Sport : Civa und die 16 Frauen

Der SV Babelsberg meint es ernst und lud zum ersten Frauenfußball-Training ein

Almedin Civa hatte sein Tagwerk vollbracht. Der Sportliche Leiter des SV Babelsberg 03 (SVB) hatte am Freitag zwei neue Spieler vom Oberligisten Brandenburger SC Süd final für die neue Regionalliga-Saison rekrutiert, der Verein vermeldete die beiden Neuverpflichtungen gerade auf seiner Homepage, als der 42-Jährige zur Entspannungsübung überging. Im Gefolge: 16 junge Frauen. Zwei Wochen nachdem der SVB die Gründung einer Frauenfußball-Abteilung angekündigt und um die Bewerbung interessierter Damen geworben hat, lud der Verein zum ersten Training.

Die Absicht des SVB, nach 110 Jahren alleinigen Männerfußballs nun auch eine Frauenmannschaft auflaufen zu lassen, hat in der regionalen Fußballlandschaft durchaus für Aufsehen bis hin zu Stirnrunzeln gesorgt. Von einer kleinen Marketingaktion bis hin zur Ablenkung von den großen Problemen des Vereins spekulierte die lokale Kickerfamilie über den Sinn des Unterfangens. Doch die SVB-Aktivisten meinen es ernst, auch wenn Aufsichtsratsmitglied Steve Müller ganz unkonventionell meint: „Wir haben alle Bock drauf.“  „Wir wollen in der kommenden Saion beginnen und haben Nulldrei für die Frauen-Kreisliga angemeldet“, erklärt Enrico Große, der beim SVB auch für die konzeptionelle Ausrichtung des Verein mitverantwortlich ist. „Perspektivisch haben wir schon im Blick, uns auch mit Nachwuchsteams breiter aufzustellen“, informiert er die neue Trainingsgruppe.

Aktuell ist es allerdings sehr eng. Auf dem Kunstrasenplatz neben dem Karl-Liebknecht-Stadion trainieren bereits zwei Mannschaften, als die Frauen kommen. „Mit der Platzkapazität ist es schwierig“, räumt Große ein. Aber viel Platz hat Alme Civa für die erste Übung ohnehin nicht vorgesehen: Mit gelben Hütchen markiert er eine Fläche von 15 mal 15 Meter, verteilt blaue Leibchen, bildet zwei Mannschaften und lässt die Damen erst mal ein einfaches Passpiel üben: werfen, fangen, schauen und laufen. Bei der nächsten Übung ist der Ball schon am Fuß: passen und stoppen, erst mit rechts, dann mit links. Und das klappt. „Die sind gut“, meint Civa und fordert als nächstes: „Pause und zuhören!“ Dribbeln, passen, Direktspiel verlangt er als nächste Übung und am Rand des Trainingsplatzes ahnen Große und Müller, dass die meisten der Frauen das nicht zum ersten Mal machen.

„Ich hab sechs Jahre bei Turbine Potsdam gespielt“, erzählt Lisa Mohrin. Da die 20-Jährige keine Perspektive sah, in der ersten oder zweiten Mannschaft zu spielen, „das aber der Maßstab bei Turbine ist“, wie sie sagt, wechselte sie zunächst nach Lübars und spielte zuletzt ein Jahr in Brasilien. „Ja, wirklich“, bekräftigt sie: Während eines Auslandsjahres kickte sie für Flamengo Vitória, was sie eine „coole Erfahrung“ nennt. Die Idee einer Frauenmannschaft bei Nulldrei hält die Mittelfeldspielerin für ein interessantes Projekt. „Ich finde es spannend, von Anfang an dabei zu sein, etwas aufzubauen und hochzubringen“, sagt sie.

Auch Vanessa Löffler kann sich den Neustart gut vorstellen – sowohl den des SVB-Frauenprojektes als auch ihren eigenen. Auch die 19-Jährige hat in der Turbine-Jugend und in der Landesauswahl gespielt, ehe ihr das Pensum von Abitur und täglichem Training zu viel wurde und sie zum SV Rehbrücke ging. Das dortige Frauenteam hat sich aber schnell wieder aufgelöst. „Seit fast einem Jahr habe ich keinen Fußball gespielt und es kribbelt es wieder in den Füßen“, sagt sie. Dieses Kribbeln kennt Jessica Bunzel nur zu gut. „Ich spiele seit ich acht bin Fußball und bin verrückt danach“, sagt die 20-Jährige aus Brück. Bislang hat sie dort gekickt, jetzt löst sich die Frauenfußball-Riege des Vereins auf – „nach 18 Jahren“, wie Brücks Trainer Nico Schiller sagt. Dass seine Freundin Jessica es nun zum SVB zieht, sei naheliegend, wie sie sagt: „Mein Bruder spielt hier in der C-Jugend, auch mein Vater ist im Verein aktiv.“ Probiert hätte sie es ohnehin irgendwo, vielleicht wird es nun Nulldrei.

Zum nächsten Training am Freitag werde sie wieder da sein, auch Vanessa und Lisa werden wieder kommen. „Ich auch“, sagt Civa. Aber Coach der Frauen wird er nicht. „Wir sind mit einem Trainer im Gespräch, einem, der Erfahrung im Frauenfußball hat“, sagt Große. Doch sind die Damen voll des Lobes für Civa: „Er hat das locker und sehr angemessen gemacht“, sagt Lisa Mohrin. pek