• Abschied von einem Großen Torsten Reißmann

Sport : Abschied von einem Großen Torsten Reißmann

ist vom Leiden erlöst

Henner Mallwitz

Seit langer Zeit war es abzusehen, gestern um 7.30 Uhr hörte Torsten Reißmanns Herz auf zu schlagen. Der Potsdamer Judoka, der sich viermal den Europameistertitel erkämpfte, starb nach jahrelanger schwerer Krankheit im Brandenburger Hospiz, in dem er in den vergangenen acht Monaten gepflegt wurde. Seit dem Jahr 2000 litt der WM-Dritte und Olympiafünfte an einer unheilbaren Nervenkrankheit, die aller Wahrscheinlichkeit nach durch einen Zeckenbiss hervorgerufen wurde. Dadurch war der 53-Jährige fast vollständig gelähmt und auf ständige Hilfe angewiesen. Bis zum Schluss hatte sich seine Lebensgefährtin Gabi Margraf aufopferungsvoll um ihn gekümmert.

Sie stieß dabei oft an ihre körperlichen, aber auch finanziellen Grenzen, denn die Krankenkassen übernahmen nur einen kleinen Teil der anfallenden Kosten. Allein wurde sie mit diesem Problem jedoch nie gelassen – die „Sportlerfamilie“ stärkte ihr immer den Rücken und rief Spendenaktionen wie „Sportler helfen Sportlern“ ins Leben. „Davon haben wir unter anderem Torstens Bad komplett behindertengerecht saniert“, erinnert sich der einstige Profi-Boxer Axel Schulz, der für Reißmann auch Benefiz-Golfturniere veranstaltete. „Als ich mit 13 Jahren an die Sportschule nach Frankfurt kam, war Torsten ein ganz Großer. Er hatte den Respekt und die Anerkennung aller Sportler.“

Die Fäden hielt bei allen Aktionen stets Reißmanns bester Freund Dietmar Pufahl in den Händen. „Ein schreckliches Ende, aber nun hat eben auch der Schrecken ein Ende“, sagte der Vize-Europameister von 1984 gestern. „Torsten war früher ein Jahrhunderttalent. Wir waren immer ein tolles Team und haben auch in den schwersten Zeiten zusammengehalten.“

Gleich nachdem er vom Tod seines Freundes erfahren hatte, machte sich Pufahl gestern früh auf den Weg zu Reißmanns Lebensgefährtin, um alles zu besprechen. Am Samstag in einer Woche wird in Roskow, wo Torsten Reißmann die letzten Lebensjahre verbracht hatte, die Beerdigung stattfinden. An seinem Grab werden auch viele Größen des Sports von ihm Abschied nehmen. Abschied von einem Jahrhunderttalent, einem ganz Großen. Henner Mallwitz