• Bewegungsförderung im hohen Alter: Fit auch noch mit 100 Jahren

Bewegungsförderung im hohen Alter : Fit auch noch mit 100 Jahren

Bei einem internationalen Symposium in Potsdam wurde zur Bewegungsförderung im hohen Alter diskutiert. In Brandenburgs Landeshauptstadt gibt es spezielle Angebote - unter anderem die Gesundheitsbuddys.

Hilfe daheim. Seit 2015 unterstützen auch in Potsdam sogenannte Gesundheitsbuddys ältere Menschen mit Bewegungstraining im häuslichen Umfeld.
Hilfe daheim. Seit 2015 unterstützen auch in Potsdam sogenannte Gesundheitsbuddys ältere Menschen mit Bewegungstraining im...Foto: Andreas Klaer (Archiv)

Potsdam - Frei nach dem Erfolgsroman und -film könnte es heißen: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und – zum Sport ging. Bewegung wirkt körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen im Alter entgegen, stärkt soziale Kontakte und ist auch noch stimmungsaufhellend. Gerade mit zunehmender Zeit sind dies Faktoren, die die Lebensqualität gravierend verbessern können. Zum Thema „Bewegungsförderung im hohen Lebensalter – Impulse für die Praxis“ diskutierten diese Woche mehr als 100 Teilnehmer in Potsdam. Das internationale Symposium fand auf Einladung des Vereins Selbstbewusst altern in Europa und der Fachhochschule für Sport und Management Potsdam der Europäischen Sportakademie des Landes Brandenburg statt.

Die Bevölkerung wird älter. Besonders in der Gruppe der Hochaltrigen sind stark steigende Tendenzen zu erkennen. Statistiken prognostizieren, dass im Jahr 2060 jeder siebte Mensch über 80 sein wird – 2008 war es noch jeder Zwanzigste. Schätzungen gehen auch davon aus, dass jedes zweite Kind, das in diesem Jahrhundert in einem entwickelten Land lebt, ein Alter von 100 Jahren oder mehr erreicht. Vor diesem Hintergrund ist die Frage nach der Bewegungsförderung von großer Bedeutung. Um selbständig durch den Alltag zu kommen, ist es wichtig, vital und fit zu sein. Doch wie lässt sich dies am besten umsetzen?

"Hundertjährige sind gesünder als gedacht"

Thomas Dorner (Medizinische Universität Wien), Christian Lackinger (Sportunion aus Österreich) sowie Paul Gellert (Charité Berlin) eröffneten bei ihren Symposiumsvorträgen in Potsdam mögliche Perspektiven. Gellert betonte: „Hundertjährige sind in ihren letzten Lebensjahren gesünder als gedacht.“ Seiner Studie zufolge haben Menschen, die im Alter von einhundert Jahren und älter verstarben, weniger Erkrankungen als diejenige, die zwischen 80 und 99 Jahren starben. Regelmäßige Bewegung gilt als ein Grund für langes und erfülltes Leben. Dorner und Lackinger hoben hervor, dass es für Bewegung nie zu spät ist. Entscheidend sei, dass die Angebote niedrigschwellig und möglichst wohnungsnah sind.

Es wurde von einem Pilotprojekt der Wiener Experten berichtet. Hochaltrige werden dabei direkt im häuslichen Umfeld durch sogenannte Gesundheitsbuddys unterstützt. Dies habe zur Stärkung der körperlichen und geistigen Gesundheit und der sozialen Teilhabe geführt. Seit 2015 sind auch in Potsdam und dem Umland Gesundheitsbuddys tätig. Unter dem Trägerverein Selbstbewusst altern in Europa engagieren sich mittlerweile 60 ehrenamtliche „junge Alte“. Und das Programm wird noch weiter gestärkt. Im Juni hatten der Verein und das St. Josefs-Krankenhaus eine Kooperationsvereinbarung unterschrieben. Ärztliche Mitarbeiter sowie die Ernährungs- und Diabetesberaterin des St. Josefs-Krankenhauses ergänzen nun die Ausbildung zu den Gesundheitsbuddys mit Fachvorträgen und Seminaren.

Stadt zahlt bis zu 2000 Euro für ein Seniorensport-Projekt

In Potsdam gibt es zudem etliche spezifische Bewegungsangebote für Senioren in den Sportvereinen. Wie viele Hochaltrige, also Über-80-Jährige, in den Clubs aktiv sind, schlüsseln die Mitgliederstatistiken des Landessportbundes Brandenburg aber nicht auf. Dort wird nur die Gruppe ab 61 Jahren geführt. In dieser hat Potsdam einen stetigen Anstieg auf über 5000 Mitglieder zu verzeichnen. Laut aktuellster Erhebung sind es 5234, was rund 16,5 Prozent der Mitglieder im Potsdamer Stadtsportbund entspricht. Im gesamten Brandenburger Gebiet liegt der Anteil bei 18,3 Prozent – etwa der Bundesdurchschnitt.

Um mehr ältere Bürger wortwörtlich in Bewegung zu bringen, stellt die Landeshauptstadt Potsdam eine entsprechende Förderung zur Verfügung. Für jedes Projekt, das auf eine Erhöhung des Aktivenanteils abzielt, können die Initiatoren bis zu 2000 Euro bekommen. Es gehe darum, „die Gesundheit der Potsdamer Bevölkerung auch im fortgeschrittenen Alter zu erhalten und die Einstiegsbarrieren gering zu halten“, heißt es im kommunalen Sportförderbericht. Diese Form der Sportfördermittel gibt es auch für die Zielgruppen Menschen mit Behinderung, Mädchen und Frauen sowie Migranten.