• Potsdam Royals verlieren Rückrundenauftakt gegen Cologne Crocodiles: Pech, Pannen und eine weitere Pleite

Potsdam Royals verlieren Rückrundenauftakt gegen Cologne Crocodiles : Pech, Pannen und eine weitere Pleite

Es herrschte Aufbruchstimmung bei den Potsdam Royals. Doch zum Rückrundenstart setzte es gleich wieder einen Dämpfer für den Brandenburger Football-Erstligist. Dessen Quarterback-Dilemma setzte sich mit neuer Pointe fort.

Debüt mit Schmerzen. Royals-Sommerneuzugang Florian Larose zog sich kurz vor dem Spielende eine Handverletzung zu. 
Debüt mit Schmerzen. Royals-Sommerneuzugang Florian Larose zog sich kurz vor dem Spielende eine Handverletzung zu. Foto: Gerhard Pohl

Potsdam - Plötzlich keimte Hoffnung auf. Beim Erstliga-Footballspiel der Potsdam Royals gegen die Cologne Crocodiles am Samstag klauten die Potsdamer im vierten Viertel den rheinischen Krokodilen den Ball in aussichtsreicher Position, sodass ihr Glaube an ein Verkürzen des Rückstandes nochmal kräftig stieg. Doch wurde ihnen die Chance verwehrt. Wegen, Achtung, kein Scherz: „Unabsichtlichen Abpfeifens des Schiedsrichters“. So erklärte es der Hauptreferee selbst – die Situation sei zu voreilig trillernd unterbunden worden, weshalb der Spielzug wiederholt werden musste. Diesmal ohne verheißungsvollen Ballgewinn der Gastgeber. „Es ist korrekt entschieden, aber für uns natürlich doof“, sagte Royals-Cheftrainer Michael Vogt später. Doch letztlich passe dieser Moment ins Gesamtbild der Saison. Einer Saison mit Pech, Pannen und Pleiten.

Fünf neue Spieler kamen in der Sommerpause dazu

Am Samstag setzte es die fünfte Niederlage nach acht Ligaspielen. Mit 14:26 (7:3, 7:14, 0:3, 0:6) unterlagen die „Königlichen“ im Stadion Luftschiffhafen dem direkten Kontrahenten um einen Playoff-Platz. Sie bleiben Siebter der Nordstaffeltabelle. Aber immerhin bleibt auch der Rückstand auf Platz vier, der am Hauptrundenende den Viertelfinaleinzug sichert, unverändert bei drei Punkten. „Wir werden den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken. Aufgeben ist nicht“, zeigte sich der Coach optimistisch. 

Allerdings, das war ihm anzumerken, ist das Ausstrahlen von positiver Energie keineswegs mehr einfach. Dabei sah es zunächst gut aus. Nach enttäuschender Hinrunde startete der Versuch, im Potsdamer Team eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Mit einigen Spielern und Trainern wurde die Zusammenarbeit beendet. Fünf Akteure wurden in der Sommerpause neu verpflichtet: Florian Larose und Kevin Mwamba aus Frankreich, die Briten James McCallum und Mark Stewart sowie Nils Schaller, der zuvor für Köln spielte. „Die Team-Chemie ist jetzt super. Wir hatten ein richtig gutes Gefühl“, erklärte Vereinspräsident Stephan Goericke und fand sich zu Beginn des zweiten Viertels bestätigt, als die Hausherren 14:3 führten.

Quarterback Straub zog sich früh im Spiel eine Gehirnerschütterung zu

Doch lag zu diesem Zeitpunkt längst schon wieder einiges im Argen. Frühzeitig in der Partie war Potsdams US-Quarterback Samuel Straub bei einem Tackling unglücklich auf den Hinterkopf gekracht und zog sich eine Gehirnerschütterung zu. Er probierte, weiterzumachen, hielt bis zur Halbzeit durch, musste dann aber aus Rücksicht auf die Gesundheit rausgenommen werden. Angeknockt hatte er das Offensivspiel seiner Truppe ohnehin nicht geprägt. Die beiden Touchdowns von Gennadiy Adams und Timothy Knüttel sowie die sich anschließenden Extrakick-Punkte von Hannes Werner waren durch starke Aktionen der Potsdamer Defensive eingeleitet worden. Marko Bates und Neuzugang Schaller hatten Interceptions geschafft, Pässe des Gegners abgefangen.

Das Quarterback-Dilemma der Royals setzte sich also mit neuer Pointe fort. „Keine Ahnung, ich weiß auch nicht mehr, was ich dazu sagen soll“, meinte Michael Vogt und lächelte gequält. Bis dato waren bereits diese Saison fünf Spielmacher in seinen konkreten Planungen gegenwärtig, vier kamen zum Einsatz. Gegen Köln musste nach dem Seitenwechsel der nächste ran. Weil Ersatzmann Paul Zimmermann zum Unmut der Clubverantwortlichen unentschuldigt fehlte und Enrico Stiegemann als anderer Backup aus beruflichen Gründen nicht da war, übernahm Timothy Knüttel den Job. Statt als Wide Receiver die Pässe zu empfangen, musste er nun selbst das Spiel gestalten. „Dafür, dass er das noch nie gemacht hat, war das ganz ordentlich“, urteilte Vogt. Trotzdem kam unter dem Strich nichts Effektives heraus.

Team schöpft Potenzial aufgrund vieler Probleme nicht aus

Da Samuel Straub aufgrund seiner Gehirnerschütterung wohl eineinhalb Wochen pausieren muss, stellt sich für den Chefcoach wieder mal die Frage, wer beim nächsten Spiel – am Samstag auswärts gegen den Tabellendritten Dresden – den Quarterback geben soll. „Ich frage mal meine Frau, ob ich darf“, sagte Vogt mit einer Mischung aus Galgenhumor und Verzweiflung.

Was ihn vor allem ärgert, ist, dass das Royals-Team durch die vielen Probleme nicht in der Lage ist, sein vorhandenes Potenzial auszuschöpfen. Stattdessen fliegen der Truppe eigene Fehler gleich um die Ohren. Etwa als David Beale Jr. ein Befreiungsschlag slapstickartig misslang und die Gäste daraufhin punkteten. Vogt orientierte sich daher an einem sportphilosophischen Glanzstück des Fußball-Weltmeisters Andreas Brehme, indem er betonte: „Haste Scheiße am Schuh, haste Scheiße am Schuh.“ Insofern passte es wieder ins Gesamtbild, dass sich auch noch Neuverpflichtung Larose an der Hand verletzte. Verdacht auf Fraktur. Und das in der letzten Aktion des Matches. Unmittelbar danach ertönte der Schiedsrichter-Abpfiff – ganz mit Absicht.