Sport : „Nie im Leben“

Braunschweigs Trainer Torsten Lieberknecht über Fankultur und das nächste Spiel gegen den SVB 03

Erfolgscoach. Torsten Lieberknecht (37) übernahm 2008 das Training der ersten Mannschaft von Eintracht Braunschweig. Unter ihm gelang der Mannschaft der Klassenerhalt und damit die Teilnahme an der 3. Liga in der Saison 2008/09. In der laufenden Saison 2010/11 verlängerte Lieberknecht seinen Vertrag bei der Eintracht bis 2013.
Erfolgscoach. Torsten Lieberknecht (37) übernahm 2008 das Training der ersten Mannschaft von Eintracht Braunschweig. Unter ihm...Foto: dpa

Herr Lieberknecht, Glückwunsch zum vorzeitigen Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Wie ausgiebig wurde denn nach dem Sieg gegen Unterhaching noch gefeiert?

Danke sehr, es wurde natürlich noch sehr intensiv gefeiert. Und da blieb’s nicht bei Fanta und Cola. Die Fans haben uns in der Stadt einen tollen Empfang bereitet, und alle freuen sich schon auf den 15. Mai, wenn die offizielle Aufstiegsparty steigt. Dann ist die Stadt im Ausnahmezustand.

Nach 1988, 2002 und 2005 ist Eintracht Braunschweig zum vierten Mal in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Diesmal hat das bereits sechs Runden vor Spielende geklappt. Da könnte man meinen, der restliche Ligaalltag wäre eine lästige Pflichtübung. Müssen Sie Ihr Team vor dem Heimspiel am Freitagabend gegen den SV Babelsberg 03 da womöglich besonders motivieren?

Nun ja, ich muss die Mannschaft seriös vorbereiten. Unser Saisonziel haben wir zwar sensationell erreicht, aber wir wollen das Ganze eben auch als Meister beenden. Nun sind die Jungs zwei Tage lang mit brennender Lampe durch die Gegend gelaufen, und unter anderen Umständen hätte ich da garantiert auch anders reagiert. Aber zum nächsten Spiel sind alle wieder fit.

Kein Drittligist kassierte in dieser Saison weniger Tore als die Eintracht. Im Jahr 2008 stellte der Verein einen Dreijahresplan auf: Klassenerhalt, guter einstelliger Tabellenplatz und um den Aufstieg mitspielen. Das wurde geschafft, was war das Erfolgsrezept?

Das war die Kontinuität. Wir haben das Team Jahr um Jahr punktuell verstärkt, der Stamm wurde erhalten und die Fans sind den Weg mitgegangen. Wir haben immer zusammengehalten.

Bei der Eintracht wird nie ein Torwart die Nummer eins tragen.

Nein, unsere Nummer eins sind die Fans.

Beim SV Babelsberg 03 hat der Vorstand kürzlich beschlossen, den angestammten Fanblock mit der Nordkurve beim Spiel gegen Dresden an die Dynamo-Fans zu verkaufen. Das hat zu großen Protesten geführt. Wäre so etwas in Braunschweig vorstellbar?

Nie im Leben. Dann bräuchten wir für unser Stadion kein Abrissunternehmen. Das würden die Fans dann schon erledigen – und das mit Recht. Wir haben von unseren Fans auch viel in die Fresse bekommen. Aber sie haben immer eine ganz wichtige Rolle gespielt und standen immer hinter uns.

Nun geht’s also in die Zweite Liga – welche Veränderungen werden auf Ihren Verein zukommen?

Das werden viele sein, die wir in Ruhe angehen werden. Wir freuen uns schon wie die Kinder, dass unsere Spiele beispielsweise auf Sky zu sehen sein werden, und wollen uns in der Zweiten Liga etablieren. Aber zuvor wollen wir noch die Saison ordentlich zu Ende bringen.

Nun kommt der SV Babelsberg 03 nach Braunschweig. Das Hinspiel ging mit 3:0 klar an Sie, die Favoritenrolle dürfte außer Frage stehen. Wie schätzen Sie das Team um Dietmar Demuth ein?

Ich habe ganz großen Respekt vor der Mannschaft und der Arbeit Dietmar Demuths. Mit solch begrenzten finanziellen Mitteln eine solche Saison abzuliefern ist aller Ehren wert. Ich habe mehrere Spiele gesehen, auch das in München. Und dieser Erfolg dort hat den Schalter umgelegt.

Ausgerechnet der zuvor suspendierte Karim Bellarabi schoss mit seinem 1:0 die Eintracht in die Zweite Liga. Wird er auch gegen Babelsberg dabei sein?

Ja, die Sperre galt ja nur für ein Spiel. Er hört manchmal den Wecker nicht und durfte deshalb nicht dabei sein. Das ist nun aber alles geklärt.

Können Sie ansonsten auf Ihren kompletten Kader bauen?

Hinter dem angeschlagenen Benjamin Kessel steht noch ein Fragezeichen. Ansonsten sind alle an Deck.

Das Gespräch führte Henner Mallwitz.

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