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Sport : Potsdam hat Olympischen Ruder-Club

Leistungssportler und Trainer der Potsdamer Rudergesellschaft gründeten einen neuen Verein

Michael Meyer
Neuer Verein. In Potsdam wurde am gestrigen Sonntag der Olympische Ruder-Club aus der Taufe gehoben. Zu dessen Präsidentin wählten die Gründungsmitglieder mit Kathrin Boron (links) die erfolgreichste Skullerin der Welt.
Neuer Verein. In Potsdam wurde am gestrigen Sonntag der Olympische Ruder-Club aus der Taufe gehoben. Zu dessen Präsidentin wählten...Foto: Michael Meyer

Potsdam hat einen neuen Ruderverein. Am gestrigen Sonntag wurde der Olympische Ruder-Club (ORC) Potsdam e.V. gegründet, zu dessen Präsidentin die vierfache Olympiasiegerin und achtfache Weltmeisterin Kathrin Boron gewählt wurde. Für den ORC Potsdam wollen ab dem Olympiajahr 2012 die bisherigen Leistungssportler und Trainer der Potsdamer Ruder-Gesellschaft (PRG) antreten, die damit ihre sportlichen Aushängeschilder verliert. 306 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in London hoben 33 Gründungsmitglieder gestern in der Potsdamer Gaststätte „Am Havelmeer“ den neuen Verein aus der Taufe. Dessen Zweck ist laut Satzung, „den Kinder- und Jugendsport sowie den Leistungssport in der Sportart Rudern zu fördern“.

Nach monatelangen Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Breiten- und dem Leistungssport in der PRG hatte sich deren Vorstand nach der letzten Neuwahl Ende August ausschließlich aus Breitensport-Vertretern zusammengesetzt. „Das war ein klares Zeichen gegen den Leistungssport“, so Kathrin Boron. Der nun erfolgte Schritt erscheint den daran Beteiligten als logisch und folgerichtig. „Ich sehe das sehr positiv“, sagt beispielsweise Stephanie Schiller, die in diesem Jahr Weltmeisterin im Doppelvierer wurde. „Während der letzten Wahl war ich in der WM-Vorbereitung, und als ich das Wahlergebnis erfuhr, war ich geschockt. Für uns ist es wichtig zu wissen, dass wir uns weiter optimal auf Olympia vorbereiten können, ohne dass es erst irgendwelche Diskussionen gibt.“

Hans Gruhne, Doppelzweier-Vizeweltmeister dieses Jahres, sagte: „Wenn in einem Verein am Ende die Differenzen so groß sind, ist ein solcher Schritt für uns Sportler jetzt die beste Lösung.“ Was Hartmut Duif, der Präsident des Landesruder-Verbandes, bestätigte: „Dieser Schritt ist in Ordnung. Die Sportler müssen wissen, dass sie weiter eine verlässliche Heimstätte haben, und die haben sie jetzt im neuen Verein. So kehrt vor Olympia wieder Ruhe ein, was ganz wichtig ist.“ Leichtgewichts-Ruderin Daniela Reimer hatte dabei auch eine Träne im Auge. „Es tut weh, wenn man 17 Jahre in der PRG groß geworden ist und für das letzte Jahr noch umsteigt. Aber es ist enttäuschend, wie die Masters- und Breitensportler gegen uns gearbeitet haben.“ Und Trainer Steffen Becker meint: „Ich habe diese Neugründung mit forciert, weil wir den Sportlern das Gefühl geben wollen, dass sie sich in Ruhe auf London vorbereiten können und dass wir nichts heranlassen, was sie behindern könnte.“

Becker ist im Vorstand des neuen Vereins als Mitglied für Organisation zuständig, während Roland Köpke als Vizepräsident Leistungssport, Katrin Knake als Vizepräsidentin und Schatzmeisterin sowie Wolfgang Lux als Öffentlichkeits- Vorstand amtieren. „Wir werden jetzt die Mitgliedschaft im Deutschen Ruderverband, im Landesruderverband sowie im Landes- und Stadtsportbund beantragen“, erklärte Kathrin Boron. Am Bundesleistungsstützpunkt sei alles, was für den Leistungssport nötig ist, nicht in den Vereinsräumen der PRG untergebracht, der laut Pachtvertrag lediglich drei Bootshallen und zwei der fünf Bootsstege sowie zwei Geschäftsräume im „Seekrug“ gehörten. „Für den Leistungssport wird sich nichts ändern“, so die neue Präsidentin. „Das komplette Trainerteam und die Sponsoren stehen zur heutigen Entscheidung – wir werden sofort in die Arbeit einsteigen.“

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