• Erste Ausstellung der Potsdamer Hobbykünstler Urban Sketchers

Wissenschaftspark „Albert Einstein“ : Erste Ausstellung der Potsdamer Hobbykünstler Urban Sketchers

Ausstellung der Hobbykünstlergruppe Urban Sketchers auf dem Telegrafenberg eröffnet.

Urban Sketcher Jörg Schönrock zeigt sein Bild „Waldhaus“, das er im September mit Aquarell- und Bleistift gezeichnet hat.
Urban Sketcher Jörg Schönrock zeigt sein Bild „Waldhaus“, das er im September mit Aquarell- und Bleistift gezeichnet hat.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Das Aufhängen der Bilder eine Woche vor der Vernissage ging unerwartet schnell. Es war die Bibliotheks-Mitarbeiterin vom Empfang, die plötzlich mitmischte: Sie habe direkt auf drei Bilder gezeigt und ganz trocken gesagt, dass diese im Empfangsraum hängen sollen, erzählt Jörg Schönrock von den Urban Sketchers und lacht. Sie schaue ja schließlich den ganzen Tag darauf, lautete ihre Begründung. Damit stand es auch für die Urban Sketchers fest. „Sie hat einen guten Geschmack“, findet Schönrock und blickt auf die Aquarellbilder, die in warmen gelben und orangenen Farbtönen zentrale Gebäude auf dem Telegrafenberg zeigen, wie das Geoforschungszentrum (GFZ) oder das Verwaltungsgebäude des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

"PIK - Neubau" von Jutta Schwenk.
"PIK - Neubau" von Jutta Schwenk.Foto: Andreas Klaer

Die Urban Sketchers Potsdam, die als Gruppe durch die Stadt laufen und diese in Zeichnungen festhalten, haben am Freitag in der Bibliothek des Wissenschaftsparks „Albert Einstein“ auf dem Telegrafenberg ihre erste Ausstellung eröffnet. Die Bilder sind dort bis zum 26. April eintrittsfrei zu sehen. Die 21 ausgestellten Werke sind das Ergebnis eines Ausflugs der Gruppe auf den Telegrafenberg im September 2018. In unterschiedlichen Stilen setzten sich die Zeichner mit der Architektur der dortigen Forschungsgebäude auseinander.

Der Telegrafenberg sei ein spannender Ort

Auf einem Bild sind die skurrilen Formen des Observatoriums Einsteinturm, der im Stil der expressionistischen Architektur gebaut wurde, zu sehen. Jörg Schönrock wiederum hat sich in detaillierten Zeichnungen dem Waldhaus und dem ehemaligen Höhenstrahlungslabor gewidmet. Der Telegrafenberg sei ein spannender Ort, findet er. Dort finde man Natur, Skulpturen und interessante Gebäude. „Es gibt alles hier.“ Es sei eine kleine Stadt in der Stadt.

Der Einsteinturm, festgehalten von Jutta Schwenk.
Der Einsteinturm, festgehalten von Jutta Schwenk.Foto: Andreas Klaer

Die Bilder stellte die Gruppe nach der Tour auf den Telegrafenberg online. Auf diese sei Ariane Kujau, Referentin für Medien und Kommunikation am GFZ aufmerksam geworden und hätte die Ausstellung angeregt, erzählt Schönrock.

Die Idee entstand 2007 in Seattle

Es war Stefanie Stock, die im vergangenen Jahr die Urban Sketchers Potsdam gegründet hat. Die Idee ist nicht neu. International gibt es bereits zahlreiche solcher Hobbyzeichner, die auf dem Papier ihre Städte verewigen. Entstanden ist das Phänomen laut Schönrock 2007 in Seattle. Über Facebook gründete Stock eine entsprechende Gruppe.

Bei dem ersten Treffen auf der Freundschaftsinsel waren sie zu acht. Inzwischen habe sich eine Kerngruppe von fünf bis sieben Teilnehmern gebildet, erzählt Stock. „Das sind mittlerweile Freunde.“ Auch im Winter treffen sie sich einmal im Monat, fertigen ihre Zeichnungen aber eher im Inneren verschiedener Gebäude an. Ein Ausflug führte sie ins Theater sowie ins Schwimmbad blu, wo die Sketcher die Menschen im Wasser zeichneten. Das nächste Mal soll es ins Naturkundemuseum gehen.

"Pinsel statt Pixel"

Das Motto der Gruppe lautet „Wir erklären die Welt Zeichnung für Zeichnung“, sagte Schönrock zuvor bei seiner Eröffnungsansprache und zitierte die Worte des Berliner Urban Sketcher Jens Hübner: „Pinsel statt Pixel“.

Für das Frühjahr ist laut Stock bereits eine Fahrt nach Werder (Havel) angedacht. Ganz bestimmte Gebäude haben sie bei ihren Touren selten sofort im Sinn. „Wir lassen uns meistens auch ein bisschen treiben“, sagt sie. Jedem sei selbst überlassen, was sie oder er zeichnen wolle. Meistens würden sie sich an einem Ort verteilen und sich nach etwa zweieinhalb Stunden wieder treffen, so Stock. „Dann schauen wir, was die anderen so gemacht haben.“ Bis dahin nehme sich jeder oft selbst seinen Raum, versuche seinen eigenen Blickwinkel zu finden, hat die Zeichnerin immer wieder beobachtet.

"Potsdamer Urbansketcher auf dem Telegrafenberg" heißt dieses Werk von  Stefanie Stock.
"Potsdamer Urbansketcher auf dem Telegrafenberg" heißt dieses Werk von  Stefanie Stock.Foto: Andreas Klaer

Genau diesen Moment hat Stefanie Stock auch zeichnerisch festgehalten. Inmitten all der architektonischen Bilder hängt in der Bibliothek ein Aquarellbild von ihr, das die motivsuchenden Urban Sketchers abbildet. Umgeben vom satten Grün der Bäume auf dem Telegrafenberg sitzen sie im Gras oder schwärmen in alle Richtungen aus.