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Almedin Civa verlässt den SV Babelsberg 03 : Abschied des Spiel-Machers

Almedin Civa kündigt beim Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03 seinen Abschied an. Mit ihm verliert der Verein seine Identifikationsfigur. Keiner arbeitete auf und neben dem Platz so hart wie er. 

Neue Wege. Almedin Civa verlässt zum Ende der Saison den Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03.
Neue Wege. Almedin Civa verlässt zum Ende der Saison den Fußball-Regionalligisten SV Babelsberg 03.Foto: Manfred Thomas

Potsdam - Da geht eine gefühlte Ewigkeit zu Ende. Almedin Civa verlässt den SV Babelsberg 03. Im kommenden Jahr, wenn im Mai die Saison in der Regionalliga zu Ende geht, beschließt auch Almedin Civa ein 20 Jahre langes Kapitel seines Lebens, durch das sich der SVB wie ein blau-weißer Faden zog. Kaum ein anderer lebte und prägte den Verein so wie der 46-Jährige: als Arbeiter, der er als Fußballer auf dem Platz und danach als Sportlicher Leiter und Trainer war. Civa hat blau-weißes Blut in den Adern, sein Puls schlägt im hochfrequenten Nulldrei-Takt. Künftig wird er ihn etwas runterfahren: Nach langer Überlegung hat sich der 46-Jährige entschieden, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Darüber informierte er die Vereinsgremien bereits Anfang September.

Keiner vermag die DNA des SVB so zu lesen wie Civa

Mit Almedin Civa verliert der Verein seinen Schrittmacher der vergangenen Jahre. Keiner vermag die DNA des SVB so zu lesen wie Civa. Er kennt das Erbgut von Nulldrei, das den Kiezklub so besonders und auch anstrengend macht: Irgendwie anders, irgendwie verhaltensauffällig, mit Entwicklungspotenzial und Wachstumsstörungen. Und kaum einer konnte mit den Ambivalenzen so gut umgehen, mit ihnen gedeihen und sich mit ihnen identifizieren wie der 46-Jährige, der fast 300 Spiele für den SVB gemacht hat. Wenn der Begriff der „Identitätsfigur“ ein Synonym braucht, dann ist „Civa“ eins.

Civa fällt der Abschied nicht leicht. „Meine Kinder sind hier geboren und aufgewachsen. Heute sind sie erwachsen. Ich habe 20 Jahre unter anderem als Spieler, Sportlicher Leiter und Trainer im direkten Umfeld des Vereins verbracht und ihn tief in mein Herz geschlossen.“ Doch nun sei es Zeit für neue Impulse und Ideen.

"Alme hat uns in den Verhandlungen nie Luftschlösser vorgegaukelt"

Als Civa am 5. Mai 2012 seine aktive Fußballkarriere beim SVB beendete, war er 40 Jahre alt – der älteste Spieler der drei höchsten deutschen Fußballligen der damaligen Saison. Ein Jahr danach stieg der SVB aus der 3. Liga ab und meldete Insolvenz an. „Wir waren tot“, beschreibt er heute den damaligen Zustand des Vereins. Civa zählte zu denjenigen, die den SVB reanimiert und beatmet haben. Als Sportlicher Leiter rekrutierte er nahezu eine No-Name-Truppe, die das schwierige Jahr nach dem Abstieg in die Regionalliga bestand. Gemeinsam mit Cem Efe als Trainer schaffte es Civa in den folgenden Jahren, den SVB in der vierten Liga als Adresse zu etablieren, an der attraktiver Fußball gespielt wird. Das war Verschleißarbeit, die Cem Efe im Sommer 2016 aufgab, fortan übernahm Civa auch das Traineramt.

Die Begleitmusik der vergangenen sechs Jahre war lange in Moll komponiert. Nach dem Drittliga-Abstieg stand der Verein mit 3,8 Millionen Euro in der Kreide. Während der Vorstand an der Schuldenfront kämpfte und im vergangenen Jahr – mit Hilfe der Stadt – die letzte Millionen-Verbindlichkeit bei der Deutschen Kreditbank abtrug, formierte Civa jede Saison aufs Neue eine Mannschaft. Fünfmal ein sportlicher Neuanfang, ein ständiges Kommen und Gehen von Spielern. Die 3. Liga als Perspektive konnte der SVB angesichts seiner finanziellen Verhältnisse seinen Spielern kaum aufzeigen. „Alme hat uns in den Verhandlungen nie Luftschlösser vorgegaukelt, er war immer offen und ehrlich“, verrät SVB-Kapitän Philip Saalbach. Jungen Spielern preist Civa den SVB als Sprungbrett, als Entwicklungschance. Dabei stellt er sich vor seine Mannschaft und schützt sie vor überzogenen Erwartungen.

Civa wird nicht die einzige Personalie sein, die sich beim SVB ändert

Doch wächst der Druck. Die neuen Aufstiegsregelungen für die Regionalligen, wonach im wechselnden Rhythmus aus den fünf Regionalligen drei Meister direkt in die 3. Liga aufsteigen, gehen mit einem finanziellen Wettrüsten der Vereine einher. Der SVB kann und will da nicht mitmachen. Er wird sich auch weiterhin mit einem vergleichsweise kleinen Budget der Konkurrenz stellen. Keiner versteht das besser als Civa. Daher legt er Wert darauf, dass seine „Entscheidung keine Kritik“ an den Babelsberger Verhältnissen ist. Er mache niemanden einen Vorwurf, im Gegenteil: „In den vergangenen Jahren wurde hier eine enorme Arbeit geleistet, wovor ich großen Respekt habe." Auch einem neuen Trainer müsse bewusst sein, was ein Engagement bei Nulldrei bedeutet: „Das muss ein Arbeiter sein."

Almedin Civa wird nicht die einzige Personalie sein, die sich beim SVB ändert. Der Verein steht nach den anstrengenden zurückliegenden Jahren der Entschuldung und Konsolidierung vor personellen Umbrüchen. Die Mitglieder wählen im kommenden Jahr einen neuen Aufsichtsrat, dieser wiederum bestimmt einen neuen Vorstand. Für die beiden Führungsgremien werden derzeit Aufgaben und Struktur neuformiert. Der SVB arbeitet an einer neuen Aufstellung. Dass in dieser Almedin Civa fehlen wird, ist gewöhnungsbedürftig.

+++ Auswärtsspiel gegen Drittliga-Absteiger Rot-Weiß Erfurt +++

Es war nicht sicher, ob der SV Babelsberg 03 am heutigen Freitag die Auswärtsfahrt zum FC Rot-Weiß Erfurt antreten muss. Erst am vergangenen Mittwochabend wurde der Spielbetrieb des insolventen Drittliga-Absteigers bis Jahresende sichergestellt, weil fünf Unterstützer das dafür nötige Geld aufbringen.

Somit kommt es für die Mannschaft von Almedin Civa nun im Steigerwaldstadion zur Begegnung gegen den derzeit Tabellenvierten der Regionalliga Nordost und zum Wiedersehen mit Torjäger Andis Shala, der im Sommer zu den Thüringern wechselte.

Der SVB zeigte sich zuletzt in stark verbesserter Form, zeigte gegen Altglienicke (2:0) und gegen den BFC Dynamo (1:1) ein gutes Zweikampfverhalten und Selbstvertrauen. „Wir präsentieren uns wieder besser als Mannschaft“, begründete Valentin Rode, Torschütze gegen den BFC, die Leistungssteigerung in den vergangenen zwei Spielen.

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Das MDR-Fernsehen zeigt das Spiel im Livestream. Anpfiff im Steigerwaldstadion ist um 19 Uhr.