• Basketball beim RSV Eintracht 1949 Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf: „Ich bin mir nicht sicher, ob wir genug trainieren“

Basketball beim RSV Eintracht 1949 Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf : „Ich bin mir nicht sicher, ob wir genug trainieren“

Denis Toroman ist Cheftrainer beim Basketball-Regionalligisten RSV Eintracht 1949 Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf. Im Interview spricht er über Selbstvertrauen, Kampfgeist und den Traum vom Zweitliga-Wiederaufstieg.

Marcus Boljahn
Er verlangt viel. RSV-Coach Denis Toroman hat ein hohes Anspruchslevel. 
Er verlangt viel. RSV-Coach Denis Toroman hat ein hohes Anspruchslevel. Foto: Benjamin Feller

Stahnsdorf - Nach elf Saisons in der 2. Basketball-Bundesliga ProB war der RSV Eintracht 1949 Teltow/Kleinmachnow/Stahnsdorf im Jahr 2018 abgestiegen. Ein großer personeller Umbruch wurde anschließend gut gemanagt und der Club steuerte in der 1. Regionalliga Nord Richtung Wiederaufstieg. Doch es gab Dämpfer. Aktuell liegt der RSV mit sechs Punkten Rückstand auf Platz zwei, es stehen noch zehn der 28 Partien aus. Vor dem schweren Auswärtsspiel am Samstag beim Tabellenvierten Rendsburg spricht Trainer Denis Toroman über die Situation der Eintracht. 

Herr Toroman, Ihr Team war mit den Niederlagen gegen Stade und Neustadt schwach ins Jahr 2019 gestartet, meldete sich dann aber mit zwei guten Erfolgen zurück. Welche Änderungen oder Anpassungen haben Sie vorgenommen? 

Wir haben nichts geändert. Das Stade-Spiel hat unser Selbstvertrauen schon angeknackst, denn es war ein Spiel, in dem der Gegner nur mit sechs Spielern im Kader agierte. Sie machten aber, obwohl wir mehrfach zum Korb gezogen sind, fast 20 Minuten lang kein einziges Foul – das habe ich in meiner Karriere noch nie gesehen. Wir haben das Spiel letztlich verloren und das hat unser Selbstvertrauen und unsere Mentalität verändert. Aber nach dem wohlverdienten Sieg gegen Königs Wusterhausen, bei dem meine Spieler großen Kampfgeist und Moral bewiesen, kam unser Selbstvertrauen zurück, denn der Sieg ist das beste Heilmittel dafür. Gegen Vechta haben wir dann eine gute Leistung gezeigt und letztlich endlich wieder die offenen Würfe getroffen. 

Aufgrund der ungeraden Anzahl von 15 Teams in der Liga hatte Ihre Mannschaft am vergangenen Wochenende spielfrei. Ist es besser, jetzt eine Woche mehr Zeit zu haben, um sich auf Rendsburg vorzubereiten, oder hätten Sie lieber direkt wieder gespielt? 

Ich mag es nicht, dass wir eine Zwangspause machen mussten, denn wir sind endlich zu unserem Rhythmus und zu unserer Form zurückgekehrt. Durch ein freies Wochenende kann man nun bereits etwas an Form einbüßen. Ich hätte also lieber ein Match gespielt. 

Im Januar wurden Petar Zivkovic und Rückkehrer Akim-Jamal Jonah, der zuvor am US-College spielte, noch neu verpflichtet. Was erwarten Sie von Ihnen? 

Akim und Petar waren die Spieler, nach denen wir gesucht haben, um die Abgänge von Lucas Skibbe und Dmitrij Hasenkampf zu kompensieren. Sie kommen aus verschiedenen Situationen. Petar hat seit einem Jahr durch einen Kreuzbandriss nicht gespielt. Aufgrund seiner Verletzung braucht er definitiv mehr Zeit, um sich in Form zu bringen und auch um sich bei seinen Bewegungen wohl zu fühlen beziehungsweise keine Angst mehr zu haben. Akim ist in einem besseren Zustand. Er ist gesund, aber er hat in den letzten 18 Monaten nicht viele Spiele gespielt. Aber er hat in den Staaten deutliche Fortschritte gemacht. Beide Spieler geben uns Stabilität und guten Charakter.

Nach dem Gewinn der Herbstmeisterschaft haben einige Fans und Beobachter erwartet, dass der RSV direkt in die 2. Bundesliga ProB zurückkehrt. Ist das eine realistische Zielstellung? Zumal Ligaprimus Wolmirstedt, der sechs Punkte Vorsprung, aber auch ein Spiel mehr als Ihr Team hat, personell in der Weihnachtspause noch mal nachlegte.

Von dem Moment an, als ich anfing die Saison zu planen, war und ist es mein Ziel, die Liga zu gewinnen. Jeder Spieler wusste das, jeder Spieler stimmte dem zu und stimmte der harten Arbeit zu. Wir versuchen, so professionell wie möglich zu sein. Aber wir müssen auf der anderen Seite eben realistisch sein.
Das bedeutet? 

Wir haben nicht die großen finanziellen Möglichkeiten. 90 Prozent unserer Spieler sind keine Profis, Basketball ist nicht die Nummer eins in ihrem Leben. Da kann ich nicht erwarten, dass sie alles wie echte Profis leisten. Wir haben vier Trainingseinheiten pro Woche und bei mindestens ein oder zwei Einheiten fehlen immer drei bis vier Spieler aus absolut nachvollziehbaren Gründen. Wenn wir zwei- bis dreimal Mal pro Woche am Morgen und vier- bis fünfmal pro Woche am Nachmittag trainieren könnten, wäre ich sofort bereit, darauf zu wetten, dass wir die Liga gewinnen würden. Das hohe Trainingspensum war in der Vergangenheit auch immer der Unterschied der Regionalligameister zu den anderen Teams. Daher bin ich nicht sicher, ob wir genug trainieren, um die Liga zu gewinnen.

Wie kann das Trainingsdefizit vielleicht kompensiert werden?

Indem wir alle 200 Prozent geben und in jedem Spiel kämpfen. Ich muss meinen Spielern viel Anerkennung zollen, weil ich sehr viel von ihnen verlange, sehr hart und fordernd bin. Und wenn sie vorher auf der Arbeit oder in der Schule schon acht Stunden an diesem Tag waren, bevor sie danach zum Training kommen, ist es nicht einfach mein hohes Anforderungslevel immer abzurufen. Aber sie geben alles. Es ist eine Gruppe sehr guter Menschen mit großartigen Persönlichkeiten und großem Kämpferherz. 

ZUR PERSON: Denis Toroman (37) gehört seit 2016 zum Trainerstab des RSV Eintracht 1949. Zunächst war er Assistent und übernahm im März 2017 nach der Trennung von Thomas Roijakkers den Chefcochposten. Der gebürtige Zagreber durchlief als Basketballspieler alle kroatischen Jugendnationalmannschaften und wurde in Ungarn sowie in der Slowakei Meister.