• Potsdam und die European Championships 2018: Training statt Meisterschaft

Potsdam und die European Championships 2018 : Training statt Meisterschaft

Der Potsdamer Ruderer Hans Gruhne wäre auch gerne bei der Europameisterschaft in Glasgow mit dabei gewesen. Doch sein Verband musste aus finanziellen Gründen Abstriche machen, sodass nur wenige Boote ins EM-Rennen geschickt werden. Gruhne hadert mit dem Teilnahmeverzicht.

"Vergebene Chance". Hans Gruhne (2.v.l.) hätte sich gerne mit dem deutschen Doppelvierer in Glasgow präsentiert.
"Vergebene Chance". Hans Gruhne (2.v.l.) hätte sich gerne mit dem deutschen Doppelvierer in Glasgow präsentiert.Foto: Gian Ehrenzeller/dpa

Dabei sein ist alles. Den olympischen Gedanken hätte Hans Gruhne auch gerne bei den European Championships verfolgt. Selbst als Olympiasieger kann das bloße Mitmachen bereits viel bedeuten. Doch der Ruderer des RC Potsdam darf nicht an der Europameisterschaft in Glasgow teilnehmen, weil politischer Stillstand für finanzielle Unsicherheit beim Deutschen Ruderverband (DRV) gesorgt hat und dieser deshalb nur mit einem verhältnismäßig kleinen EM-Kader antritt.

Bereits Anfang des Jahres hatte der leitende Ruder-Bundestrainer Ralf Holtmeyer im PNN-Gespräch angemahnt, dass die lange Zeit für die Bildung der Bundesregierung den Spitzensport vor Probleme stelle. Beschlüsse zur Förderung ließen auf sich warten, wodurch etwa der DRV seine Saison nicht seriös planen konnte. In der Konsequenz kalkulierte der Verband schmalspurig, machte Abstriche. Es fiel für die einzelnen Bootsklassen die Entscheidung, ob an der EM teilgenommen oder ein Trainingslager in Vorbereitung auf den Saisonhöhepunkt – die Mitte September in Bulgarien stattfindende Weltmeisterschaft – durchgeführt wird.

Im Schatten des Flaggschiffs

Die Verantwortlichen des Männer- Doppelvierers sprachen sich für eine Trainingsreise nach Österreich aus. „Wir Sportler sind damit nicht glücklich“, sagt Hans Gruhne, der zum Skullquartett gehört. „Wir wären lieber bei der EM gestartet, haben versucht, ein Umdenken zu bewirken. Aber das wurde leider abgelehnt“, hadert der Potsdamer. Zwei Monate werden somit zwischen der Weltcupserie und der WM liegen. „Das ist eine ziemlich lange Pause. Die EM als Formtest zwischendurch wäre gut gewesen.“ Nicht zuletzt, weil sich die neu formierte Crew noch weiter aufeinander einspielen muss. Bei den Weltcups gab es Silber, Bronze und Rang vier. „Das war okay. Aber wir brauchen noch gemeinsame Wettkampferfahrung“, meint Gruhne.

Das diesjährige Fehlen beim Kontinentalchampionat sei seiner Meinung nach besonders ärgerlich. „Eine vergebene Chance“, findet er. „Da bekommt die Veranstaltung ein super spannendes Format mit den anderen Sportarten und wird medial groß aufgezogen – und wir präsentieren uns nicht voll als Ruderverband.“ Lediglich neun Boote schickt der DRV ins Rennen. Darunter den Männer-Achter. Deutschlands Flaggschiff misst sich bei der EM mit der Konkurrenz und bereitet sich daheim auf die WM vor statt außerhalb. In Hans Gruhnes Augen verstärkt sich dadurch eine Problematik. Wenn es um den deutschen Rudersport geht, fokussiere sich immer alles auf den Achter. „Die anderen“, sagt er, „stehen im Schatten.“ Dort könne man nicht heraustreten, wenn man wie jetzt in Glasgow gar nicht dabei sein darf.