• Potsdamer Kanu-Rennsport: Missionen eines märkischen Sportidols

Potsdamer Kanu-Rennsport : Missionen eines märkischen Sportidols

Kanu-Ass Sebastian Brendel ist dank seiner Erfolge und seiner offenen Art zu einem großen sportlichen Botschafter geworden. In dieser Rolle war der Potsdamer jüngst im nächsten Olympia-Gastgeberland zu Gast und durfte bei der Bundespräsidentenwahl mitwirken.

Auf politischem Parkett. Sebastian Brendel war am Sonntag Teil der Bundesversammlung und durfte über den neuen Bundespräsidenten abstimmen.
Auf politischem Parkett. Sebastian Brendel war am Sonntag Teil der Bundesversammlung und durfte über den neuen Bundespräsidenten...Foto: privat

Hinter Sebastian Brendel liegen einige besondere Tage. „Aufregend waren sie. Sehr spannend und interessant auch“, erzählt der Kanu-Rennsportler des KC Potsdam. Jüngst war er nicht nur zu Besuch im nächsten Olympia-Gastgeberland Japan, sondern durfte zudem als Mitglied der Bundesversammlung über den neuen Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland abstimmen. „Es waren für mich zwei große Erlebnisse“, sagt Brendel.

Seinen Ausflug gen Fernost machte der Dreifacholympiasieger auf Einladung eines Vertreters des japanischen Kanu-Verbands. Bei einem Bootsherstellertreffen war der Offizielle mit dem Paddelstar ins Gespräch gekommen und hatte ihn gefragt, ob er mal zu einem Workshop nach Japan kommen wolle. In seiner offenen, herzlichen und unkomplizierten Art sagte Sebastian Brendel zu und hielt Anfang Februar das Versprechen.

Der deutsche Top-Kanute gibt den Japanern Tipps

Sein erstes Reiseziel war die Küstenstadt Miyazaki. Dort fand ein Lehrgang für die talentiertesten 16- und 17-jährigen Kanuten der Region statt. „Ich habe mir das Training angeschaut, auch selbst mitgemacht und versucht, meine Erfahrungen weiterzugeben“, berichtet der zehnmalige Weltmeister. „Japan möchte sich natürlich bei den Spielen 2020 gut präsentieren und pusht den Sport. Im Kanu-Bereich gehört Japan nun nicht gerade zu den etablierten Nationen, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich der eine oder andere Athlet bis dahin noch nach vorne kämpft.“

Für Olympia in Rio war das auch den Brasilianern gelungen. Zuvor spielten sie kaum eine Rolle im Kanu-Weltgeschehen, doch mit dem Heimevent vor Augen wurden die Bemühungen intensiviert. Was im Gewinn von drei olympischen Medaillen gipfelte. Allesamt in Brendels Disziplin, dem Canadierfahren. Lokalmatador Isaquias Queiroz gewann Einer-Bronze über 200 Meter und auf der 1000-Meter-Distanz jeweils Silber im Einer und zusammen mit seinem Partner Erlon Silva im Zweier. In den beiden letzteren Fällen waren es Brendel als Solist beziehungsweise er im Gespann mit Jan Vandrey, die vor dem brasilianischen Boot das Ziel erreichten. „Mal sehen, was die Japaner dann bieten werden“, sagt der KCP-Sportler, der bei seinem Gastbesuch noch reichlich Verbesserungspotenzial erkannte. „Technisch sind die Jugendlichen schon recht gut ausgebildet. Aber vom Körperlichen her fehlt eine Menge. Japaner sind eben grundsätzlich etwas kleiner, schmaler und zierlicher. Daher habe ich den Verantwortlichen erklärt, dass sie noch deutlich mehr Wert auf das Athletiktraining legen sollten.“ Außerdem müsse die Systematik bei der Talentsichtung und -förderung verbessert werden, so der 28-Jährige.

Als Brandenburger Vertreter in der Bundesversammlung

Den Aufenthalt im Land des Lächelns nutzte er dann auch gleich, um die Olympiastadt Tokio zu besichtigen. „Ich war unter anderem an der Wettkampfstätte für Kanu und Rudern. Ich vermute, dass die Bedingungen dort erneut schwierig werden, denn die Strecke ist wie in Rio wind- und wellenanfällig. Womöglich werden die Veranstalter da jedoch noch mal baulich etwas verändern. Es bleibt ja genügend Zeit.“ Daher seien bei ihm die Sommerspiele in dreieinhalb Jahren trotz der ersten Eindrücke auch kaum gedanklich präsent. „Das ist momentan einfach zu weit weg“, betont Brendel. „Jetzt habe ich die diesjährige WM in Racice im Kopf.“

Aber nicht nur die. Der Kanute ist keiner, der nur in der Sportblase lebt. Er – ein meinungsstarker Typ – hat obendrein großes Interesse an anderen Belangen. Wie der Politik. Entsprechend „riesig“ sei für ihn die Ehre gewesen, am vergangenen Sonntag bei der Bundespräsidentenwahl mitzuwirken. Doch wie kam es überhaupt dazu? „Neben Politikern dürfen weitere Leute für die Teilnahme ernannt werden. Ich war ein Vertreter des Landes Brandenburg“, berichtet das märkische Sportidol, das von Mike Bischoff, SPD-Landtagsabgeordneter aus Brendels Heimatstadt Schwedt, für den Platz in der Bundesversammlung geworben wurde.

Im Dialog gab er Steinmeier etwas mit auf den Weg

Der Vorzeigeathlet gehörte letztlich zu den fast Dreiviertel der Stimmberechtigten, die für Frank-Walter Steinmeier votierten und ihn so ins Bundespräsidentenamt hoben. „Er ist ein sympathischer Politiker, der gut rüberkommt und sich meiner Meinung nach der Probleme der Bevölkerung annimmt“, findet Brendel, der Steinmeier im persönlichen Dialog etwas mit auf den Weg gab: „Ich habe ihm gesagt, dass wir Sportler uns stets darüber freuen, wenn das Staatsoberhaupt uns mit seiner Anwesenheit bei wichtigen Wettkämpfen Respekt zollt. Hoffentlich schaut er mal vorbei.“ Olympia 2020 in Tokio wäre da so eine Möglichkeit. 

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