• Wohnen in Potsdam: Ein Votum für die Genossenschaften

Wohnen in Potsdam : Ein Votum für die Genossenschaften

Die neue Potsdamer Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD) will mehr günstigen Wohnraum schaffen. Dazu sei in Potsdam bereits vieles richtig gemacht worden. Allerdings muss Verdrängung eingedämmt werden. 

Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Wohnungsbaugenossenschaften haben einen guten Ruf: Ihre Mietpreise liegen oft unter denen kommunaler Wohnungsbauunternehmen, sie legen Wert auf demokratische Mitbestimmung und nachbarschaftliches Miteinander. Daher forderten acht Potsdamer Genossenschaften selbstbewusst eine größere Rolle in der Stadtentwicklung ein: Unter dem Titel „Wir können mehr!“ luden sie anlässlich des Potsdamer Genossenschaftstages vergangene Woche ins Potsdam Museum ein. Zu der Podiumsdiskussion kamen rund 100 Besucher.

Die Landeshauptstadt sei nicht schlecht aufgestellt, sagte Potsdams Sozialbeigeordnete Brigitte Meier (SPD), die zuvor in gleicher Funktion in München tätig war: „Ich hatte erwartet, dass es hier, wie in anderen wachsenden Städten, viele Wohnungslose gibt und ewige Wartelisten für Wohnberechtigungsscheine, aber beides ist im überschaubaren Rahmen“. Das sei ungewöhnlich für wachsende Städte, so Meier. „Anders als in München ist in Potsdam vieles richtig gemacht worden.“

Die Genossenschaften können beim Stadtwachstum nicht mithalten

Meier lobte, dass im Entwicklungsgebiet Krampnitz 5000 Wohnungen durch Genossenschaften entstehen sollen und ein Großteil der Neubaufläche am Alten Markt genossenschaftlich entwickelt werden. Auch dass in der Stadt 20 Prozent der Wohnungen in kommunaler Hand sind und 18 Prozent den Genossenschaften gehören, sieht sie positiv. Dennoch schrumpft auch in Potsdam der Anteil an günstigen Wohnungen stetig: „Die Genossenschaften können beim Wachstum der Stadt nicht mithalten“, so Barbara König vom Genossenschaftsforum e.V.

Für Meier sind die Genossenschaften wichtige Akteure, wenn es darum geht, bezahlbaren Wohnraum zu erhalten und zu schaffen: „Das Problem sind die Haushalte mit mittlerem Einkommen: Die mit niedrigen Einkommen werden in Potsdam durch Wohnberechtigungsscheine versorgt, die mit hohem Einkommen können sich die Preise ohnehin leisten, aber viele dazwischen können das nicht mehr.“ Wenn diese Einkommensschicht nicht versorgt werde, drohen Szenarien wie in München: Die Mittelschicht wandert ab, der Stadt würde es dann an Erziehern, Pflegekräften oder öffentliche Bedienstete mangeln. Die Genossenschaften seien wichtig, um diese Schichten mit Wohnraum zu versorgen, so Meier. Tagesspiegel-Redakteur Reinhart Bünger wies auf eine weitere Herausforderung hin: „Wenn demnächst bei vielen Sozialwohnungen die Bindungen auslaufen, werden die Genossenschaften noch wichtiger für den Wohnungsmarkt.“

Potsdam ist nur gering sozial durchmischt

Ein weiteres Problem ist die Segregation, also der Umstand, dass der Wohnsitz stark vom Einkommen abhängt, was zu geringer sozialer Durchmischung in Bezirken führt. „Das ist in Potsdam sehr stark ausgeprägt“, sagte Gregor Jekel, Bereichsleiter Wohnen der Stadtverwaltung Potsdam. „Genau dagegen können wir als Genossenschaften etwas tun, weil wir durch unsere Mietpreise bezahlbares Wohnen für alle Schichten ermöglichen", so Bodo Jablonowski, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Karl Marx, die mit rund 6600 Wohnungen die größte Genossenschaft in Potsdam ist. Da der Bestand vieler Genossenschaften mittlerweile saniert sei, wolle man sich in Zukunft auch stärker auf den Neubau konzentrieren. Laut Gregor Jekel könne Potsdam noch um rund 16.000 Wohnungen wachsen. „Auch wir wünschen uns von Seiten der Genossenschaften mehr Aktivität beim Wohnungsneubau“, bekräftigte Rainer Radloff, Vorsitzender des Deutschen Mieterbundes Brandenburg.

Es herrschte große Einigkeit auf dem Podium: Genossenschaften leisten einen wichtigen Beitrag für gutes und bezahlbares Wohnen in der Stadt und könnten in Zukunft den angespannten Wohnungsmarkt entlasten. Nun müssten aber auch Taten folgen, findet Jablonowski: Er forderte eine Priorisierung von Seiten der Stadt bei der Vergabe von Grundstücken und Bauprojekten – zugunsten von Genossenschaften. „Man muss sich fragen, ob man das genossenschaftliche Potential heben will.“ Auch Genossenschaften müssten sich öfters zusammentun und gemeinsam Projekte entwickeln.

Mit der neuen Sozialbeigeordneten haben die Genossenschaften eine Verbündete: „Wir brauchen eine andere Bodenpolitik nach Wiener Vorbild“, so Meier. Die große Frage in den nächsten Jahren laute: Was bedeutet eine neue Bodenpolitik haushaltstechnisch? Fazit: Genossenschaften können mehr, man muss sie nur lassen.