• Nach Pokal-Schlappe in Wolfsburg: Turbine steht vor einem Charaktertest

Nach Pokal-Schlappe in Wolfsburg : Turbine steht vor einem Charaktertest

Im Viertelfinale des DFB-Pokals ist Turbine Potsdam nach schwacher Leistung gegen den VfL Wolfsburg ausgeschieden - in der Bundesliga hängen Potsdams Fußballerinnen weit hinter der Spitze zurück. Wie nimmt das Team die Situation in der restlichen Saison an? 

Foto: Sebastian Gabsch

Potsdam - Matthias Rudolph hat schon oft die Moral seiner Mannschaft gepriesen, ihren guten Charakter. Dies wird nun in den verbleibenden sieben Saisonspielen der Frauenfußball-Bundesliga auf die Probe gestellt. Wie präsentiert sich Turbine Potsdam dabei? Angesichts der Tatsache, dass die diesjährigen Träume von den ganz großen Erfolgen zerplatzt sind! Am Mittwochabend schied die Rudolph-Elf nach einer schwachen Leistung mit 0:4 (0:2) im Viertelfinale des DFB-Pokals gegen Branchenprimus VfL Wolfsburg aus. Und in der Liga sind die beiden Champions-League-Qualifikationsplätze, auf denen Wolfsburg und der FC Bayern München Kopf an Kopf liegen, satte neun Punkte entfernt. Am Sonntag gastiert Turbine in München (Beginn: 14 Uhr).

Schon dort wird interessant zu beobachten sein, ob die Potsdamerinnen auch ohne Erfüllung ihrer Hoffnungen (Pokalfinale, Titel, Europapokal-Teilnahme) dennoch Kampfeslust auf den Rasen bringen. Beim Cup-Spiel in Wolfsburg war das überraschend nicht der Fall. „Mutig sein“ sein, um für die „Überraschung“ zu sorgen, hatte Coach Rudolph vorab als Marschroute ausgegeben. Davon war herzlich wenig zu sehen. Die mit vielen Eigengewächsen gespickte Turbine-Truppe, die defensiv ohne die gelb-rot-gesperrte Abwehrchefin Johanna Elsig unorganisiert agierte, rief ihr Potenzial überhaupt nicht ab, war dem niedersächsischen Star-Ensemble völlig unterlegen. Der ARD-Hörfunk ordnete das Geschehen anschließend als „Klassenunterschied“ ein.

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Dass dieser zutage trat zwischen dem Ersten und Dritten der Bundesliga war eine bittere Erkenntnis für den sechsfachen Meister aus Brandenburg. Aber auch für die gesamte deutsche Elite-Spielklasse, in der die Kluft zwischen den finanzstarken, durch Männer-Erstligisten gestützten Klubs aus Wolfsburg sowie München und dem Rest immer größer zu werden droht. Immerhin: Der dritte Platz auf dem Podium ist für Potsdam noch eine realistische Dimension. Bronze, eigentlich gut. Manch einem Fan oder Oberen der Vereinsführung mag das aber zu wenig sein. Doch wäre so das Ziel erreicht, dass der demütig und gern zurückhaltende Cheftrainer für sich festgelegt hat. Die Top 4 sind Matthias Rudolphs Maßstab. Dafür braucht es nicht zuletzt Charakterstärke.