• Zweigstelle des Erstaufnahmelagers in Eisenhüttenstadt: 283 Flüchtlinge sind in Potsdam angekommen

Zweigstelle des Erstaufnahmelagers in Eisenhüttenstadt : 283 Flüchtlinge sind in Potsdam angekommen

Über 280 Flüchtlinge wurden heute nach Potsdam gebracht. Weitere werden erwartet, für bis zu 1000 Asylsuchende will das Land Brandenburg auf dem früheren Regierungsstandort Platz schaffen. Hilfe kommt von Freiwilligen.

Alexander Fröhlich
Am Dienstag kamen die ersten Flüchtlinge in der neuen Zweigstelle der Erstaufnahme in Potsdam an.Alle Bilder anzeigen
Foto: dpa
15.09.2015 10:51Am Dienstag kamen die ersten Flüchtlinge in der neuen Zweigstelle der Erstaufnahme in Potsdam an.

Potsdam - Am Dienstagvormittag sind die ersten Flüchtlinge in der neu eingerichteten Zweigstelle der Erstaufnahme Eisenhüttenstadt in Potsdam angekommen und werden in den erst vor wenigen Wochen leer gezogenen Ministeriumsbauten an der Heinrich-Mann-Allee untergebracht. In insgesamt fünf Bussen mit der Aufschrift "Sonderfahrt" wurden sie von Schönefeld in die Landeshauptstadt gefahren. Mitarbeiter des DRK-Kreisverbandes Potsdam und freiwilligen Helfer nahmen sie in Empfang. Die Ankunft weiterer Flüchtlinge in Brandenburg wird außerdem in den kommenden Tagen erwartet.

Am Dienstag sind 283 Flüchtlinge angekommen, ursprünglich wurden 250 Menschen erwartet. Weitere Flüchtlinge sollen am Dienstag nicht in Brandenburg ankommen. Laut der Deutschen Presseagentur sind am Dienstag aus einem Sonderzug von München nach Berlin 180 Menschen vorher abgesprungen, sie haben in Sachsen und Sachsen-Anhalt die Notbremse gezogen. Somit sind 339 Flüchtlinge am Bahnhof Berlin-Schönefeld angekommen, nicht wie angekündigt 518. 

Wahrscheinlich wurden die Notbremsen gezogen, damit die Flüchtlinge der offiziellen Registrierung in Deutschland entgehen und dann Asyl in Schweden oder anderen skandinavischen Ländern beantragen können.

100 bis 150 Helfer in Potsdam vor Ort

Die Flüchtlinge in Potsdam wurden zunächst nacheinander registriert, die anderen warteten noch in den Bussen. Helfer versorgten die Wartenden mit geschmierten Broten, Äpfeln und Keksen. Es waren viele Männer zu sehen, aber auch einzelne Familien wurden nach Potsdam gebracht. Etwa 100 bis 150 Helfer waren am Vormittag vor Ort.

Die Zimmer in der Einrichtung sind spartanisch eingerichtet, nur Feldbetten stehen darin. Schränke oder Regale fehlen gänzlich. Am Vormittag wurden mobile Toiletten angeliefert, weil die vorhandenen Toiletten nicht ausreichen.

 

Bereits ab dem frühen Dienstagmorgen waren die ersten Freiwilligen auf dem Gelände wieder tätig. Mindestens zehn halfen dem vom Innenministerium engagierten Caterer bei der Zubereitung der Verpflegung. Ab 11 Uhr standen ausreichend Lunchpakete für Flüchtlinge bereit. 

DRK-Leiter: "Ich bin überwältigt"

Mit diesem Zuspruch hat Sven Braune vom Deutschen Roten Kreuz jedenfalls nicht gerechnet. Nicht mit 150 Unterstützern, die dem DRK-Kreisverband Potsdam schon am Montag bei der Einrichtung der Notunterkunft auf dem früheren Regierungsstandort halfen. "Ich bin überwältigt", sagte er am Montagabend. Vor ihm die vielen Helfer, am Montagabend nach 22 Uhr. Die Arbeit war für diesen Tag getan. Sie haben die Räume geputzt, alles hergerichtet. Andere Unterstützer kamen vorbei und haben Spenden abgegeben. Die Helfer haben dafür sogar eine Kleiderkammer in einem Keller der Gebäude eingerichtet, Regale aufgestellt und alles einsortiert: Kleidung, Windeln, Feuchttücher.

Wie die Freiwilligen sich selbst organisieren

Erst vor wenigen Wochen wurden die Gebäude leergezogen, die Beamten des Sozial- und des Umweltministeriums räumten ihre Büros. Es gibt Strom, an den Gebäuden muss kaum etwas getan werden. Am Dienstag will der Potsdamer Versorger EWP Toiletten- und Duschcontainer aufstellen. In den Gebäuden ist Platz für 500 Flüchtlinge. Stellflächen für Wohnboxen sind bereits vorgesehen, darin sollen weitere 500 Flüchtlingen untergebracht werden.

Am Wochenende entschied Brandenburgs Innenministerium, dass dort auf dem bisherigen Regierungsstandort eine Zweigstelle der Zentralen Erstaufnahme in Eisenhüttenstadt entstehen soll. Am späten Sonntagabend sickerten die ersten Informationen durch, das KulturZweigszentrum Freiland rief zur Hilfe auf. Schon am Montagvormittag trafen sich dort 150 Freiwillige, koordinierten sich, bildeten Arbeitsgruppen, einen eigenen Organisationsstab, der mit dem DRK die Aufgaben bespricht.

Die Bundeswehr brachte Betten, das Bergmann-Klinikum Bettzeug

Roland Gehrmann vom Freiland stand in einem provisorischen Organisationsbüro in dem Regierungsbau, Laptops standen auf den breiten Fensterbänken. In der Hand hielt Gehrmann ein Funkgerät, Stimmen rauschten, Schlafsäcke sollen aus dem Lager in Haus 9 in Haus 12 geschafft werden.

Die Bundeswehr hat die Schlafsäcke und Feldbetten aus Eisenhüttenstadt herangeschafft. Der Trupp von 50 Soldaten vom Logistikbataillon in Beelitz räumte die Ausstattung vom LKW, die Helfer verteilen alles auf die Zimmer in den vier Gebäuden, bauten die Feldbetten auf, für mehr als 240 Betten gibt es sogar Bettzeug, Laken, Bezüge, Kopfkissen, Decken. Auch die müssen bezogen werden.

Jetzt helfen die Freiwilligen beim Ankommen in Potsdam

Auch am Dienstag ging es für die Helfer weiter. Sven Braune vom DRK sagte, er wird sie auch brauchen. Sie sollen die Flüchtlinge empfangen, ihnen alles zeigen, die Zimmer, die Anlagen, wo was ist auf dem Gelände zu finden ist. Und sie wollen den Flüchtlingen zeigen, wo sie eigentlich in Deutschland gelandet sind, die nähere Umgebung, die Stadt. Sie wollen sie schlicht willkommen heißen. Und die Freiwilligen wollen Deutschkurse für die Asylbewerber organisieren, 30 Übersetzer haben sich schon gemeldet, die Arabisch sprechen können. Es geht auch um einfachste Dinge, etwa Beratung, wie man Halal kocht, also nach den Vorschriften des Korans, ohne Schweinefleisch und dessen Nebenprodukte. 

DRK-Chef Braune, der sich auskennt mit der Versorgung und Unterbringung von Flüchtlingen sagt: „So viel Hilfe - das habe ich bisher noch nirgends erlebt.“ Die Helfer gehen nach Hause, ein paar Mannschaftswagen der Polizei bleiben noch am Montagabend, die Beamten patrouillieren über das Gelände, der Wachschutz wurde verstärkt. Und dann ist da noch das Bundespolizeipräsidium auf dem Areal. Für die nötige Sicherheit ist also auch gesorgt.

Mehr dazu lesen Sie in der MITTWOCHSAUSGABE der POTSDAMER NEUESTEN NACHRICHTEN

Wer helfen will:

Eine stetig aktualisierte Bedarfsliste zeigt auf, was in den Flüchtlingsunterkünften in Potsdam gebraucht wird >>

Eine Bedarfsliste für die Unterkunft in der Heinrich-Mann-Allee >>

Aktuelle Informationen der Refugees Welcome-Initiative Potsdam: 

Hintergründe und ausführliche Informationen auf dem Blog: http://refugeesinpdm.tumblr.com/

Infos und Koordination von Hilfe über Facebook: https://www.facebook.com/groups/1462977020678317/?fref=ts

Aktuelle Infos über Twitter: https://twitter.com/inpdm

Mehr lesen? Hier die PNN gratis testen.