• HV Grün-Weiß Werder: „Werder kann dritte Liga“

HV Grün-Weiß Werder : „Werder kann dritte Liga“

Hannes Lindt stand einst als Handballprofi in der 1. und 2. Bundesliga auf der Platte. Mittlerweile ist er Geschäftsführer des Oberligisten HV Grün-Weiß Werder. Im Interview spricht er über Strukturen und Ambitionen der Grün-Weißen sowie das Verhältnis zum VfL Potsdam.

Matthias Schütt
Von der Platte an den Schreibtisch. Nach dem Ende seiner aktiven Handballkarriere leitet Hannes Lindt nun die Geschicke beim Oberligisten HV Grün-Weiß Werder.
Von der Platte an den Schreibtisch. Nach dem Ende seiner aktiven Handballkarriere leitet Hannes Lindt nun die Geschicke beim...Foto: Matthias Schütt

Herr Lindt, von der Handball-Platte ging es im Sommer an den Schreibtisch. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Aufgrund meines zweiten Kreuzbandrisses im rechten Knie musste ich meine aktive Karriere beenden. Schon in der Reha hatte ich gemerkt, dass es nicht mehr so wird, wie ich es mir vorstelle. Anfang Januar 2017 kam der Kontakt zum HV Grün-Weiß Werder zustande, der nie wirklich abgerissen ist. Es war für mich nicht unbedingt der große Plan, dass ich nach meiner aktiven Karriere weiter beim Handball bleibe. Ich habe geguckt, was es für Optionen gibt, und vom Bauchgefühl war es mit Werder die richtige Sache.

Sie konnten in ihrer Karriere das Leben in der Handball-Bundesliga genießen. Haben Sie sich jetzt schon an die Niederungen des Handballsports – der HV Grün-Weiß Werder spielt in der Ostsee-Spree-Oberliga – gewöhnt?

Ich bin ja als Geschäftsführer in Werder. Da habe ich in den letzten zwei Monaten viel gelernt, was nicht unbedingt mit dem Handball zu tun hatte. Da gibt es im täglichen Geschäft auch andere Aufgaben, mit denen man sich beschäftigt. Nichtsdestotrotz bin ich auch sportlich verantwortlich für die erste Herren-Mannschaft. Da ist es schon etwas anders. Es ist ein anderes Level und daran musste ich mich erstmal gewöhnen. Die Spieler machen das alles als Teilzeitjob und haben neben ihrer Arbeit noch Familien. Es macht mir aber auch Spaß, da es etwas ganz Neues ist. Eben alles etwas familiärer.

Welche Ambitionen sind mit Ihrem Engagement in Werder verbunden?

Der Drittliga-Aufstieg 2016 kam zu schnell für die Vereinsstrukturen und dieses Defizit konnte man nicht nachholen. Auch wenn die Herren-Mannschaft abgestiegen ist, ist die Damen-Truppe in die Ostsee-Spree-Liga aufgestiegen. Das hatten wir so noch nicht. Damit haben wir weiterhin ein sehr hohes sportliches Niveau in Werder. Wir müssen jetzt unsere Hausaufgaben machen. Da sind nicht nur Sponsorengespräche zu führen, sondern auch Strukturen zu schaffen, dass man in zehn Jahren immer noch leistungsfähig ist. Unser Ziel ist es, auch wieder selbst Spieler auszubilden.

Der Verein stellt sich mit Ihnen als Geschäftsführer weiter professionell auf. Heißt das, dass Grün-Weiß Werder schnell wieder höherklassig spielen will?

Werder kann dritte Liga und das ist langfristig auch das Ziel. Dieses Jahr haben wir wahrscheinlich die stärkste Ostsee-Spree-Liga aller Zeiten und das Niveau ist extrem hoch. Wir müssen schon leistungsorientiert denken, das ist auch für die Entwicklung der jungen Spieler wichtig. Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen. Unser Ziel ist es dieses Jahr, im oberen Tabellendrittel zu spielen.

Trotz des Abstieges in der Vorsaison aus der dritten Liga gab es wenige Abgänge. Welche Argumente hatten Sie, die Spieler in der Blütenstadt zu halten?

Alle Spieler die gegangen sind, wollten weiter in der dritten Liga bleiben. Ansonsten spielte die große Familienkultur in Werder eine Rolle. Die Spieler fühlen sich hier wohl und da war es nicht schwer, die Jungs zu überzeugen. Ich bin auch heilfroh, dass ein Großteil der Mannschaft geblieben ist. Wir haben jetzt 15 Spieler im Kader.

Welche Perspektive gibt es für eine Zusammenarbeit mit dem einstigen Kooperationspartner 1. VfL Potsdam?

Bis zu unserem Drittliga-Aufstieg gab es ja diese Kooperation, die für Werder überraschend abgebrochen wurde. Wir sollten versuchen, so bald wie möglich Gespräche aufzunehmen, um in der Zukunft eine starke Handballregion Mittelmark zu etablieren. Gerade für die Bindung einheimischer Talente ist es extrem wichtig, eine langfristige Perspektive zu ermöglichen. Mit dem strukturellen und wirtschaftlichen Umfeld in Werder und Potsdam sollte es in Zukunft möglich sein, Kinder, Jugendliche und Erwachsene an die Region Mittelmark zu binden. Im Moment gilt es für beide Vereine, die Hausaufgaben zu machen. Wir werden sehen, was die Zukunft bringt. Ich denke, eine Bündelung der Kräfte ist von enormer Bedeutung und beide Standorte würden dadurch erfolgreicher werden.

ZUR PERSON
Hannes Lindt (31) ist Geschäftsführer beim HV Grün-Weiß Werder. Der gebürtige Cottbuser kam in seiner aktiven Handball-Karriere auf über 100 Erstliga- sowie mehr als 300 Zweitligaspiele. 

Ihr drittes Oberliga-Saisonspiel bestreiten Werders Männer, die bislang zweimal verloren haben, am morgigen Samstag auswärts gegen den Bad Doberaner SV (Beginn: 19 Uhr). Die mit einem Sieg in ihr Oberliga-Premierenjahr gestarteten Grün-Weiß-Frauen gastieren tags darauf beim Berliner Verein Pfeffersport (17.30 Uhr).