• PNN-Olympiaserie "Rio ruft": Das System hinter den Medaillen

PNN-Olympiaserie "Rio ruft" : Das System hinter den Medaillen

Der Countdown läuft. Noch 63 Tage sind es bis zu den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. Heute startet unsere neue PNN-Serie „Rio ruft“. Folge 1: Stützpunkte und Finanzierung

Foto: dapd

Heute in exakt elf Wochen wird in Rio de Janeiro das Olympische Feuer entzündet. Ab dem 5. August ist die brasilianische Metropole dann für 17 Tage Schauplatz der diesjährigen Sommerspiele, bei denen die weltbesten Athleten versuchen werden, den Sport-Olymp zu erklimmen.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird etwa 450 Aktive nach Rio entsenden und erwartet, dass sie zwischen 42 und 71 Medaillen am Zuckerhut holen. Diesen Zielkorridor hat der DOSB Ende April festgelegt und damit seine 2013 formulierte ursprüngliche Vorgabe (40 bis 70) leicht nach oben korrigiert. Vor vier Jahren in London hatten Deutschlands Sportler 44-mal Edelmetall gewonnen und konnten damit den Negativtrend, der über die vorhergehenden Olympiaden hinweg entstanden war, stoppen. Dennoch: Die Gesamtentwicklung ist ernüchternd. Bei den ersten Spielen nach der deutschen Wiedervereinigung – 1992 in Barcelona – gab es noch 82 Podestplätze für das schwarz-rot-goldene Team zu bejubeln, danach ging es bergab: 65 Medaillen in Atlanta, 56 in Sydney, 49 in Athen, 41 in Peking.

Reform der Spitzensportförderung in Arbeit

Vor diesem Hintergrund steht seit knapp zwei Jahren die Spitzensportförderung in Deutschland auf dem Prüfstand. Unter Führung des für den Sport zuständigen Bundesinnenministeriums und des DOSB wird in acht Arbeitsgruppen sowie mit einem externen Beratungsgremium an einer Reform der Strukturen getüftelt. Im Oktober – so der Plan – sollen dann die Ergebnisse vorgestellt und ab dem nächsten Olympiazyklus von 2017 bis 2020 umgesetzt werden.

Alles zielt darauf ab, die Systematik effizienter zu machen, um Deutschland wieder in die Phalanx der Sport-Weltgroßmächte zurückzuführen. Zur Diskussion steht dabei unter anderem die Ausgestaltung des Stützpunktkonzeptes – bestehend aus den Olympia- sowie Bundesstützpunkten und Bundesleistungszentren. Neben diesen Einrichtungen, die die zentralen Organe im Bestreben nach positiver Leistungsentwicklung darstellen, bilden auch die auf Jugendarbeit ausgerichteten Landesstützpunkte, von denen es in Brandenburg momentan 162 gibt, die Fachverbände sowie weitere Institutionen – beispielsweise Sporthilfe-Stiftungen und Fördergruppen der Bundeswehr oder Polizei – das komplexe Organisationsnetz des deutschen Leistungssports.

160 Millionen Euro Bundesmittel

Für den Betrieb dieses Apparates bedarf es einer Menge Geld. Mit Abstand wichtigster finanzieller Unterstützer von Deutschlands Spitzensport ist der Bund, der dieses Jahr 160 Millionen bereitstellt. Etwa ein Drittel davon, was den größten aller Posten ausmacht, fließt direkt an die Spitzenfachverbände – in Form einer Grund- und einer Projektförderung. Die Grundförderung ist dabei der Hauptanteil und berechnet sich anhand der Wettbewerbe, Teilnehmer und Medaillengewinne des jeweiligen Verbandes bei den beiden vergangenen Olympischen Spielen. Die Höhe der Projektmittel richtet sich derweil nach den prognostizierten Aussichten der Verbände auf künftigen Erfolg.

Unterstützung durch Länder und Kommunen

In Deutschland ist der Bund zuständig für die Spitzensportförderung, während die Länder finanzielle Hauptverantwortung für den Nachwuchsleistungssport und die Kommunen für den Breiten-, Kinder- und Vereinssport tragen. Allerdings profitieren Top-Athleten auch von der Unterstützung durch Länder und Kommunen.

Auf PNN-Anfrage teilte zum Beispiel das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport (MBJS) in Brandenburg mit, dass für die Individual- und Vereinsförderung von Brandenburgs Spitzensportlern seitens des MBJS in diesem Jahr rund 545 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Zudem investiert das Land auch stark in die Infrastruktur der Spitzensportareale. Für den Standort Luftschiffhafen – dies ist das Zentrum der leistungssportlichen Ambitionen der Stadt Potsdam – wurden im Zeitraum von 2006 bis 2016 durch die Landesregierung knapp 14,5 Millionen Euro aufgewendet, größtenteils zur Förderung der Trainingsstätten. Dies geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion hervor.

Und auch die Landeshauptstadt Potsdam, die mit ihrer Tochtergesellschaft Pro Potsdam Eigentümerin des Sportparks Luftschiffhafen ist, steckt viel Geld in dieses Gelände. Allein im Jahr 2015 belief sich der städtische Zuschuss auf 8,5 Millionen Euro, wie es auf PNN-Anfrage heißt. 8,1 Millionen Euro wurden für Bewirtschaftungskosten aufgebracht, der Rest für infrastrukturelle Investitionen. Allerdings sei die Bezuschussung nicht primär dem dortigen Hochleistungssportbereich geschuldet, wird vonseiten der Stadt betont. Schließlich werde das Areal ebenso umfangreich in nachwuchs-, breiten-, vereins-, schul- und gesundheitssportlicher Hinsicht genutzt. Der Unterstützung dieser Aspekte hat sich die Stadt mit ihrer Sportfördersatzung hauptsächlich verschrieben und setzt diese unter anderem am Luftschiffhafen um – im Umkehrschluss bedeutet das an diesem Standort aber eben zugleich eine Stärkung des Spitzensports.

Lesen Sie hier Folge zwei der PNN-Olympiaserie "Rio ruft": Wo macht Training Sinn? Spitzensportstruktur im Land Brandenburg.

Lesen Sie hier Folge drei der PNN-Olympiaserie "Rio ruft": Die Athleten, Ziele und Trainer.

Lesen Sie hier Folge vier der PNN-Olympiaserie "Rio ruft": Die Bilanz der Sommerspiele 2016.

Lesen Sie hier Folge fünf der PNN-Olympiaserie "Rio ruft": Die Paralympics.

Lesen Sie hier Folge sechs der PNN-Olympiaserie "Rio ruft": Die Bilanz der Paralympics 2016.

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