• Brandenburger Fußball-Landespokal: Chancentod besiegelt Pokalaus

Brandenburger Fußball-Landespokal : Chancentod besiegelt Pokalaus

Der Landesliga-Primus RSV Eintracht 1949 nutzte im Achtelfinale des Brandenburger Fußball-Landespokals gegen Grün-Weiß Brieselang beste Möglichkeiten nicht. Nach dem bitteren Scheitern möchten die Stahnsdorfer Kicker nun die Ligakonkurrenz büßen lassen.

Am Boden. Trotz Überlegenheit verloren die RSV-Kicker gegen den Favoriten aus Brieselang und waren nach Abpfiff entsprechend niedergeschlagen. 
Am Boden. Trotz Überlegenheit verloren die RSV-Kicker gegen den Favoriten aus Brieselang und waren nach Abpfiff entsprechend...Foto: Benjamin Feller

Einer wusste ganz genau, dass am Ende eines Fußballspiels nicht immer die bessere Mannschaft als Sieger vom Platz geht. Gut 20 Möglichkeiten, dass der Ball hinter ihm im Netz zappelt, hatte Eike Doht auf sich zukommen sehen. „Unser Glück, dass so viele vergeben wurden“, atmete der Keeper des SV Grün-Weiß Brieselang durch. Verpasst haben die Fülle an Möglichkeiten die Landesliga-Kicker des RSV Eintracht 1949, sodass sie als letzte verbliebene Mannschaft der Potsdamer Fußball-Region aus dem AOK-Landespokal ausschieden. 2:3 (2:2) unterlagen sie am Samstagnachmittag im Achtelfinale dem eine Klasse höher spielenden Brandenburgligisten aus dem Havelland.

Es sollte das erste Mal in dieser Saison sein, dass der RSV das Gefühl einer Niederlage zu spüren bekam. Und es mischte sich eine ganze Menge Frust darunter, denn der bislang ungeschlagene Landesliga-Primus war über 90 Minuten die bessere Mannschaft. Doch anders als in der Liga, in der die RSV-Tormaschine 42 Treffer in sieben Spielen produzierte, „war unser Manko heute ganz klar die Chancenverwertung“, resümierte Trainer Patrick Hinze, um zugleich den Unterschied zum Gegner zu markieren: Der nutzte seine vier Chancen zu drei Toren. „Das spricht dann wiederum für Brieselang“, erkannte Hinze die Effektivität der Gäste an. Spielerisch indes war der RSV nicht nur auf Augenhöhe mit dem Oberliga-Absteiger der vergangenen Saison, „sondern in allen Phasen überlegen“, reflektierte der Coach. Daher sei er am Ende „mehr stolz als frustriert“.

RSV-Coach Hinze: „Der letzte Pass war zu uncool“

Es war durchaus gewollt, dass Brieselang als vermeintlicher Favorit den Hausherren die Regie überließ. „Wir wussten, dass wir mit dem souveränen Tabellenführer der Landesliga einen starken Gegner haben und wollten vor allem erst einmal defensiv stehen und auf Konter setzen“, sagte Grün-Weiß-Kapitän Doht später. Und genau so sah es nach neun Minuten auch aus: Der RSV verlor den Ball vor dem gegnerischen Tor, der schnelle und dribbelstarke Kenta Sato wirbelte sich auf der linken Außenbahn durch und seine flache Hereingabe verwertete Dragn Erkic zum 1:0 für die Gäste. Und der einstige Regionalliga-Kicker war es auch, der es kurz vor der Halbzeit wiederum ganz schnell machte, als er mit wunderbarem Pass Daniel Cikaric auf die Reise schickte, der das 2:0 besorgte. Sato und Erkic – ihre Klasse war spielentscheidend. 

Der RSV hatte genügend Möglichkeiten, den 0:1-Rückstand mehr als auszugleichen. Allein Torjäger Julian Rauch –bislang zehn Saisontore – hatte dreimal den Ausgleich auf dem Fuß, ebenso scheiterten Domenik Kruska, Marcus Stachnik sowie Alexander Möhl. Und das gleiche Bild nach dem Seitenwechsel. RSV-Regisseur Torben Neubauer leitete eine Offensivaktion nach der anderen ein – seine Kollegen vergaben: Tim Schönfuß sogar freistehend vor Brieselangs Keeper Doht. „Der letzte Pass war zu uncool“, versuchte RSV-Coach Hinze nach 90 Minuten das Unvermögen an diesem Tag zu beschreiben. Nur einmal gelang es, einen der vielen Eintracht-Angriffe erfolgreich abzuschließen: Als sich der agile Alexander Möhl über rechts durchsetzte und Torjäger Rauch zum 1:2 abschloss.

Bedrohliche Ansage an die anderen Teams der Landesliga Nord

In seiner ersten Enttäuschung schrieb es Hinze Referee Max Mangold zu, das Spiel entschieden zu haben: Nämlich als er auf Foulelfmeter entschied, als Artur Kowalczyk in der 78. Minute Erkic von den Beinen holte. Es war das einzige Mal, dass Brieselang in der zweiten Halbzeit vor das RSV-Tor kam. Die Chance ließ sich Maurice Malak nicht nehmen – er baute die grün-weiße Führung auf 3:1 aus. Auch danach hatte der RSV Möglichkeiten zur Korrektur. Allein Stachnik scheiterte zweimal am Pfosten und freistehend mit einem Kopfball. Der Foulelfmeter für die Eintracht, den Dennis Keller in der 93. Minute zum 2:3 verwandelte, änderte nichts mehr am Pokalaus.

„Wir wären gern weitergekommen“, sagte Hinze nach Spielschluss geknickt, während sich Brieselangs Kapitän und Torhüter nun entweder auf einen attraktiven höherklassigen Gegner oder aber ein leichtes Los freut. „Für uns“, so RSV-Trainer Hinze, „hat die Meisterschaft ganz klar Vorrang“. Der Pokal sei eine gute Gelegenheit, gehen höherklassige Teams – wie Brieselang – den Stellenwert zu bestimmen und „gierig zu sein, sich gegen Bessere zu beweisen“. Das ist dem RSV trotz der Niederlage gelungen. Dass es kein Happy End gab, wird zu Lasten der nächsten Gegner in der Landesliga gehen, die der RSV ohnehin dominiert. „Oh“, prophezeite Hinze, „die werden für unsere heutige Niederlage büßen müssen.“ 

+++ Ergebnisse des Pokal-Achtelfinals +++

Frankonia Wernsdorf - Ludwigsfelder FC 6:7 (1:1, 1:1, 1:1) nach Elfmeterschießen

RSV Eintracht 1949 - Grün-Weiß Brieselang 2:3 (0:2)

Wacker Cottbus-Ströbitz - MSV Neuruppin 1:0 (0:0, 0:0) nach Verlängerung

Blau-Weiß Petershagen-Eggersdorf - Optik Rathenow 0:4 (0:4)

Einheit Perleberg - VfB Krieschow 1:3 (0:1)

TuS Sachsenhausen - Brandenburger SC Süd 05 1:3 (0:0)

FSV Bernau - FSV 63 Luckenwalde 1:3 (0:1)

Union Fürstenwalde - Energie Cottbus 0:1 (0:0)