• Wohnen in Potsdam: Genossenschaften geben Millionen aus

Wohnen in Potsdam : Genossenschaften geben Millionen aus

Die Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“ hat 2017 das größte Neubau- und Sanierungsprogramm, doch auch andere Potsdamer Genossenschaften investieren. Ein Überblick.

Seltener Anblick. Unsanierte Plattenbauten aus der DDR-Zeit sind in Potsdam selten geworden. Jetzt soll auch das Quartier 8 in Drewitz zwischen Konrad-Wolf-Allee, Hans-Albers- und Erich-Pommer-Straße, dessen Häuser der WG „Karl Marx“, der PWG 1956 und der Pro Potsdam gehören, saniert werden.
Seltener Anblick. Unsanierte Plattenbauten aus der DDR-Zeit sind in Potsdam selten geworden. Jetzt soll auch das Quartier 8 in...Foto: Andreas Klaer

90 Millionen Euro gibt die kommunale Pro Potsdam in diesem Jahr für Neubau und Sanierungen in der Landeshauptstadt aus (PNN berichteten). Ganz so viel investieren die großen Potsdamer Wohnungsgenossenschaften zwar nicht, doch auch deren Programm ist umfangreich. Ein Überblick.

 

WG „KARL MARX“

Das mit Abstand größte Paket stemmt 2017 die Wohnungsgenossenschaft „Karl Marx“, die mit rund 6600 Wohnungen auch die größte der Potsdamer Genossenschaften ist. Fast 36 Millionen Euro gibt die „Karl Marx“ für Sanierungs- und Neubauvorhaben aus. Allein 22 Millionen kostet das derzeit ambitionierteste Projekt, das sogenannte Waldquartier in der Waldstadt II. Zwischen der Straße Zum Jagenstein und der Saarmunder Straße sollen insgesamt 113 neue Wohnungen entstehen, die sich auf fünf Gebäude verteilen. Hinzu kommen 113 Tiefgaragenplätze. In der vergangenen Woche sei der erste Baukran aufgestellt worden, sagte „Karl Marx“-Vorstand Sebastian Krause den PNN. Im Oktober 2018 sollen die Häuser bezugsfertig sein. Da das Vorhaben frei finanziert wird, müsse eine Kostenmiete erhoben werden, deren Höhe aber noch nicht feststehe.

In unmittelbarer Nachbarschaft startet ebenfalls in diesem Jahr ein Sanierungsprojekt. Der Plattenbau Zum Jagenstein 3, ein Gewerbeobjekt, werde für 3,5 Millionen Euro saniert, so Krause. Neben 50 kleinen Gewerbeeinheiten entstehen außerdem 16 neue Zweiraumwohnungen und ein Wohngemeinschaftsprojekt für Demenzkranke mit acht Zimmern. 10,6 Millionen Euro steckt die Genossenschaft außerdem in die Sanierung ihrer 70 Wohnungen im sogenannten Quartier 8 in Drewitz. Das Karree zwischen Konrad-Wolf-Allee, Hans-Albers- und Erich-Pommer-Straße ist ein Gemeinschaftsprojekt der drei Eigentümer, zu denen auch die PWG 1956 und die Pro Potsdam gehören. Bis zum Herbst will die „Karl Marx“ mit ihrem Anteil durch sein.

Zudem hat die Genossenschaft noch weitere Neubaupläne in der Schublade: Auf einem Grundstück am Kahleberg soll 2018/19 ein Gebäude mit 50 bis 70 Wohnungen entstehen, ebenso viele sind im Zeitraum 2019 bis 2021 auf einem Areal am Tiroler Damm geplant. Kostenpunkt: je zehn Millionen Euro. Mehr als 90 Prozent ihres Bestandes hat die Genossenschaft bereits saniert, in den nächsten drei Jahren soll auch der Rest geschafft werden. Rund 20 Millionen Euro seien dafür noch einmal nötig, sagte Krause.

 

PWG 1956

Wesentlich ruhiger lässt es in diesem Jahr die Potsdamer Wohnungsgenossenschaft 1956 (PWG) angehen, mit gut 4100 Wohnungen die Nummer zwei unter den Genossenschaften. Etwa sechs Millionen Euro investiert die PWG. Im März werden sechs neue Wohnungen im Sperberhorst fertig, dort wurde ein Würfelhochhaus für zwei Millionen Euro um zwei Etagen aufgestockt. Hinzu kommen die Sanierung von 30 Wohnungen im Quartier 8 in Drewitz, die 2,5 Millionen Euro kosten soll, und schließlich die Modernisierung von insgesamt 84 Wohnungen in der Kantstraße in Potsdam-West.

Konkrete Neubaupläne gebe es derzeit nicht, sagte PWG-Vorstand Matthias Pludra den PNN. Mit einer Ausnahme: Bekanntlich will sich die PWG gemeinsam mit der „Karl Marx“ und der Potsdamer Wohnungsbaugenossenschaft pbg um die Errichtung eines Karrees in der Potsdamer Mitte bewerben. Im März soll der sogenannte Block III ausgeschrieben werden. Zuletzt hatte ein Schreiben der Genossenschaften für Kritik gesorgt, wonach sie dort frei finanziert Wohnungen bauen wollen, für die dann Kaltmieten von zwölf Euro erhoben werden müssten – um die wegen der teils geplanten historischen Fassaden besonders hohen Baukosten refinanzieren zu können.

Laut Stadtverordnetenbeschluss sollen allerdings Investoren bevorzugt werden, die besonders viele Wohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindungen in dem Quartier schaffen. Dafür wäre der Einsatz von Fördermitteln nötig. „Wir werden uns diesem Wettbewerb stellen“, sagte Pludra, „und ein interessantes Angebot abgeben“.

 

WBG 1903

Über 1525 Wohnungen verfügt die Wohnungsbaugenossenschaft 1903, verteilt auf drei Standorte: die Nauener Vorstadt, Potsdam-West und die Teltower Vorstadt, wo sie mit der Brunnen-Siedlung ihr größtes Paket im Portfolio hat. Letztere bildet auch den Investitionsschwerpunkt in diesem Jahr. Rund fünf Millionen Euro gebe man jährlich für Sanierungsmaßnahmen aus, sagte 1903-Vorstand Johann Grulich auf Anfrage.

2017 sollen in mehreren Häusern in der Straße Am Brunnen Dach, Fassaden und Fenster erneuert werden, zwei Objekte in der Drevesstraße werden saniert und sollen 2017 fertig werden. Neu- und Ausbauprojekte gibt es ebenfalls. Drei bis vier zusätzliche Wohnungen sollen 2018/19 durch den Ausbau eines Trockenbodens in einem Hochhaus in der Waldstraße entstehen, im gleichen Zeitraum ist auf dem dahinter liegenden Grundstück ein Neubau geplant, der sich architektonisch am Aussehen der Siedlungshäuser orientieren soll, die aus den 1920er- und 1930er-Jahren stammen. Fünf Millionen Euro soll das Projekt kosten, es müsse noch vom Aufsichtsrat der Genossenschaft genehmigt werden.

 

STUDENTENWERK

Das Studentenwerk ist zwar keine Genossenschaft wie die vorher genannten, ist aber auch Mitglied im Arbeitskreis Stadtspuren, dem Dachverband der Potsdamer Wohnungswirtschaft. Etwa 2200 Studentenwohnungen gehören zum Bestand in der Landeshauptstadt, weitere 300 kommen bis 2018 hinzu. In Golm baut das Studentenwerk ein neues Wohnheim, die alten Wohnhäuser werden seit Herbst abgerissen, um Platz zu schaffen. 16 Millionen Euro kostet der Neubau, sieben Millionen Euro davon sind Landesfördermittel, vier Millionen werden als Kredit aufgenommen, der Rest sind Eigenmittel. Weil dieses Projekt oberste Priorität habe, stünden Sanierungsmaßnahmen in diesem Jahr hintenan, sagte Ronald Ostermann, Bereichsleiter Wohnen beim Studentenwerk. „Maßgeblichen Sanierungsbedarf“ gebe es aber weiterhin – vor allem am Wohnheim in der Breiten Straße 20, dem Haus 3 in Golm und dem Heim in der Kaiser-Friedrich-Straße 142 in Eiche. Der Rest ist bereits saniert.

Pläne für einen weiteren Neubau gibt es auch: Wie berichtet soll das Studentenwerk ebenfalls in der Potsdamer Mitte bauen und im sogenannten Block IV, neben dem Bildungsforum, ein Studentenwohnheim errichten. Der Investitionsbedarf werde derzeit noch ermittelt, so Ostermann.

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