• Potsdamer Kanu-Kanalsprint: Ungarische Festspiele

Potsdamer Kanu-Kanalsprint : Ungarische Festspiele

Beim 14. Potsdamer Kanalsprint räumten Kanuten aus Ungarn alle Siege ab. Für die Spitzenpaddler geht es nun in die Erholungspause, ehe sie sich auf die Saison 2019 vorbereiten. Es wird ein wegweisendes Jahr hinsichtlich Olympia in Tokio, wo es eine spannende Neuerung geben wird.

Richtung Hafen der Ehe. Zwei Hochzeitsfeiern stehen Potsdams Kanuten Ende des Monats bevor: für Jan Vandrey (r.u.) und Franziska Weber (o.), die beim Kanalsprint auch ein Rennen mit Schleier fuhr.
Richtung Hafen der Ehe. Zwei Hochzeitsfeiern stehen Potsdams Kanuten Ende des Monats bevor: für Jan Vandrey (r.u.) und Franziska...Foto: Manfred Thomas

In der Kanu-Hochburg Potsdam glänzte die Kanu-Nation Ungarn. Ausnahmslos alle Siege beim 14. Kanalsprint gingen am gestrigen Sonntag an ungarische Paddler. Vor Tausenden begeisterten Zuschauern setzten sich Anna Lucz und Sandor Totka im Kajak sowie Vrag Balla und Jonathan Hajdu im Canadier durch. Der gastgebende KC Potsdam im OSC hatte drei Podestplätze zu verbuchen: Kajak-Ikone Ronald Rauhe wurde Zweiter, bei den Canadier-Herren belegten die Olympiasieger Jan Vandrey und Sebastian Brendel den Silber- beziehungsweise Bronzerang. „Auch wenn gewinnen immer am schönsten ist, ist auch der zweite Platz okay“, meinte Jan Vandrey. Für ihn – vor dem Beginn des Urlaubs – ein gutes Erlebnis, nachdem die nun beendete diesjährige Saison „eher semi-optimal“ war, wie er erklärte.

An Erfolg gewöhnt man sich schließlich schnell. Ohne zuvor ein großes Championat mit der deutschen Elite- Nationalmannschaft bestritten zu haben, gelang Jan Vandrey 2016 prompt zusammen mit KCP-Kollege Sebastian Brendel der olympische Triumph im Zweier. 2017 gab es EM-Silber sowie den Weltmeisterschaftstitel im Vierer. Doch diese Saison ging er mit dem Quartett international komplett leer aus. „Es war nicht mein Jahr“, sagte Vandrey. „Schon im Herbst und Winter habe ich beim Training nicht den Flow gefunden.“ Er paddelte dann bei der nationalen Qualifikation im Kielwasser der Konkurrenz, konnte sich gerade so noch ins A-Nationalteam kämpfen. „Der Dämpfer motiviert mich für das nächste Jahr. Ich will wieder richtig angreifen.“

Er will wieder hoch hinaus. Nach der enttäuschenden Saison 2018 lechzt Jan Vandrey nach Erfolg.
Er will wieder hoch hinaus. Nach der enttäuschenden Saison 2018 lechzt Jan Vandrey nach Erfolg.Foto: Manfred Thomas

Dabei hat der 26-Jährige ein klares Ziel: Raus aus dem Vierer und zurück in den olympischen Zweier. Doch um im Duett mit Solokönig Brendel Deutschland vertreten zu können, müssten sie die nationale Auslese überstehen. Schwerer könnte diese nicht sein, denn Peter Kretschmer/Yul Oeltze sind die Weltmeister von 2017 und 2018. „Wir sind die Jäger und wollen den beiden ordentlich Druck machen“, betonte Vandrey. Er und alle weiteren Potsdamer Kanu-Asse legen nun etwa drei Wochen Erholungspause ein, ehe sie mit der Vorbereitung der Saison 2019 beginnen.

Länder können nun bei Olympia Bootsklassen doppelt besetzen

Es wird ein wegweisendes Jahr. Denn sowohl bei den Europaspielen in Minsk (14. bis 30. Juni) als auch der Weltmeisterschaft in Szeged (21. bis 25. August) werden ein großer Teil der Quotenplätze für Olympia 2020 vergeben. Pro Land sind bis zu sechs Kajak- und drei Canadierplätze zu ergattern. Bei den Spielen in Tokio wird es dann eine Neuerung geben. Eine Nation darf im Kajak den Einer und Zweier doppelt besetzen, im Canadier den Einer. Bisher war stets bloß ein Boot je Startklasse erlaubt.

Laut Arndt Hanisch, leitender Bundestrainer aus Potsdam, habe der internationale Kanu-Verband ICF zuletzt bei Weltmeisterschaften immer eine Philosophie gefahren: Möglichst vielen Nationen die Chance auf Erfolge ermöglichen. „Das führte dazu, dass eine Art Zerstörungstaktik entstand. Es wurden große Kanu-Länder durch die Programmabfolge der WM-Rennen daran gehindert, ihre besten Leute in mehreren Bootsklassen starten zu lassen. So sollten eben auch kleine Nationen mal ins Finale“, erklärte Hanisch. Bei Olympia läuft es inzwischen anders. 2016 in Rio waren die Wettkämpfe so strukturiert, dass erstmalig bis zu drei Starts pro Person möglich waren. Die Potsdamerin Franziska Weber etwa fuhr über 500 Meter zu Silber im Vierer und Zweier sowie auf den fünften Platz der Einerkonkurrenz. 

Olympiasieger hautnah. Franziska Weber, Ronald Rauhe und Tina Dietze (v.l.) gaben wieder viele Autogramme.
Olympiasieger hautnah. Franziska Weber, Ronald Rauhe und Tina Dietze (v.l.) gaben wieder viele Autogramme.Foto: Manfred Thomas

In Tokio sollen nun also sogar zwei nationale Boote für ein und dieselbe Disziplin zugelassen sein. Deutschlands Paddlern, die ohnehin schon erfolgreichsten Olympiasportler des Landes, könnte dann womöglich noch mehr Edelmetall fischen als bisher. „Für uns ist das natürlich verlockend“, sagte Arndt Hanisch. „Doch wenn Kanu-Nationen wie Deutschland, Ungarn, dazu Russland und Polen solche Doppelstarts machen, dann wird es wenig andere Flaggen in den Finals geben. Für die Vielfalt tut es dem Kanusport nicht gut, glaube ich.“

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