• Judo beim UJKC Potsdam: Eine Schule für das Leben

Judo beim UJKC Potsdam : Eine Schule für das Leben

Der UJKC Potsdam fördert intensiv seinen Judo-Nachwuchs und erhielt als Anerkennung dafür das „Grüne Band“. Nicht nur in athletischer Hinsicht werden junge Leute durch den japanischen Kampfsport gestärkt, sondern auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.

Ein Boxer weist dem Judoka den Weg. In der Trainingshalle des UJKC Potsdam zieren ein Bild von Muhammad Ali und ein Motivationsspruch von ihm die Wand. „Champions“, wie dort groß geschrieben steht, hat der UJKC vor allem im Jugendbereich schon einige hervorgebracht.
Ein Boxer weist dem Judoka den Weg. In der Trainingshalle des UJKC Potsdam zieren ein Bild von Muhammad Ali und ein...Foto: Tobias Gutsche

Das Training geht an die Substanz. Randori steht für die Judoka des UJKC Potsdam auf dem Plan. Vier Minuten Kampfzeit, vier Minuten Pause, und das acht Mal. Der Schweiß strömt, die Muskeln brennen, das Atmen fällt schwer. „Durch diese Übungsform, bei der die Pumpe ordentlich zu arbeiten hat, wird die Wettkampfhärte geholt. Das ist der entscheidende Weg, um gut durchzukommen, wenn es dann darauf ankommt“, erklärt Trainer Mario Schendel während der kräftezehrenden Trainingseinheit.

Begonnen hatte diese noch ganz entspannt. Mit einer Ehrung. Der UJKC Potsdam bekam vom Deutschen Olympischen Sportbund und der Commerzbank das „Grüne Band“ als Anerkennung für seine herausragende Talentförderung überreicht. Zu den 50 Preisträgern in diesem Jahr, dem 30. seit Bestehen jener Auszeichnung, gehören neben Potsdams Judoka auch der Handballclub VfL Potsdam und die Bob-Abteilung des SC Potsdam.

Kontinuierliche Arbeit: UJKC zum dritten Mal prämiert

Für den UJKC ist es nach 1998 und 2005 das dritte Mal, dass der in der MBS-Arena beheimatete Verein mit dem „Grünen Band“ prämiert wird. „Das ist ein Zeichen für die Kontinuität unserer erfolgreichen Arbeit“, sagt Bernd Bohlmann, zweiter Vorsitzender des rund 670 Mitglieder – davon knapp 500 Kinder und Jugendliche – zählenden Clubs. „Es ist unser größter Anspruch“, betont Bohlmann, „den Nachwuchs zu stärken. Wir wollen den jungen Leuten Entwicklungsmöglichkeiten geben, damit sie etwas erreichen.“

Dass dies bestens funktioniert, wurde in der jüngeren Vergangenheit eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Nur drei Beispiele: Ende Februar war der UJKC mit viermal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze unangefochten stärkster Verein der Deutschen U18-Meisterschaft, vorvergangenes Wochenende holte Potsdams weibliches U14-Team den Deutschen Jugendpokal und am zurückliegenden Samstag gewann UJKC-Eigengewächs Philipp Galandi Bronze bei der U23-Europameisterschaft. „Unser Nachwuchskonzept zieht sich konsequent durch alle Altersstufen, um dadurch eine gezielte Talentförderung zu erreichen“, sagt der Vizepräsident.

UJKC beginnt seine Förderung bereits in Kitas und Schulen

Den Anfangspunkt markiert hierbei die Kooperation mit Kitas und Schulen. „In etwa 30 sind wir aktiv“, erläutert Bernd Bohlmann. „Dort wird der Judosport in Übungsgruppen kindgerecht aufbereitet. Dadurch soll das Interesse für Judo geweckt und Begeisterung dafür entfacht werden.“ Was macht denn die Faszination dieses japanischen Kampfstils aus, Coach Mario Schendel? „Ganz klar die Vielseitigkeit. Judo ist eine der komplexesten Sportarten überhaupt.“ Es braucht Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer. Aber auch Kampfintelligenz, Koordination und Geschicklichkeit. Denn Judo ist ein Balanceakt. Es geht darum, den Gegner durch raffinierte Techniken aus dem Gleichgewicht zu bringen und ihn so auf den Rücken zu befördern – gleichsam muss sich gewandt der Attacken des Kontrahenten entzogen werden. In der richtigen Dosierung von Angriff und Abwehr liegt die Krux.

Wer dies besonders gut beherrscht, kann im Potsdamer Judozentrum, das ein Landesleistungsstützpunkt ist, als Sportschüler weiter intensiv gefördert werden und landet dann bei Lehrertrainer Mario Schendel. Er ist auch der Verantwortliche für das UJKC-Männerteam, das seit Jahren zu den Besten in der 1. Bundesliga gehört. „Diese Mannschaft ist ganz wichtig für uns. Zum einen setzen wir dabei vor allem unsere eigenen Talente ein, damit sie Erfahrungen sammeln können. Und zum anderen liefert die Bundesliga Emotionen. Wenn unsere Kleinsten bei den Kämpfen zuschauen, träumen sie davon, dort auch mal auf der Matte zu stehen. Das spornt sie an“, erläutert Vorstandsmitglied Bernd Bohlmann.

Künftig soll auch wieder ein Frauenteam im Ligabetrieb sein

Er weiß allerdings, dass es beim UJKC noch eine Lücke zu schließen gibt. Denn die Potsdamer Frauen kämpfen nicht mehr im Ligabetrieb. Dreimal sind die UJKC-Ladies um die Olympiasiegerin und heutige Cheftrainerin Yvonne Bönisch Deutscher Mannschaftsmeister geworden und sogar einmal Team-Vizeeuropameister.

Doch aus Mangel an nachkommenden Kämpferinnen erfolgte seit 2011 keine Meldung mehr. „Inzwischen haben wir aber wieder viele talentierte Mädchen. Das versetzt uns in die Lage, bald – ohne eine konkrete Jahreszahl zu nennen – eine Frauenmannschaft stellen zu können. Wir möchten gerne das Gleiche bieten wie bei den Herren“, sagt Bohlmann. Nötige Voraussetzung sei eine gesicherte Finanzierung dieses Projekts, an der noch gearbeitet werden müsse.

Werte wie Fairness und Disziplin zeichnen den Judosport aus

Der Gewinn des „Grünen Bandes“ hat nun 5000 Euro in die Vereinskasse gespült. Wie dieses Geld genau verwendet werden soll, ist noch nicht geklärt. „Es gibt da einige Ideen, wie wir unseren Nachwuchs davon profitieren lassen wollen. Zum Beispiel eine einheitliche Wettkampfbekleidung, was immer ein schönes Zeichen nach außen ist und Identifikation stiftet.“

Identifikation ist ganz allgemein im Judo ein wichtiges Schlagwort, verlangt jener Sport doch ein Bekenntnis zu klaren Werten und Disziplin. „Auf der Matte“, erzählt Bohlmann, „wird zwar gekämpft, aber nur mit den erlaubten Mitteln. Daher entwickelt man einen jederzeit fairen Umgang mit dem Gegner, man bringt ihm Respekt und Achtung entgegen.“ Judo stärkt also die körperliche Fitness ebenso wie die Persönlichkeit. Es ist eine Schule für das Leben. Und dazu gehört eben auch, sich durchzubeißen, wenn es anstrengend und schwierig wird. Man lernt es beim Randori.

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