• Carsten Embach leitet Potsdams Triathlon-Bundesstützpunkt: Der Sport-Versteher

Carsten Embach leitet Potsdams Triathlon-Bundesstützpunkt : Der Sport-Versteher

Schon als Athlet war Carsten Embach ein Multitalent. Jetzt leitet der Bob-Olympiasieger den Triathlon-Bundesstützpunkt Potsdam. Er soll helfen, dass Triathleten vom Luftschiffhafen zu den Sommerspielen kommen. Auf dem Weg dorthin beginnt nun die diesjährige WM-Serie.

Mit geschultem Blick. Leichtathlet und Bob-Anschieber - nun ist er in neuer Mission nach Potsdam zurückgekehrt.
Mit geschultem Blick. Leichtathlet und Bob-Anschieber - nun ist er in neuer Mission nach Potsdam zurückgekehrt.Foto: imago

Potsdam - Als Weitspringer ist er über acht Meter gesprungen, als Bobfahrer wurde er Olympiasieger sowie Welt- und Europameister. Sein Name ziert den Walk of Fame im Luftschiffhafen – die Stelen-Galerie olympischer Medaillengewinner aus Potsdam. Carsten Embach gehörte zu seiner sportlich aktiven Zeit zu den Besten seiner Zunft – ob in der Weitsprunggrube oder im Eiskanal.

Nach seiner Karriere avancierte er als Bob-Bundestrainer zum Meistermacher seiner eigenen Nachfolge-Generation. Nach den olympischen Spielen von Vancouver 2010 wurde er etwas, was er nach eigenem Bekunden nie werden wollte: Sportfunktionär. Als Referent für Verbandsmanagement des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) war Embach für fünf Fachverbände im Wintersport verantwortlich. Bei den olympischen Spielen in Pyeongchang koordinierte er als Sportlicher Leiter des deutschen Teams über fast zwei Monate die Abläufe in Südkorea.

Netzwerker, Manager, Schnittstelle zwischen Sport und Administration

Embach weiß, wie Sport geht – als Athlet, Trainer und Funktionär. Beste Voraussetzungen, um die Leitung des neu geschaffenen Bundesstützpunktes Triathlon in Potsdam zu übernehmen. Genau das hat der 50-Jährige vergangenen Herbst gemacht. Er ist zu seinen Wurzeln zurückgekehrt: Nach Potsdam, wo er einst die Sportschule des damaligen ASK Vorwärts besuchte, sein Sportstudium begonnen hat, wo er als Landestrainer unter anderem Olympiasieger Kevin Kuske trainiert und an der Universität Potsdam als Lehrbeauftragter für Leichtathletik doziert hat.

Ein ehemaliger Weitspringer und erfolgreicher Bob-Anschieber managt jetzt Triathlon? Passt das? „Ein Grundverständnis von Sport habe ich schon“, sagt Embach augenzwinkernd. Aber bei seiner Aufgabe gehe es nicht darum, Trainingspläne zu schreiben und Wettkampfstrategien zu schmieden. Das ist Trainerhandwerk. Embach ist Netzwerker, Manager, Schnittstelle zwischen Sport und Administration.

Eine Entlastung für die Trainer am Stützpunkt

Bei der Auswahl neuer Bundesstützpunkte in Deutschland als strukturelle Maßnahme, um für künftige Olympische Spiele die besten Athleten da zu konzentrieren, wo die besten Bedingungen sind, wurden für Triathlon Saarbrücken und Potsdam ausgewählt. Wesentlicher Baustein der neuen Strategie für den deutschen Spitzensport ist es, dass die Bundesstützpunkttrainer entlastet werden sollen durch Stützpunktleiter. Trainer sollen sich ausschließlich auf die sportliche Entwicklung der Athleten konzentrieren können. Verwaltung, Bürokratie, Netzwerkarbeit gehört ins Portfolio der Stützpunktleiter. „Das kann ich“, sagt Embach. In den acht Jahren als DOSB-Funktionär habe er ausreichend Kenntnisse und Fähigkeiten erworben, um ein perfektes und leistungsförderndes Umfeld für Spitzensportler zu organisieren. Er verfügt über die notwendigen Drähte zum Land und zum Bund, in Ministerien und Verbände. In den vergangenen Jahren hat er die Olympiastützpunkte in Thüringen und Bayern betreut, sämtliche Baumaßnahmen für Wintersportanlagen gingen über seinen Tisch, er war das Scharnier zwischen Athleten, den Spitzensportverbänden und dem Bundesinnenministerium. Für ein Gros des deutschen Wintersportpersonals war er der Chefplaner und -organisator für Trainingslager und Wettkämpfe.

Verglichen mit dieser Verantwortung scheint die Aufgabe in Potsdam nahezu überschaubar. Die Bandbreite mag in der Tat nicht so groß sein. Aber Triathlon zählt zu den aufstrebenden Sportarten in Deutschland, die Funktionäre gebrauchen kann, die Handwerk und auch Sport verstehen. In der olympischen Geschichte ist die Sportart erst seit den Spielen 2000 vertreten. Stephan Vuckovic gewann damals in Sydney Silber, acht Jahre später wurde der heutige Ironman-Profi Jan Frodeno in Peking Olympiasieger, der Potsdamer Christian Prochnow landete auf Rang 15.

WM-Auftakt in Abu Dhabi mit Einzel- und Staffelrennen

Laura Lindemann war 2016 in Rio die erste Potsdamer Triathletin bei Sommerspielen (Platz 28). Die Erfolge der 22-Jährigen in den vergangenen Jahren – WM-Dritte in der Mixed-Staffel 2016, Sprint-Europameisterin 2017, Gesamt-Neunte der ITU-Weltmeisterschaftsrennserie 2018 – sowie die erfolgreiche Potsdamer Nachwuchsarbeit waren neben der hervorragenden Infrastruktur im Luftschiffhafen Gründe, weshalb Potsdam den Status eines Bundesstützpunktes bekam. Der damit verbundene Auftrag: Triathleten aus Potsdam zu Olympischen Spielen zu schicken – möglichst schon im kommenden Jahr nach Tokio. Dort steht neben den Einzelrennen erstmals der Mixed-Relay-Wettkampf im olympischen Programm. Ein deutsches Mix-Team wird nominiert, wenn es Ende März nächsten Jahres unter den Top 7 im Qualifikation-Ranking der Internationalen Triathlon Union steht. Die ersten Punkte für Tokio können am heutigen Freitag beim ersten Weltcup-Rennen des Jahres in Abu Dhabi gesammelt werden. Nach den heutigen Einzelrennen gehen am morgigen Samstag die Mix-Teams an den Start. Nach Platz sechs im Vorjahr will Laura Lindemann in der Damen-Konkurrenz mindestens wieder unter die Top 10. Wer im Mixed-Team ins Rennen geht, ist noch offen.

Für Carsten Embach werden die künftigen Entwicklungen und Entscheidungen von einem „ganz klaren Leistungsprinzip“ diktiert. Und das ist, so weiß er es aus eigener Erfahrung, nur in starken Trainingsgruppen zu schaffen. „Ich sehe es als meine Aufgabe, dass mit meinem Netzwerk und meinen Möglichkeiten die Bedingungen hier in Potsdam so effizient wie möglich genutzt werden und die besten Talente aus Brandenburg, Berlin, aus Sachsen und Sachsen-Anhalt hierher kommen.“ Er könne aus eigener Erfahrung und mit tiefer Überzeugung Potsdam als den besten Standort vermitteln, an dem künftig Deutschlands beste Triathleten ausgebildet werden.