• Zeitzeuge sprach mit Potsdamer Schülern über Stasi-Haft: Vom Unrecht erzählen

Zeitzeuge sprach mit Potsdamer Schülern über Stasi-Haft : Vom Unrecht erzählen

Bewegtes Leben. Hartmut Richter (r.) in der Lindenstraße.
Bewegtes Leben. Hartmut Richter (r.) in der Lindenstraße.Foto: A. Klaer

Nur um die eigene Haut ging es Hartmut Richter nicht. Zwei Anläufe brauchte der gebürtige Glindower, bis ihm die Flucht aus seiner Heimat, der DDR, 1966 gelang – er durchschwamm den Teltowkanal. Trotzdem gerät er fast zehn Jahre später, 1975, in Untersuchungshaft in der Lindenstraße in Potsdam. Mehr als 30 Menschen hat er in den vergangenen Jahren zur Flucht in den Westen verholfen. Als er im März 1975 am Grenzübergang Drewitz kontrolliert wird, liegen seine Schwester und deren Verlobter im Kofferraum seines Autos. Richter wird festgenommen und verbringt elf Monate in der Lindenstraße, bevor er zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt wird. „Das war die schlimmste Zeit meines Lebens“, sagt er.

Am gestrigen Mittwoch erzählte Richter in der Lindenstraße Jugendlichen aus Bad Laasphe an der Lahn in Nordrhein-Westfalen von seiner Geschichte. Die zehnte Klasse des Gymnasiums Schloss Wittgenstein war in der Gedenkstätte zu Gast – eine Tradition, die vor rund fünf Jahren durch die Vermittlung der Potsdamerin und CDU-Urgestein Maria von Pawelsz-Wolf zustande kam. Richter erzählt von seiner Kindheit und davon, wie mit den Jahren die Zweifel an den Lebensbedingungen in der DDR wuchsen – und ihm klar wurde, dass es sich um einen unterdrückerischen Staat handelt, in dem er nicht leben will. Einen Staat, dessen Arm auch in die BRD reichte, wo die Stasi über den mittlerweile Ausgebürgerten informiert war – und nicht nur das: Richter berichtet sogar von Mordplänen, die er nach der Wende in seiner Stasi-Akte fand.

Ob es ihn nicht belaste, heute in das frühere Stasi-Untersuchungsgefängnis zurückzukommen, fragt ihn eine Schülerin. Als Zeitzeuge könne er von dem ihm geschehenen Unrecht als Stasi-Opfer wenigstens berichten, antwortet Richter: „Wir haben immer darauf gewartet, dass man da irgendwen zur Verantwortung zieht.“ Aber das sei nicht passiert. 

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