• Zukunft des „Kreml“: Potsdam diskutiert Schließung von Flüchtlingsunterkünften

Zukunft des „Kreml“ : Potsdam diskutiert Schließung von Flüchtlingsunterkünften

Die Zahl der Flüchtlinge ist gesunken. Nun denkt die Stadt über die Schließung von Unterkünften nach.

Der Zuzug von Flüchtlingen nach Potsdam hat deutlich abgenommen, in den 15 städtischen Unterkünften gibt es viele freie Plätze. Über die Zukunft mehrerer Standorte wird derzeit diskutiert. Auch mit dem von der Stadt vorgesehenen Umzug der Neuankömmlinge in eigene Wohnungen geht es voran. Ein Überblick.

Wie viele Flüchtlinge werden 2018 in Potsdam erwartet?

Eine offizielle Prognose gibt es auch jetzt noch nicht. Die Stadt plant daher mit einer ähnlichen Anzahl wie im vergangenen Jahr, sagt Stadtsprecher Jan Brunzlow. 2017 wurden 361 Flüchtlinge in Potsdam aufgenommen. Zum Vergleich: 2015 waren 1500 Flüchtlinge nach Potsdam gekommen, 2016 waren es 661. Derzeit leben laut Zahlen des Ausländerzentralregisters 1812 Flüchtlinge mit Aufenthaltsrecht in Potsdam, hinzu kommen 545 mit einer Duldung und 703 mit einer Aufenthaltsgestattung.

Wie sieht die Auslastung in den Gemeinschaftsunterkünften aus?

Aktuell sind nur 1301 der insgesamt 1857 verfügbaren Plätze belegt. Das entspricht einer Auslastungsquote von rund 70 Prozent. Die Unterbringung in Privathaushalten, zu der die Stadt vor dem Hintergrund des großen Andrangs 2015 noch aufgerufen hatte, spielt mittlerweile eine untergeordnete Rolle. In den Jahren 2015 und 2016 seien der Stadt einige Wohnungen angeboten worden, von denen aber nur eine ganz geringe Anzahl sofort vermietbar war, sagt Stadtsprecher Jan Brunzlow. Aktuell gebe es keine Angebote.

Wie kommt die Stadt bei der Vermittlung der Flüchtlinge in Wohnungen voran?

Erklärtes Ziel der Stadt ist es, die Flüchtlinge innerhalb von sechs Monaten in Wohnungen zu vermitteln. 2017 konnten laut Stadtsprecher Brunzlow 460 Menschen in Wohnungen vermittelt werden, im Jahr davor waren es 451 Flüchtlinge. Das sind angesichts des angespannten Wohnungsmarktes beachtliche Zahlen – allerdings kommt es für die Flüchtlinge mitunter zu längeren Wartezeiten. Bei den für die Flüchtlinge gefundenen Wohnungen gibt es einen deutlichen Schwerpunkt auf die Plattenbau-Stadtteile Schlaatz, Waldstadt II, Zentrum Ost und Stern – im vergangenen Jahr kamen laut Stadt fast 70 Prozent der vermittelten Flüchtlinge dort in eigenen Wohnungen unter. Ganz vorn lag der Stadtteil Schlaatz mit 121 Menschen, gefolgt von Waldstadt II und Stern mit jeweils 77 neuen Bewohnern und Zentrum Ost mit 59 Zuzüglern. In der Innenstadt fanden 57 Flüchtlinge eine eigene Wohnung, in Potsdam West 36, in Drewitz 19 und in Babelsberg sowie im Kirchsteigfeld jeweils elf. In der Berliner Vorstadt sowie in Golm, Grube und Groß Glienicke sind im vergangenen Jahr keine Wohnungen für Flüchtlinge gefunden worden.

Welche Pläne hat die Stadt für die Gemeinschaftsunterkünfte?

Zumindest in diesem Jahr soll alles zunächst noch so bleiben wie es ist, sagt der Stadtsprecher Brunzlow. Ob der ehemalige Landtag auf dem Brauhausberg auch danach noch als Flüchtlingsunterkunft genutzt wird, werde derzeit intern diskutiert. Der Vertrag mit dem Besitzer läuft nach drei Jahren Ende Dezember 2018 aus. Die Immobilie, die das Land erst im Sommer 2015 verkauft hatte, schlägt für Potsdam kräftig zu Buche: 1,63 Millionen Euro Miete zahlt die Stadt pro Jahr für das im Volksmund als „Kreml“ bekannt Backsteingebäude, hinzu kommen die Betriebskosten.

In der Unterkunft, die von der Arbeiterwohlfahrt betrieben wird, ist Platz für bis zu 470 Geflüchtete, nach Awo-Angaben leben derzeit 286 Menschen dort – manche mittlerweile deutlich länger als die angepeilten sechs Monate, Unterkunftsleiter Wilczek spricht von 12 bis 15 Monaten.

Geklärt werden muss auch, was mit den Hallen an den drei Standorten Sandscholle Babelsberg, an der Birnenplantage in Neu Fahrland und in der Slatan-Dudow-Straße in Drewitz künftig geschieht. Das werde derzeit intern besprochen, so der Stadtsprecher. Die beheizbaren Leichtbauhallen hatte die Stadt im Jahr 2015 als Notunterbringungen angeschafft. An jedem Standort befinden sich jeweils zwei Hallen mit Wohnräumen für jeweils bis zu 96 Menschen und eine Halle mit Versorgungseinrichtungen. Die Hallen werden zur Zeit nicht genutzt.

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