• Gewalt beim Landespokalfinale von Babelsberg 03: Polizeichef entschuldigt sich beim SVB

Gewalt beim Landespokalfinale von Babelsberg 03 : Polizeichef entschuldigt sich beim SVB

Nach dem Gewaltausbruch von Fans und Polizei beim Landespokalfinale haben der SV Babelsberg 03 und die Polizei am Donnerstag eine gemeinsame Erklärung verbreitet. Darin entschuldigt sich die Polizeiführung und räumt Fehler ein. Manchen Fans reicht das nicht.

Harter Einsatz. Die Polizei verteidigt ihr Vorgehen gegen SVB-Fans.
Harter Einsatz. Die Polizei verteidigt ihr Vorgehen gegen SVB-Fans.Foto: J. Kuppert

Luckenwalde - Zu den gewalttätigen Auseinandersetzungen nach dem Landespokalfinale zwischen dem FSV 63 Luckenwalde und dem SV Babelsberg 03 vom vergangenen Samstag hat sich jetzt erstmals die Polizeiführung geäußert. „Ich bedauere, dass offenbar auch Unbeteiligte durch den Einsatz von Reizgas betroffen waren“, sagte Peter Meyritz, Leiter der Polizeidirektion West. Zugleich kündigte er an, dass der „Einsatz der Zwangsmittel“ noch einmal intern ausgewertet werden soll. Aus Vereinskreisen hieß es, der SV Babelsberg 03 begrüße die gemeinsame, am Donnerstag verbreitete Stellungnahme mit der Polizei. Sie sei um Aufklärung bemüht. Denn: Dass sich eine Polizeiführung so kritisch zum eigenen Einsatz äußert, kommt nicht häufig vor.

 

Polizeichef räumt kommunikatives Missverständnis ein

Rückblende: Nach Abpfiff des Landespokalfinales – das der SVB mit 3:1 für sich entscheiden konnte – versuchten mehrere Babelsbergfans auf das Spielfeld zu gelangen, obwohl der gastgebende FSV 63 Luckenwalde das untersagt hatte. Auch der Stadionsprecher hatte dieses Verbot mehrfach durchgesagt. Nach eigenen Angaben wollten die Fans auf dem Rasen mit der Mannschaft den Sieg feiern. Weil sich das zuvor angedeutet hatte, entschied der Sicherheitsbeauftragte von Babelsberg – der an diesem Tag mit dem vereinseigenen Sicherheitsdienst für den Gästeblock zuständig war –, dass die Polizei vor dem Gästeblock hinzugezogen werden soll. Dabei habe es offensichtlich ein kommunikatives Missverständnis gegeben, wann die Polizei aktiv eingreifen soll, sagte Polizeiführer Meyritz.


Wie es zur Eskalation kam, soll jetzt aufgearbeitet werden

Unklar ist derzeit, wie viele Babelsberg-Fans tatsächlich versuchten, auf das Spielfeld zu gelangen: Die Polizei schreibt von bis zu 100 Beteiligten, die Fans von maximal 20. Der Polizei gelang es in dieser Situation auch, ein mutmaßlich von den Fans geöffnetes Sicherheitstor wieder zu schließen. Möglicherweise wären sonst mehr Fans auf das Spielfeld gelangt. Ebenfalls nicht geklärt ist, von wem die Eskalation ausging – ob von der Polizei oder den Fans. Auch das soll jetzt noch untersucht werden. Denn zunächst hatten die Fans auf dem Spielfeld friedlich mit der Mannschaft gefeiert. Die genaue Abfolge wollen der SVB und die Polizei nun anhand von Videomaterial aufarbeiten. Der SVB hatte der Polizei auch vorgeworfen, das Pfefferspray auch gegen unbeteiligte, hinter dem Zaun stehende Fans, darunter auch Kinder, eingesetzt zu haben. Gegen die Personen auf dem Spielfeld benutzten sie auch Schlagstöcke.



Fans drohen mit Austritt - sie fordern harte Worte gegen die Polizei

Die Bilanz des Einsatzes: Etwa 30 Fans mussten von Sanitätern versorgt werden, der Großteil von ihnen wurde leicht verletzt. Einige trugen aber auch Platzwunden davon. Nach Fanangaben musste eine Person reanimiert werden. Das Fanbeirat will mehr als 100 Verletzte gezählt haben und arbeitet an einer eigenen Auswertung der Vorgänge. Zudem wurden nach offiziellen Angaben sieben Polizisten verletzt, einige von ihnen auch durch das Pfefferspray der eigenen Kollegen. Ein Beamter wurde, als die Fans bereits das Stadion verließen, mit einem schweren Gegenstand – nach PNN-Informationen einem großen, metallenen Aschenbecher – beworfen.

Am heutigen Freitag wird der Polizeieinsatz auch im Innenausschuss des Landtags aufgearbeitet. Weil der SV Babelsberg 03 den Einsatz aus Sicht einiger Fans nicht entschieden genug kritisierte, kündigten am Donnerstagabend zahlreiche Fans an, ihre Vereinsmitgliedschaft beenden zu wollen. 

 

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