Potsdam : Zaunstreit am Pfingstberg

Im Auftrag der Schlösserstiftung saniert Springer-Vorstand Döpfner den Park der Villa Henckel. Zum Unmut der Anwohner ist das Areal jetzt eingefriedet

Die Villa Henckel. Dieses Gebäude hat Döpfner bereits saniert, den Park der Anlage stellt er jetzt in Gänze wieder her. Ob Döpfner in die Villa einzieht, hat er noch nicht entschieden.Alle Bilder anzeigen
Foto: M. Thomas
29.09.2014 22:45Die Villa Henckel. Dieses Gebäude hat Döpfner bereits saniert, den Park der Anlage stellt er jetzt in Gänze wieder her. Ob Döpfner...

Nauener Vorstadt - Zum Ärger der Anwohner lässt die Schlösserstiftung am Pfingstberg bislang frei zugängliche Teile des Weltkulturerbes einzäunen. Es geht um ein rund sechs Hektar großes Areal in unmittelbarer Nachbarschaft der Villen Quandt und Lepsius zwischen der Straße Am Pfingstberg und der Großen Weinmeisterstraße (siehe Grafik). Historisch gehört das Gebiet zu den Gartenanlagen der Villen Henckel und Schlieffen, derzeit ist es dicht mit Wildwuchs bedeckt. Die Stiftung will diese Gartenanlagen und die verfallene Villa Schlieffen nach historischem Vorbild sanieren lassen und hat dafür Springer-Vorstand Mathias Döpfner gewonnen. Der Potsdamer, dem die Villa Henckel und ein Teil ihres historischen Parks gehört, bezahlt die Sanierung und bekommt im Gegenzug das Recht, das Areal auch privat zu nutzen.

Seit einigen Tagen ist das Gelände nun eingezäunt, was etlichen Anrainern sauer aufstößt. Nachdem das Areal zu DDR-Zeiten vom russischen Geheimdienst KGB genutzt wurde und daher abgeschottet war, werde nun eine neue Verbotszone errichtet, beklagte eine Anwohnerin gegenüber den PNN. Die „Wiesen und der Wald“ bedeuteten für Familien, Kinder und Hunde „unschätzbare Freiheit, die in anderen Parks eingeschränkt ist“. Eine andere Anwohnerin kritisierte gegenüber den PNN eine „Privatisierung öffentlicher Grünflächen“ durch die Schlösserstiftung.

Sowohl Döpfner als auch die Stiftung wiesen die Kritik zurück. Er habe sich auf Wunsch der Stiftung zur Wiederherstellung der historischen Parkanlage und zur Sanierung der Villa Schlieffen bereiterklärt, sagte der Springer-Vorstandschef den PNN (siehe Interview). Er habe den Vorschlag angenommen, um „anderen Menschen eine Freude zu machen: mit Kunst und Kultur“, so Döpfner. Unter anderem sollen alte Wegebeziehungen, ein Wasserlauf mit Grotte und verschiedene Brücken instand gesetzt werden. Die marode Villa Schlieffen, die bereits eingerüstet ist, soll nach ihrer Sanierung ein öffentlicher Ort werden. Er wolle dort seine private Kunstsammlung ausstellen, sagte Döpfner. Insgesamt werde er wohl einen siebenstelligen Betrag investieren, den die Stiftung nicht aufbringen könne.

Der Generaldirektor der Schlösserstiftung, Hartmut Dorgerloh, verwies alle Kritiker auf die Historie: Die Gartenanlagen der Villa Henckel und der Villa Schlieffen seien auch früher eingezäunt gewesen. Erst die Russen hätten die Einfriedungen abgebaut. Im Übrigen seien die Anwohner und die Nachbarschaftsinitiative Neuer Garten bereits vor Monaten über die Pläne informiert worden, so Dorgerloh. Mitte Oktober wolle die Stiftung vor Ort ein Schild aufstellen, auf dem über das Bauvorhaben und die Geschichte des Parks informiert wird.

Auch bei der Stadtpolitik hat der Zaun am Pfingstberg bereits für Aufregung gesorgt. Im letzten Hauptausschuss hatte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) zu dem Vorhaben der Stiftung Auskunft geben müssen – und erklärt, dass der Zaun dauerhaft stehen bleiben solle, das Grundstück aber öffentlich zugänglich bleiben werde. Das bestätigt auch Dorgerloh. Alle historischen Wege zwischen Neuem Garten und dem Pfingstberg sollen offen bleiben, so der Stiftungschef. Die Gartenanlage selbst werde gemäß den Bestimmungen des Bebauungsplans ebenfalls öffentlich zugänglich gemacht – „zu festgelegten Zeiten“, sagte Döpfner.

Anwohner und Spaziergänger werden sich indes auf weitere Zäune am Pfingstberg einstellen müssen: Auch die Villa Quandt und die Villa Lepsius sollen nach historischem Vorbild eingefriedet werden, kündigte Dorgerloh an. Ob Zäune aufgestellt oder Hecken gepflanzt werden, sei aber noch offen.

Auch für das letzte unsanierte Gebäude auf dem Areal hat die Stiftung inzwischen einen Nutzer gefunden. Das frühere Kutscherhäuschen der Villa Lepsius, derzeit noch im Grau des früheren KGB-Städtchens gestrichen, sei an die Stüler-Stiftung verpachtet worden, sagte Dorgerloh. Die Stiftung wolle in dem Haus ein öffentliches Archiv unterbringen, in dem über das Werk des preußischen Architekten August Stüler informiert wird.

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