• Enttäuschende Leistung: Kritische Zeiten bei den Potsdam Royals

Enttäuschende Leistung : Kritische Zeiten bei den Potsdam Royals

Rumoren bei den Royals: Potsdams Footballer gehen als Tabellenvorletzter enttäuscht in die Sommerpause – Konsequenzen angekündigt.

Potsdams Runningback Gennadiy Adams konnte durchaus Akzente setzen - und brachte die Royals sogar früh in Führung.
Potsdams Runningback Gennadiy Adams konnte durchaus Akzente setzen - und brachte die Royals sogar früh in Führung.Foto: Gerhard Pohl

Potsdam - Der Boss redete gleich Klartext. Stephan Goericke war nach Abpfiff noch auf dem Weg von der Tribüne herab Richtung Spielfeld, da begann der Vereinspräsident des Football-Erstligist Potsdam Royals bereits, in den Tacheles-Modus zu schalten. „Es ist die bisher schwierigste Situation in unserer Vereinsgeschichte. Und das ist vor allem auch eine Charakterfrage. Daher werden wir uns jetzt Gedanken über Konsequenzen machen“, sagte er nach der 13:33 (7:0, 0:24, 6:0, 0:9)-Heimniederlage seines Teams am Samstag gegen die Dresden Monarchs.

Personelle Veränderungen angekündigt

Als Tabellenvorletzter der German Football League 1 Nord gehen die Royals in die einmonatige Sommerpause – mit der für sie enttäuschenden Bilanz von nur zwei Siegen, einem Remis und vier Niederlagen. „Es passt noch nicht“, haderte Cheftrainer Michael Vogt. Er und Stephan Goericke werden nun die spielfreie Zeit zur gemeinsamen Analyse nutzen, kündigte der Präsident an. „Eines ist aber Fakt“, betonte Goericke: „So wie bisher kann es nicht weitergehen. Vermutlich wird es personelle Veränderungen im Kader und Trainerstab geben müssen.“ Er bemängelte, dass einigen Akteuren auf und neben dem Platz das geforderte Maß an Professionalität fehle. „Wer da nicht ordentlich mitzieht, muss einsehen, dass er bei den Royals nicht die richtige Heimat gefunden hat, der muss gehen. Wir können hier niemanden mitschleppen.“

Es ist eine ungewohnte Stimmung bei den „Königlichen“. Rumoren statt rühmen. Bislang ging es für den Potsdamer Verein immer nur empor, viele Siege wurden geholt, ein Aufstieg folgte auf den nächsten, vorige Saison gelang dann prompt ein gutes Debütjahr in der ersten Liga. Für 2019 formulierten die Clubverantwortlichen unmissverständlich die Playoff-Qualifikation als nächsten Zielschritt. „Alles andere wäre eine Enttäuschung“, hatte Coach Vogt erklärt. Bei lediglich drei Punkten Rückstand zum vierten Tabellenplatz, der letztlich den Viertelfinaleinzug bedeuten würde, ist dieser in der Rückrunde noch gut zu meistern. Aber dafür braucht es eine Leistungssteigerung. „Wir müssen aufpassen, dass die Saison nicht zu Ende ist , bevor sie eigentlich angefangen hat“, so Vogt.

Desaster im zweiten Viertel

Vier Ligaspiele in Folge blieben die Potsdamer zuletzt ohne Sieg. Jedes Mal brachte sie ein extrem schwaches Viertel um mehr. Auswärts gegen die New Yorker Lions Braunschweig gaben die Royals den letzten Abschnitt 0:21 ab, daheim gegen Braunschweig den ersten gar mit 0:27 und bei den Kiel Baltic Hurricanes hieß es nach dem ersten Seitenwechsel schon 0:21. Am Samstag vor 860 Zuschauern im Stadion Luftschiffhafen wurde das zweite Viertel zu einem Desaster, als Dresden 24:0 über die Hausherren hinweg pflügte. „Solche Phasen darf man sich auf dem Level einfach nicht erlauben“, mahnte Stephan Goericke. „Wir müssen unser Potenzial stetig abrufen. Es ist ja vorhanden – das zeigen wir doch in einigen Momenten.“

Gut begonnen, stark nachgelassen

Gegen die Monarchs war etwa der Spielbeginn vielversprechend. Die Defensive arbeitete konzentriert und entschlossen, im Angriff setzte vor allem Runningback Gennadiy Adams mit seinem Läufen Akzente. Per fulminanten 70-Yard-Sprint bis in die Endzone brachte er seine Mannschaft auch frühzeitig in Führung. Mehr als ein zweiter Adams-Touchdown und ein Extrapunkt durch Hannes Werner kamen aber im weiteren Verlauf der Partie nicht hinzu. Gerade das Passspiel stockte. Neu-Quarterback Samuel Straub war auch in seinem dritten Match für Potsdam anzumerken, dass er noch nicht im Zusammenspiel mit seinen Kollegen funktioniert wie erhofft.

Die Schlüsselposition der Offensive ist ein Faktor für die bisher mäßigen Royals-Auftritte. Vier verschiedene Quarterbacks kamen aufgrund personeller Unwägbarkeiten bereits zum Einsatz, was es ungemein schwer macht, einen Rhythmus und die richtige Abstimmung zu finden. Hinzu kamen kurz vor Saisonstart Abgänge von Führungsspielern nach Kanada. Und obendrein ist die Brandenburger Truppe von massiven Verletzungssorgen geplagt. „Die Gesamtsituation ist beschissen“, meinte Goericke, wollte aber wie Vogt all das nicht als Ausreden geltend machen. „Verletzungen hin oder her, Transfergeschichten hin oder her“, sagte der Trainer. Das Team habe dennoch Qualität, müsse diese aber mal konsequent auf das Feld bringen.
Diese herauszukitzeln fällt laut dem Vereinsvorsitzenden aber auch nicht leicht.

Kritik an Trainingsmöglichkeiten

Der Trainingsprozess sei durch weiterhin schlechte Rahmenbedingungen gehemmt, so Goericke. Die Royals-Männer trainieren teils mit Dutzenden Spielern nur auf einem halben Fußballfeld im Kirchsteigfeld, können nur selten im Luftschiffhafen-Stadion üben und müssen ansonsten bloß auf den benachbarten Kunstrasenplatz. Das gemeinsame Videostudium gestalte sich räumlich ebenso problematisch. Durch das stetige Standortwechseln mit dem vielen Equipment stünden die Trainer und Betreuer vor logistischen Herausforderungen, „die unnötig viel Zeit und Energie kosten“, sagt Goericke. Er kämpfe daher weiter vehement für eine nachhaltige Lösung zum Wohle seines Vereins. „Aktuell haben wir zwar den Anspruch, professionellen Football zu betreiben, aber unsere Bedingungen haben damit noch nichts zu tun.“
Womöglich, mutmaßte er, lassen sich einige Akteure auch deshalb ernüchtert zur eigenen Unprofessionalität verleiten. „Das können wir aber nicht akzeptieren. Wir haben hier ein eindeutiges Motto, das alles sagt“, machte er im Tacheles-Ton nochmal deutlich. „Challenge the Top“ heißt es. Man wolle die Spitze herausfordern. Das klappt diese Saison bisher noch gar nicht. Gegen das Führungstrio Braunschweig (zweimal), Hildesheim und Dresden setzte es vier ganz klare Niederlagen. „Also“, resümierte Michael Vogt, „sind wir offensichtlich da noch sehr, sehr weit weg.“