• Zu viele Nichtschwimmer: Spender für Schwimmkurse für Kinder gesucht

Zu viele Nichtschwimmer : Spender für Schwimmkurse für Kinder gesucht

Die Arbeiterwohlfahrt und der städtische Bäderbetrieb wollen Kindern aus finanzschwachen Familien mit Spenden das Schwimmenlernen ermöglichen. Jede kleine Spende zählt.

Foto: Ottmar Winter

Potsdam - Im Uferbereich planschen kann jeder, sich sicher im Wasser bewegen oder notfalls schwimmend das rettende Land erreichen nicht. 59 Prozent aller Grundschüler und 52 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland können einer Forsa-Umfrage der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) zufolge entweder nicht richtig oder sogar gar nicht schwimmen. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2016 hängt die Fähigkeit zu schwimmen dabei auch wesentlich mit der sozialen Herkunft zusammen.

Mit einem neuen Patenschaftsprojekt wollen nun das Büro Kinderarmut der Potsdamer Arbeiterwohlfahrt (Awo) und die städtische Bäderlandschaft Potsdam GmbH Kindern aus finanzschwachen Familien das Schwimmenlernen ermöglichen. Aus einem Fonds, der sich aus Spenden speist, sollen die Schwimmkurse bezahlt werden. Am Donnerstag wurde das Kooperationsprojekt mit dem Namen „Wellenreiter“ in Potsdam vorgestellt. Als Schirmherren konnten der mehrfache Schwimm-Weltmeister, Olympia-Dritte von Barcelona 1992 und Bundestrainer am Olympiastützpunkt Potsdam, Jörg Hoffmann, und der einst als „Rasender Reporter“ bekannte Werderaner Fernsehjournalist Attila Weidemann gewonnen werden.

Zahl der Nichtschwimmer gestiegen

Dass beim Thema Schwimmenlernen auch in Potsdam Handlungsbedarf besteht, weiß Bäderlandschafts-Geschäftsführerin Ute Sello aus Erfahrungen und Beobachtungen ihrer Mitarbeiter: „Unser Badpersonal hat viel Kontakt zu Lehrern, Eltern und Kindern“, so Sello. Dabei sei nicht zuletzt auch in den Strandbädern der Eindruck entstanden, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die nicht schwimmen können, stark gestiegen sei. Ein negativer Trend, den übrigens auch die DLRG auf Nachfrage bestätigen kann.

Ähnliches würden aber auch die Familienhelfer und Sozialarbeiter der Awo berichten, sagte die Leiterin des Awo-Kinderarmutsbüro Franziska Löffler. Allerdings sei es vielen Eltern durchaus nicht egal, ob ihre Kinder schwimmen können oder nicht. „In unseren Beratungen werden wir immer häufiger von Familien nach kostenlosen Schwimmkursen oder Schwimmtrainings gefragt“, berichtete Löffler. Kosten von 95 bis 160 Euro für einen Schwimmkurs seien für viele finanzschwache Familien einfach unerschwinglich. Könne ein Kind etwa nicht gemeinsam mit seiner Kitagruppe zum Schwimmunterricht gehen, weil die Eltern es sich nicht leisten können, löse das unter Umständen zudem ein Gefühl des Ausgeschlossenseins aus und führe zu einem geringeren Selbstbewusstsein.

Ab sofort Bewerbung für Schwimmkurse möglich

Anfragen nach einem durch die Schwimmpatenschaft geförderten Schwimmkurs können Eltern und ihre Kinder in einer der vielen Beratungsstellen des Büros Kinderarmut, etwa im Awo Eltern-Kind-Zentrum in der Röhrenstraße 6, dem Begegnungszentrum Oskar in der Oskar-Meßter-Straße 4-6 oder in der Awo-Kita Kinderland im Bisamkiez 101. „Dann prüfen wir die Anfrage, vermitteln die Person an die Bäderlandschaft und dann wird derjenige in einen Regelkurs eingegliedert“, so Potsdams Awo-Chefin Angela Schweers. „Also ganz ohne Stigmatisierung.“ Für die Prüfung der Bedürftigkeit müsse auch keiner irgendwelche Behördenbescheide vorlegen, was ja in der Regel „äußerst degradierend“ sei, so die Awo-Chefin. Um die Schwimmkurse bewerben könne man sich ab sofort.

Für die ersten Schwimmschüler liegt bereits ein kleines Polster von 2000 Euro auf dem Spendenkonto. Der erste Spender war der Awo zufolge der langjährige Fraktionschef der Linken im Stadtparlament Hans-Jürgen Scharfenberg. Der wiederum hat offensichtlich den zweiten bekannten Geldgeber ins Boot geholt: Bauträgerunternehmer und Fraktionsvorsitzender des Bürgerbündnisses Wolfhard Kirsch. „Als mich Herr Scharfenberg anrief, dachte ich zuerst ,Oh Gott, wieder spenden’. Dann aber sagte er, dass man mit nur 100 Euro einem Kind das Schwimmen beibringen könnte.“ Dies habe ihn dann so überzeugt, dass er sich mit seiner Frau entschlossen habe, 20 Patenschaften für Schwimmschüler zu übernehmen.

Als Pate aber dürfte sich zu Recht jeder bezeichnen, ob er nun viel oder wenig Geld spende, so die Awo-Chefin. Schließlich fließe jede Zuwendung in die Gesamtsumme auf dem Spendenkonto ein. Gespendet werden kann über ein entsprechendes Spendenkonto der Awo oder über die Crowdfunding-Webseite der Stadtwerke. 


Awo Bezirksverband Potsdam e.V., Büro Kinderarmut, IBAN: DE71 160 800 00 4200 752607, BIC: DRESDEFF160 Commerzbank, Verwendungszweck: Wellenreiter – Schwimmpatenschaft. Spenden im Internet: www.potsdam-crowd.de