• Potsdam: Neues Studenten-Wohnheim im Kirchsteigfeld geplant

Wohnen in Potsdam : Neues Studenten-Wohnheim im Kirchsteigfeld geplant

Die Soltkahn AG will im Kirchsteigfeld ein Wohnheim für Studierende bauen und so den Nachwende-Stadtteil im Potsdamer Süden beleben.

Prominent verbunden. Insgesamt 55 Wohnungen sollen laut dem Architektenentwurf an der Tramwendeschleife im Kirchsteigfeld für Studenten entstehen – verbunden durch eine auffällige Wabenstruktur.
Prominent verbunden. Insgesamt 55 Wohnungen sollen laut dem Architektenentwurf an der Tramwendeschleife im Kirchsteigfeld für...Visualisierung: Soltkahn AG

Potsdam - An der Tramwendeschleife im Kirchsteigfeld herrscht normalerweise nicht das pralle Leben. Neben dem leisen Quietschen der Straßenbahn belebt dort bislang nur das Vogelgezwitscher aus dem nahen Wäldchen oder das Lachen von Kindern, die auf dem Spielplatz toben, das Areal am südlichen Ende des Potsdamer Stadtteils. Ab Herbst 2020 soll sich das ändern, dann sollen junge Leute in den Potsdamer Süden ziehen. 

Die Berliner Soltkahn AG will im Kirchsteigfeld ein Studentenwohnheim mit 34 Apartments bauen und so zwei Potsdamer Probleme auf einmal lösen: Dringend benötigter studentischer Wohnraum in der Landeshauptstadt soll geschaffen und gleichzeitig ein Wohngebiet belebt werden, das zwar bei Familien und Rentnern beliebt ist, aber kaum als Teil Potsdams wahrgenommen wird. Vor allem von Gewerbetreibenden nicht. Ein nettes Café, kleine Geschäfte, Kreative – das fehlt bislang in dem ab 1993 auf die grüne Wiese gebauten Stadtteil, in dem Ende 2017 laut städtischer Statistik exakt 5071 Menschen lebten.

34 Studentenapartements geplant

Tassilo Soltkahn, Architekt und Vorstand der Soltkahn AG, erklärt sich das Dornröschendasein des Kirchsteigfelds so: Neben Wohnraum seien nach der Wende zwar auch Schulen, Kitas sowie eine Kirche geschaffen worden, doch vornehmlich beherrschten bis heute Wohngebäude die Siedlungsidentität – Gewerbeeinheiten fehlten hingegen nahezu komplett. „Aus diesem Grund hat das Gebiet nicht die geplante Dynamik erreicht, das soll sich nun ändern“, so Soltkahn. Das geplante Studentenwohnheim in der Marie-Juchacz-Straße 34 und 36 stelle eine Art Anstoß für die weitere Erschließung und Belebung des Gebiets dar. 

In der Visualisierung des Neubaus ist entsprechend ein Café eingezeichnet. Ob der Wagen, der auf dem Foto vor dem Wohnheim parkt, Eltern auf Besuch oder einem solventen Studenten gehören soll, ist nicht klar. Angaben, wie viel Miete man in der Wohnanlage bezahlen soll, werden in der Vorstellung des Projekts nicht gemacht. Entstehen soll nach Soltkahns Entwurf ein zweigeteiltes Bauwerk mit jeweils drei Geschossen, das teilweise unterkellert ist. Während der größere Baukörper Platz für 34 Studentenappartements mitbiete, sollen im kleineren Teil 21 Wohneinheiten und „eine Gewerbeeinheit für den lokalen Bedarf“ entstehen. Von den insgesamt 55 Wohnungen mit je einer Größe von 18 bis 20 Quadratmetern sollen 47 barrierefrei sein. 

Beide Gebäude werden nach den Architektenplänen durch einen auffälligen „Verbindungsriegel“ mit Wabenstruktur gekoppelt, der den Durchgang zum Hof ermöglicht. Zudem sehe der Entwurf die Neupflanzung vieler Bäume vor, verspricht Soltkahn. Auch der Bau von Pkw- und Fahrradstellplätzen sei geplant. Der gegenüberliegende Kreisel, also die Tramschleife, bestimme die Form der Gebäudehülle.

7,5 Millionen Euro Investition

Die Baugenehmigung liege vor, erklärt die Soltkahn AG auf Nachfrage, derzeit werde der Baubeginn technisch vorbereitet. Im Sommer solle mit dem 7,5 Millionen Euro teuren Neubau begonnen werden, voraussichtlich im dritten Quartal 2020 könnten die ersten Studenten einziehen.

Die Stadtverwaltung hält sich mit einer Bewertung des Vorhabens noch zurück. „Die Pläne sind uns bekannt, es gab Abstimmungen dazu“, sagt Stadtsprecherin Christine Homann auf PNN-Anfrage nur. Bei dem Areal im Kirchsteigfeld handle es sich um eine Mischgebietsfläche, das heißt dort ist Wohn- und Gewerbebau vorgesehen.

Studentischer Wohnraum ist knapp in Potsdam

Günstiger Wohnraum für Studenten wird in Potsdam in jedem Fall dringend benötigt. Rund 25 000 Studenten gibt es in der Landeshauptstadt, demgegenüber stehen aktuell 2200 Plätze in Wohnheimen. Weil Studentenwohnungen knapp sind, pendeln nach Angaben des Studentenwerks zwei Drittel der Studenten aus Berlin oder dem Umland nach Potsdam und wohnen nicht am Universitätsstandort. Derzeit entstehen in Golm 308 Wohnheimplätze auf dem Unicampus, die zu Beginn des Wintersemesters 2019/20 bezogen werden sollen.

Gute Verkehrsanbindung

Die Anbindung mit Auto und öffentlichen Verkehrsmitteln vom Kirchsteigfeld ist für Studenten nicht schlecht. Die Autobahnauffahrt Drewitz ist nahe. Die Tram 92 Richtung Kirschallee hält am Campus der Fachhochschule. Die 96 pendelt zwischen Campus Jungfernsee und Marie-Juchacz-Straße. Und wer nach Vorlesungsschluss das Potsdamer Innenstadtleben genießen will, kommt mit den Öffentlichen gut in die City und mit Umsteigen am Hauptbahnhof auch nach Berlin – oder will das künftig vielleicht gar nicht mehr, weil dann im bislang verschlafenen Kirchsteigfeld die besten Studentenpartys steigen.