• 16. Stabhochsprung-Meeting in Potsdam: Stoßgebete nach oben

16. Stabhochsprung-Meeting in Potsdam : Stoßgebete nach oben

Weil sie in Kiel und auf Sylt keine guten Trainingsbedingungen hatte, kam Stabhochspringerin Anjuli Knäsche nach Potsdam. Beim Meeting im Stern-Center erlebte sie einen persönlichen Höhenflug.

Artistik im Luftraum. Anjuli Knäsche windet sich in 4,35 Metern Höhe über die Latte.
Artistik im Luftraum. Anjuli Knäsche windet sich in 4,35 Metern Höhe über die Latte.Foto: Gerhard Pohl

Potsdam - Eine leichte Körperberührung brachte die Latte in Schwingung, sie wackelte bedrohlich. „Ich habe einfach nur gebetet, dass sie liegen bleibt“, erzählte Anjuli Knäsche, was ihr durch den Kopf gegangen war, als sie am Freitag aus 4,35 Metern auf die Matte flog. Es war der dritte Versuch der Stabhochspringerin über diese Höhe beim 16. Internationalen Meeting im Potsdamer Stern-Center. Bange Augenblicke vergingen, bis das Gestänge aufhörte zu zappeln und dann auf der Halterung verharrte. Damit verbesserte Knäsche, die für die SG TSV Kronshagen/Kieler TB startet und seit Oktober vergangenen Jahres in Potsdam bei Stefan Ritter trainiert, ihre persönliche Hallen-Bestleistung um neun Zentimeter. Beim Sieg der Schweizerin Nicole Büchler (4,55 Meter) wurde die 21-Jährige Sechste.

Anjuli Knäsche gehört zu den großen deutschen Talenten im Stabhochspringen. 2012 verpasste sie als Viertplatzierte das Podium bei der U20-Weltmeisterschaft in Barcelona denkbar knapp. Eine Leistung, die bereits anerkennenswert genug ist – wenn man das Zustandekommen dieses Erfolgs jedoch genauer betrachtet, ist es umso höher einzustufen.

Sylt hatte keine wohltuende Wirkung

Die aus Kiel stammende Leichtathletin war im Sommer 2010 aus familiären Gründen nach Sylt gezogen und stürzte sich damit in ein sportliches Wagnis. Denn während für Urlauber das Insel-Idyll wohltuend wirkt, ist es für leistungsorientiertes Stabhochspringen eher schädlich. Weil es auf Sylt keine spezifische Trainingsanlage für ihre Sportart gibt, setzte Anjuli Knäsche jedes Wochenende aufs Festland über. „Ich bin dann immer nach Hamburg gefahren, vier Stunden pro Tour“, erinnerte sich die Dritte der Deutschen Meisterschaft von 2013. Unter der Woche trainierte sie lediglich ihre allgemeine Athletik: am Strand, auf dem Sportplatz oder zwischen Turnern und Volleyballern in einer Halle. „Das konnte langfristig einfach keine Lösung sein.“

Also ging sie im Sommer 2013 zurück nach Kiel. „Aber da war die sportliche Infrastruktur auch eine Katastrophe“, erzählt die ehrgeizige Sportlerin. Zum Techniktraining fuhr sie wieder ein- bis zweimal in der Woche in die Elb-Metropole, zudem fehlten ihr Trainingspartner und ein intensives Coaching.

Bedingung in Potsdam "ein Traum"

Um den Traum einer großen Karriere nicht frühzeitig begraben zu müssen, suchte sich Anjuli Knäsche schließlich eine neue Alternative. Diese heißt Potsdam. Die Bedingungen und Betreuung am Olympiastützpunkt seien „ein Traum“, schwärmt die Studentin der Wirtschaftswissenschaft an der Fern-Universität Hagen. Die ersten Erfolge – wie die neue Hallen-Bestleistung – sind ein Indiz dafür, dass sie in der brandenburgischen Landeshauptstadt auf dem richtigen Weg ist.

Ebenfalls seit knapp vier Monaten gehört auch Friedelinde Petershofen zur Potsdamer Ritter-Sport-Gruppe. Auch sie erlebte beim Meeting im Stern-Center einen persönlichen Höhenflug. Die Athletin vom SC Potsdam verbesserte ihre erst Ende Januar aufgestellte Bestmarke um vier Zentimeter auf 4,15 Meter. „Ich bin glücklich. Dieser Wettkampf hat einfach nur Spaß gemacht, am liebsten hätte ich noch 1000 Sprünge mehr gemacht“, sagte die 19-Jährige, die sich trotz verpasster Qualifikationsnorm für die Deutsche Hallen-Meisterschaft in Karlsruhe (21./22. Februar) Hoffnungen auf eine Teilnahme an den nationalen Titelkämpfen macht. „Wenn nicht zwölf Springerinnen die geforderten 4,20 Meter schaffen, wird das Feld mit den nächstbesten aufgefüllt. Meine Chancen sehen nicht schlecht aus.“

Definitiv wird Anjuli Knäsche in Karlsruhe dabei sein. Ein weiterer neuer Höchstsprung ist dann ihr erklärtes Ziel. 4,45 Meter wären eine Marke, die sie reizen würde, denn damit wäre die Norm für die Hallen-Europameisterschaft in Prag (6. bis 8. März) erbracht. „Aber darüber mache ich mir noch keine Gedanken“, erklärte sie. Bei ihren drei Versuchen über diese Höhe fehlte am vergangenen Freitag im Stern-Center jeweils nicht viel. Doch trotz der Stoßgebete nach oben blieb die himmlische Hilfe aus, die Latte folgte Anjuli Knäsche auf dem Weg nach unten.