• Potsdamer Sportpark Luftschiffhafen: Ein Sanierungsfall

Potsdamer Sportpark Luftschiffhafen : Ein Sanierungsfall

Das Stadion Luftschiffhafen weist große Mängel auf. Derzeitig wird geprüft, in welchem Umfang saniert werden soll. Die Instandsetzungskosten könnten sich am Ende auf bis zu 3,2 Millionen Euro belaufen.

Löchriger Belag, bröckelnder Unterbau. Vor allem die Laufbahn des Stadions Luftschiffhafen macht große Probleme. In der Sportstätte trainieren unter anderem die Leichtathleten vom Bundesstützpunkt und die Bundesliga-Fußballerinnen von Turbine Potsdam. Auch viele Breitensportler sind dort aktiv.
Löchriger Belag, bröckelnder Unterbau. Vor allem die Laufbahn des Stadions Luftschiffhafen macht große Probleme. In der...Fotos: Gerhard Pohl

Potsdam - Es hat schon bessere Zeiten erlebt – und das nicht im sportlichen Sinn. Das Stadion im Sportpark Luftschiffhafen ist in die Jahre gekommen. Als Trainingsstätte taugt es noch leidlich, als Wettkampfarena ist es kaum gefragt. Der Potsdamer Fanfarenzug feiert hier traditionell seine Saisoneröffnung, der Potsdamer Laufclub lädt zur Eröffnung der Bahnsaison aufs Kunststoffgeläuf, beim Potsdamer Schlösserlauf beleben die teilnehmenden Läufer das Stadion nach der Zielankunft. Einzig die Potsdam Royals geben dem altehrwürdigen Ensemble in ihrer Football-Saison eine regelmäßige Nutzung.

Vor allem die Tartanbahn ist arg sanierungsbedürftig. „Der Kunststoffbelag ist löchrig, der Unterbau aus Beton bröckelt“, sagt Andreas Klemund. Der Geschäftsführer der Luftschiffhafen GmbH, die im Auftrag der Stadt den Sportpark verwaltet und bewirtschaftet, hat bereits im vergangenen Jahr eine Schadensanalyse und Sanierungskonzeption erstellen lassen und an den zuständigen Fachbereich in der Potsdamer Stadtverwaltung geschickt.

Stadion Luftschiffhafen hat große sportliche Momente erlebt

Seit vergangenem Herbst liegt dem Fachbereich Bildung und Sport eine Bestandsaufnahme der Schäden des Stadions vor, zudem ein sportwissenschaftliches Gutachten. „Aktuell erfolgt fachbereichsintern die baufachliche Einschätzung, inwiefern eine punktuelle beziehungsweise komplette Instandsetzung erforderlich ist“, sagt Rathaussprecherin Friederike Herold auf PNN-Anfrage. Demnach liegen die Kosten für eine Komplettsanierung bei rund 3,2 Millionen Euro. Nach Einschätzung der Experten würden die Arbeiten etwa zwei Jahre dauern. Ob, ab wann und in welchem Umfang saniert wird, hängt Herold zufolge vom Prüfergebnis des Fachbereichs ab und ob die nötigen Haushaltsmittel vom Stadtkämmerer eingestellt sowie vom Stadtparlament beschlossen werden. Zuletzt wurde das Stadion 2005 erneuert, sodass sich hier im Juni 2006 das ukrainische Fußballteam auf seinen WM-Auftritt vorbereiten konnte.

Seit den 1950er-Jahren ist der Luftschiffhafen Trainings- und Wettkampfstätte, der Armeesportklub Vorwärts Potsdam (ASK) sowie die Kinder- und Jugendsportschule waren zu DDR-Zeiten hier angesiedelt. Das Leichtathletik-Stadion mit seiner Holztribüne gehörte zu einer internationalen Adresse für Leichtathletik-Meetings – vor allem beim sogenannten Olympischen Tag. Am 19. Juli 1960 lief der Potsdamer Mittelstreckenläufer Siegfried Valentin im Luftschiffhafen über 1000 Meter in 2:16,7 Minuten einen Weltrekord – damals auf einer Aschenbahn, die am Vormittag des Rekordlaufes noch glatt geschuffelt wurde. In den 1980er-Jahren fielen weitere Weltrekorde im Potsdamer Luftschiffhafen durch die Speerwerfer Petra Felke und Uwe Hohn oder Maritta Koch über 200 Meter.

Bislang dürftige Resultate des Masterplans

Wettkämpfe von derart hoher Qualität hat es dort lange nicht mehr gegeben. Neben der fälligen Sanierung der Tartanbahn, an der in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten nichts mehr gemacht wurde, ist die Luftschiffhafen GmbH gefordert, das Nutzungspotenzial der vorhandenen Flächen des Sportparks im Sinne einer besseren Auslastung weiterzuentwickeln. Das schließt das Leichtathletik-Stadion mit ein. Vor zwei Jahren hatte die Unternehmensberatung KPMG den gesamten Sportpark hinsichtlich seiner Nutzungsmöglichkeiten und gegenwärtigen Auslastung unter die Lupe genommen und unter anderem geraten, den Standort bei den Potsdamern bekannter zu machen. Durch ein nahezu brachliegendes Stadion wird das kaum gelingen. Doch gibt es laut Rathaussprecherin Herold „zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine konkreten und abschließenden Ergebnisse“, wie etwa das Stadion künftig mehr und besser genutzt werden kann. „Abzuwarten ist in diesem Zusammenhang die aktualisierte Masterplanung zum Luftschiffhafen“, sagt Herold. Diese soll in diesem Jahr vorliegen und werde „Einfluss auf die fachbereichsinterne Meinungsbildung haben“.

Doch ist der Gehalt der bisher vorliegenden Papiere dürftig. So stand am Mittwoch das Zielbild für den Sportpark Luftschiffhafen als Grundlage für dessen weitere Entwicklung auf der Tagesordnung im Hauptausschuss. Diese strategischen Ziele umfassen immerhin eine A4-Seite. Ein Beispiel: Zum Handlungsfeld „Nachhaltiges Ressourcenmanagement“ heißt es etwa: „Effizienter Betrieb des Sportparks unter optimaler Auslastung der vorhandenen Ressourcen.“ Ein weiteres Ziel: „Durch die optimale Auslastung der im Sportpark Luftschiffhafen vorhandenen Kapazitäten wird der Breitensport gefördert ohne hierdurch den Leistungssport einzuschränken.“

Konkrete Zielvereinbarung für 2018 geplant

Harsche Kritik an solchen Formulierungen kam von den Grünen. Ihr Fraktionschef Peter Schüler bemängelte allzu allgemeine Floskeln, in das Zielbild seien nur Selbstverständlichkeiten formuliert worden – allerdings eben wenig Konkretes zum Verhältnis Leistungs- und Breitensport oder zu Kostenfragen. „Als ich das Papier zum ersten Mal gelesen habe, kamen mir Zweifel, ob das wirklich ernst gemeint ist.“ Nach zwei Jahren Vorbereitung sei das zu wenig, kritisierte Schüler.

Dagegen verteidigte Sport-Fachbereichsleiterin Petra Rademacher das Papier, das Ergebnis dürfe man nicht kleinreden. Für 2018 sei eine konkretere Zielvereinbarung geplant. Bis dahin werde auch die eigentliche Debatte zur Zukunft des Luftschiffhafens geführt, ergänzte Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg. Dessen Fraktion setzt sich vor allem für eine kostenlose Nutzung von Sportstätten – wie dem sanierungsbedürftigen Stadion – durch die Vereine ein.