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Wohnanlage „Am Brauhausberg“ : Weiter Ärger um dreckiges Trinkwasser

Rund um das neue Schwimmbad blu gibt es immer noch Ärger um dreckiges Trinkwasser. Anwohner werfen dem städtischen Wasserversorger Verschleierung vor.

Sind die alten Rohre die Quelle des Übels? Der kommunale Wasserversorger EWP bestreitet das.
Sind die alten Rohre die Quelle des Übels? Der kommunale Wasserversorger EWP bestreitet das.Foto: privat


Potsdam - Das Trinkwasser in der Wohnanlage „Am Brauhausberg“ in der Albert-Einstein-Straße wurde untersucht. Die städtische ProPotsdam, der die Wohngebäude gehört, teilte am Freitag mit, dass in drei von vier Bauabschnitten keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt worden seien. Im vierten Bauabschnitt habe das beauftragte Potsdamer Labor Agrolab die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. Dort war in der vergangenen Woche eine Grenzwertüberschreitung gemessen worden. 

Am Freitagabend teilte die ProPotsdam weiter mit, dass diese Grenzwertüberschreitung den Bereich der coliformen Bakterien betroffen habe. Bei der Messung von einer koloniebildenden Einheit (KBE) je 100 Milliliter gemessen worden. Der Grenzwert liege bei 0 KBE / 100ml. "Es handelt es sich um die geringstmögliche feststellbare Grenzwertüberschreitung, die zudem lediglich bei einer Beprobung aufgetreten ist", betonte der Sprecher. 

In Potsdam ist sauberes Wasser keine Selbstverständlichkeit

Die ProPotsdam sieht das vorläufige Ergebnis jedenfalls positiv: „Für die Mieterinnen und Mieter vor Ort bedeutet dies, dass sie kontinuierlich mit Trinkwasserqualität versorgt werden.“ Das ist eigentlich gesetzlich vorgeschrieben, die Gesetzgebung ist diesbezüglich sehr eindeutig. 

Aber in Potsdam ist sauberes Wasser keine Selbstverständlichkeit. Bereits seit Jahren klagen Bewohner der nahe gelegenen Speicherstadt über verunreinigtes Trinkwasser, das aus ihren Wasserleitungen kommt. Anwohner geben dem Wassernetz die Schuld.


Anwohner Horst Grode, der in der Straße Am Speicher wohnt, ist sich sicher: „Die uralten Leitungen sind der Grund für das braune Wasser.“ Seit einigen Wochen wird in der Leipziger Straße gebaut. Grode sagt, er habe am Montag beobachtet, dass Bauarbeiter stark verrostete Rohre aus dem Boden geholt hätten. Weitere Zeugen und Fotos, die den PNN vorliegen, scheinen das zu bestätigen. Die Bilder sind den Zeugen zufolge an der Baustelle in der Leipziger Straße aufgenommen worden, unweit der Wasseraufbereitungsanlage des städtischen Energieversorgers Energie und Wasser Potsdam (EWP). Darauf sind auch neue, blaue Plastikrohre zu sehen. 

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Mieter wirft EWP Verschleierung vor

Grode geht davon aus, dass die EWP die verrosteten Rohre nach und nach austauscht, aber das wirkliche Ausmaß des Problems verheimlicht. 
Im Juli hatte die EWP abgestritten, dass es einen Zusammenhang zwischen dem braunen Trinkwasser und dem öffentlichen Leitungsnetz geben könnte. Die „Wahrscheinlichkeit“ deute darauf hin, dass „die Probleme aus der Hausinstallation kommen müssen“, teilte der Sprecher Stefan Klotz damals auf PNN-Anfrage mit. Die Bauarbeiten in der Leipziger Straße hätten nichts mit den Wasserleitungen zu tun, so der Sprecher im Juli. Am Freitag konnte sich die EWP kurzfristig nicht zu den Vorwürfen äußern, kündigte aber an, den Sachverhalt zeitnah zu prüfen.


Horst Grode überzeugt das nicht. Er wirft den EWP sogar „Verschleierung“ vor: „Die wollen die Leute für dumm verkaufen.“ Grode wünscht sich mehr Transparenz. Wenn es Probleme gebe, müsse mit der Bevölkerung darüber gesprochen werden, findet er.

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