. Man sieht einfach auch im Stadtbild, dass Potsdam eine sportaktive und sportfreundliche Stadt ist, die auch animiert, viel zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu machen.

Der Volkspark im Bornstedter Feld gewinnt immer mehr an Bedeutung, denn durch die Bebauung im Norden verliert er ja seine Randlage und rückt mehr ins Zentrum. Um seine Nutzung, auch als sportliche Freizeitstätte, wird viel diskutiert. Konnten Sie sich schon einen Eindruck machen, was dort möglich und machbar ist?

Es gibt erste Vereine, die Ideen und Vorstellungen dazu entwickelt haben. Und wir loten im Moment aus, was im Norden möglich ist, der – was Sportstätten betrifft – noch etwas unterrepräsentiert ist. Durch den Neubau der Da-Vinci-Schule sind wir mit einer weiteren großen Sporthalle erst mal recht gut aufgestellt. Aber wir wollen im Norden, gerade wenn mit der Entwicklung von Krampnitz mehr Einwohner dazukommen, eine entsprechende Infrastruktur schaffen. Da sind wir derzeit aber noch in einem Stadium, in dem man noch nicht konkret sagen kann, wo zu welchem Zeitpunkt eine Sportfläche entstehen könnte.

Das Potenzial bietet der Volkspark aber schon, oder?

Theoretisch ja, aber man muss schauen, was dann im Gegenzug wegfällt. Wir können da ja nichts additiv schaffen, denn wir haben ein begrenztes Areal. Und wenn man sich an der einen Stelle für eine neue Sportfläche entscheidet, muss man auch sagen, was stattdessen im Volkspark wegfällt. Schon jetzt ist es schwierig, alle Angebote dort zu erhalten. Der Park dient vor allem dem Individualsport. Daher wäre es wünschenswert, wenn der Asphalt der Parkrunde beispielsweise künftig wieder für Skater geeignet ist.

Unsere großen Potsdamer Vereine wie Turbine Potsdam, der SV Babelsberg 03, der SC oder der VfL Potsdam haben seit einiger Zeit das Problem rückläufiger Zuschauerzahlen. Vermutlich hat das auch etwas mit dem Zuwachs an Neu-Potsdamern zu tun, die schlichtweg zu wenig wissen, wen und was es in der Stadt gibt. Was sollten die Vereine tun, um Sie und die vielen neuen Einwohner zu motivieren, zu Spielen ins Stadion oder die MBS-Arena oder ins „blu“ zu gehen?

Wenn Sie mich als Sportbeigeordnete meinen, reicht da eine frühzeitige Einladung, dann versuche ich es möglich zu machen. Wenn Sie mich als Neu-Bürgerin ansprechen, ist es, glaube ich, wichtig, die Angebote noch ein Stück weit präsenter zu machen. Ich denke, die Werbung erreicht noch nicht die jeweilige Zielgruppe und steht natürlich auch in Konkurrenz mit vielen weiteren Freitzeitmöglichkeiten. Meines Erachtens sollten die Vereine auch prüfen, was es ergänzend zu den reinen Sportveranstaltungen geben könnte. Die Veranstaltungen, die auch einen Eventcharakter bieten und ein Angebot für Kinder haben, gewinnen dadurch eine höhere Attraktivität. Es sind ja viele Familien, die nach Potsdam ziehen. Die Sportveranstaltung mit solchen Angebote zu flankieren, kann Interesse und Aufmerksamkeit schaffen. Das muss aber durch die Vereine auch leistbar sein. Und man sollte schauen, wie man die Menschen, die zunächst nur zum Konsumieren eines Spiels kommen, aktiv für die Vereinsarbeit gewinnen kann.

Wird es Ihrer Meinung oder vielleicht auch Erfahrung nach für Vereine künftig Aufgabe sein, ihre Spiele mehr als Event zu vermarkten, um nicht nur auf der Spielfläche für sportliche Unterhaltung zu sorgen, sondern auch darüber hinaus? Braucht es neben Trainern, Spielern und Platzwarten auch Eventmanager in den Vereinen?

Die meisten Sportvereine haben ja ein Interesse daran, dass Mitglieder- und Zuschauerniveau zumindest zu halten und perspektivisch zu vergrößern. Sei es, weil es eine ganz andere Atmosphäre ist, wenn das Stadion voll ist, sei es, weil man mehr Einnahmen erzielen kann. Daher ist es sicherlich ein Thema, mit dem die Vereine sich auseinandersetzen sollten. Ich habe aber auch den Eindruck, dass der eine oder andere Verein das bereits für sich erkannt hat. Wichtig ist, eine Haltung zu haben: Geht es darum, dass Menschen nur punktuell zu einem Spiel kommen, weil gerade nichts anderes los ist? Oder sollen sie kontinuierlich an den Sport und den Verein herangeführt und als wirklicher Fan gewonnen werden? Oder ist es gar gewollt, dass diese Menschen aktiv im Verein Sport machen? Vielleicht könnte man perspektivisch ein Forum schaffen, in dem sich die Vereine wechselseitig von ihrem Know-how erzählen und davon profitieren.

Haben Sie Erfahrungen mit solchen Foren?

Erfahrungen dazu habe ich nicht, aber Ideen, wie man so etwas gestalten könnte. Es wird ja immer betont, dass es eine große Sportfamilie gibt. Und darauf müssen wir stark setzen. Wir kommen natürlich aktuell in Situationen, dass bei begrenzten Ressourcen Verdrängungs- oder Verteilungswettbewerbe beginnen. Ich erlebe durchaus Diskussionen, in denen gesagt wird, dass diese oder jene Sportart die höherwertigere oder wichtigere sei. Ich würde mir wünschen, dass nicht nur wir als Verwaltung, die Sportstätten vergibt, sich dazu positioniert, sondern auch die Vereine in einem Miteinander agieren. Als Verwaltung arbeiten wir aktuell daran, indem wir die Vergabekriterien transparenter gestalten. Aber auch die Vereine müssen anerkennen, dass jede Sportart ihre Berechtigung hat und wir gemeinsam schauen, wie sie sich wechselseitig unterstützen und voneinander lernen können. Ich denke, das ist im Sinne des Sports möglich.

Es gab jüngst das Weihnachtssingen im Karl-Liebknecht-Stadion. Die MBS-Arena hat sich in der Vergangenheit tauglich als Ballsaal erwiesen und wird am Samstag erneut feierliche Location für den Stadtsportball sein. Sehen Sie es auch als Aufgabe, Sportstätten über ihren Charakter als reine Spielstätte zu entwickeln, zu nutzen und somit auch bekannt zu machen?

Ich halte das für eine der zentralen Herausforderungen, dass wir im Zuge von Sanierungen und geplanten Neubauten auch über das originäre Sportthema hinausdenken und fragen, wie wir zusätzlich Aufenthaltsqualität schaffen können. Wobei man natürlich bedenken muss, dass wir bei fast allen Sportstätten eine hundertprozentige Auslastung plus Wartelisten haben. Aber man sollte da durchaus innovative Wege bestreiten und sich bei Neubauten schon im Vorfeld überlegen, wie sich Rahmenbedingungen so gestalten lassen, dass eine multifunktionale Nutzung möglich ist.

Sie haben es ja bereits mitbekommen, dass Potsdam eine Stadt der Engpässe und Ansprüche ist: Das „blu“" sei zu klein, hier ist der Bedarf an Sportstätten hoch, dort die Zuwendungen zu gering, die Nutzungsbedingungen zu streng – es ist ein breites Spannungsfeld. Als was sehen Sie sich darin: als Verwalterin oder als Managerin, die entwickeln und gestalten will?

Definitiv als Letzteres. Und als „Ermöglicherin“, die zum einen schaut, was mit dem Vorhandenen über das bisherige Maß hinaus noch leistbar ist und wo möglicherweise noch Luft ist. Und zum anderen, wo und wie wir uns künftig dem tatsächlichen Bedarf annähern können. Ich bin hierzu bereits in Gesprächen mit dem Ministerium, in denen wir schauen, wo auch das Land uns finanziell unterstützen kann, um weitere Sportflächen in Potsdam zu schaffen. Wir werden sicherlich nicht alle Bedarfe zu 100 Prozent befriedigen. Aber es muss erklärtes Ziel sein, dass wir auch in den Stadtteilen präsent sind, die Menschen dort Angebote zum Sportreiben finden und das bei einer Vielzahl an Sportarten. Wichtig ist mir zudem, dass sich die Kommune stärker einbringt, wenn es darum geht, Kinder und Jugendliche in den Vereinssport zu führen. Auch hierzu kenne ich gute und praktikable Beispiele, die in Kooperation mit interessierten Vereinen realisiert werden können.

„Tempo ist eines meiner Charakteristika.“ Das haben Sie in einem Interview zu ihrem Amtsantritt in Potsdam gesagt. Gilt dieser Satz auch, wenn Sie privat Sport treiben? Oder entschleunigen Sie da eher?

Es galt tatsächlich mal für meinen Sport. Ich laufe gerne. Allerdings ist meine Pace gerade nicht gut, weil ich zu selten dazu komme. Einmal die Woche schaffe ich es noch, aber das reicht leider nicht, um mich tempomäßig zu verbessern. Dafür gebe ich um so mehr Gas im Arbeitskontext.

ZUR PERSON
Noosha Aubel (42, parteilos) ist seit August 2017 Potsdams Beigeordnete für Bildung, Kultur und Sport. Sie ist Diplom-Pädagogin und hat zudem einen Master-Abschluss im Fach Organisationsmanagement. Ihre Karriere in der Verwaltung begann sie als Jugendhilfeplanerin in der Stadt Viersen. Von 2008 bis 2017 war sie in der Stadt Hilden Leiterin des Amtes für Jugend, Schule und Sport. Noosha Aubel ist verheiratet und hat zwei Töchter.

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