• Brandenburg läuft: Das Herz als Wärmepumpe

Brandenburg läuft : Das Herz als Wärmepumpe

Wenn die Temperaturen unter null Grad Celsius sinken, rät der Berliner Sportmediziner Robert Margerie zu weniger und langsamer im Lauftraining. Es gilt, besonders achtsam zu sein in puncto Atmung, Bekleidung, Essen und Trinken sowie allgemeiner Gesundheitszustand.

Experte. Robert Margerie ist Internist und Sportmediziner am Zentrum für Sportmedizin im Olympiapark Berlin.
Experte. Robert Margerie ist Internist und Sportmediziner am Zentrum für Sportmedizin im Olympiapark Berlin.Foto: privat

Runter mit der Intensität und den Umfängen. Das ist für Laufen bei frostigen Temperaturen die Empfehlung von Robert Margerie, Internist und Sportmediziner am Zentrum für Sportmedizin im Olympiapark Berlin. Denn zum einen reduziere sich die generelle Leistungsfähigkeit des Organismus, der damit beschäftigt ist, den Temperaturausgleich zu regulieren und die Körperfunktionen aufrecht zu erhalten. Das ist laut Margerie auch der Grund, weshalb der Puls der Läufer höher ist als bei normalen Wetterbedingungen. Das Herz arbeitet einfach mehr. Um es nicht zu überlasten, signalisiert der Körper automatisch einen höheren Grad an Anstrengung, der zudem spürbar ist.

Zum anderen bedeutet Kälte auch einen Reiz für die die Lunge. „Es kann daher durchaus zu asthmatischen Beschwerden kommen“, sagt Margerie, weshalb er zu reduzierter Trainingsintensität rät. Langfristige Schäden seien jedoch nicht bekannt. Auch muskulär kann das Laufen auf gefrorenem Untergrund anstrengender sein. Muskeln, Bänder und Sehnen werden auf hartem Boden und gefrorenen Unebenheiten mehr beansprucht als auf elastischem, nachgebendem Belag. Dadurch tritt eine schnellere Ermüdung ein, sodass die Strecken unter Umständen schwieriger zu absolvieren sind als gewohnt.

Margerie: „Bei Husten und Fieber kein Sport“

Wenn Läufer davon berichten, dass sie bei Minusgraden trotz Bewegung frieren, hängt das Margerie zufolge meist mit falscher Kleidung zusammen. „Problematisch ist jedoch der Wind“, sagt er, „dadurch kühlt man schneller aus.“ Daher rät der Mediziner und Läufer, besonders windanfällige Körperstellen wie Kopf und Hände zu schützen. Nasse und durchgeschwitzte Kleidung soll zudem schnell gewechselt werden, um ein Auskühlen zu verhindern.

Wer sich einen Infekt oder gar eine Grippe einfängt, bekommt Sportverbot. „Bei Husten und Fieber kein Sport“, empfiehlt Robert Margerie nachdrücklich. Wer Fieber hat, sollte anschließend auch eine Woche warten bis zum Wiedereinstieg ins Training. Im Zweifel rät Margerie zu einer Blutuntersuchung, um sicher zu gehen, dass keine Entzündungswerte mehr vorhanden sind.

Faktor Flüssigkeitszufuhr nicht unterschätzen

Da der Energiebedarf höher ist, weil der Organismus mehr leisten muss, rät der Mediziner zu einer energiereichen Ernährung aus Kohlenhydraten und Eiweiß. „Unterschätzt wird oft das Trinken im Winter“, warnt er. Auch wenn das Durstgefühl geringer ausgeprägt sein kann, sollte auf ausreichend Flüssigkeitszufuhr geachtet werden – mindestens zwei Liter sollten am Tag getrunken werden.

Viele der Empfehlungen gelten auch bei hohen Temperaturen, bei denen der Körper ähnlichen Belastungen und Anforderungen ausgesetzt ist. „Ich weiß nicht, ob ich lieber bei plus 40 oder minus 20 Grad laufe“, sagt Robert Margerie, der bei jedem Wetter läuft. „Beides strengt zusätzlich an und kann ein unangenehmer Reiz sein.“ Letztlich sei eben wichtig, sich an jede Extremlage gut anzupassen. 

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