• Wissenschafts- und Restaurierungszentrum: Die Schönheitschirurgen der Schlösser

Wissenschafts- und Restaurierungszentrum : Die Schönheitschirurgen der Schlösser

Die Restauratoren der Schlösserstiftung haben ihre neuen Werkstätten in der Zimmerstraße bezogen. Mehr als 31 Millionen Euro wurden investiert.

Alt und neu. Das Zentrum entstand auf dem früheren Gelände des Hans Otto Theaters.Alle Bilder anzeigen
Foto: Ralf Hirschberger/dpa
08.06.2017 22:10Alt und neu. Das Zentrum entstand auf dem früheren Gelände des Hans Otto Theaters.

Potsdam - Noch sind in der Werkstatt für Gemälde- und Rahmenrestauration längst nicht alle Werkzeuge an ihrem Platz: Pinsel, Staubsauger und Pigmentfarbe sind noch nicht ausgepackt und einige Schränke sind leer. „500 Rahmenformen muss ich noch einräumen und ordnen“, sagt Katja Wendler, die für die Rahmenrestaurierung bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) zuständig ist. Gemeinsam mit ihren Kollegen ist sie in das neue Wissenschafts- und Restaurierungszentrum (WRZ) der Stiftung in der Zimmerstraße umgezogen, das am Donnerstag von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU), der brandenburgischen Kulturministerin Martina Münch (SPD), Stiftungschef Hartmut Dorgerloh und dem Berliner Architekten Volker Staab eingeweiht wurde.

Wendlers Herz hängt noch an der alten Werkstatt, am Hofdamen-Flügel des Neuen Palais’, in der seit 1978 alte Gemälde und Rahmen restauriert wurden. „Dort war so viel erlebte Geschichte“, sagt sie. Trotz aller nostalgischen Gefühle sind Wendler und ihre Kollegen froh über die neuen Gebäude. Besonders über den Anlieferbereich für alte Bilder, der ebenerdig hinter einer großen grauen Tür liegt. Transportautos können dort direkt parken, hinter der Tür liegt ein Zwischenraum, der gekühlt werden kann, sodass die alten Gemälde direkt bei der richtigen Temperatur ausgepackt werden können.

Vom historischen Gebäude in den Neubau

Auch Bärbel Jackisch, die die Gemälderestauration leitet, muss sich noch an die neuen Räume gewöhnen. Ein Umzug aus einem historischen Gebäude in einen Neubau habe Vor- und Nachteile, sagt sie. Dadurch, dass viele Werkstätten in Zukunft unter einem Dach arbeiteten, sei der fachliche Austausch mit Kollegen leichter. Ab sofort sei man allerdings auf den Transport von Gemälden angewiesen und habe kein Depot mehr vor Ort, so wie noch im Neuen Palais. „Das ist natürlich aufwendiger“, sagt Jackisch. Sie hofft auf einen innerbetrieblichen technischen Dienst. Den gebe es aber bisher nicht.

Dafür gibt es mit dem Umzug hellere Räume und mehr Platz für die Restauratoren. Jackisch lobt im Rückblick vor allem die Kommunikation zwischen Restauratoren und Architekten in der Planungsphase des Baus. Denn die Bedürfnisse der Mitarbeiter wurden so gut es ging umgesetzt. Sieben von ihnen arbeiten in den neuen Räumen der Gemälderestaurierung. Dort wird auch der Leihverkehr für Ausstellungen und Dauerausstellungen organisiert, das Hauptaugenmerk liegt aber auf der Restaurierung. Erste wenige Objekte seien sogar schon im Schiebewanddepot untergebracht, sagt Katja Wendler. „Und das Pelzchen musste hierher transportiert werden.“ Das Gemälde liegt in einem der Werkstatträume aus. Es ist eine Nachbildung des Abbildes von Peter Paul Rubens zweiter Frau Helena Fourment. Das Original zeigt sie nur in einen Pelz gehüllt.

70 Jahre lang verschollen

Die Nachbildung „Venus im Pelz“ hatte Friedrich II. für seine Kunstsammlung erworben. 70 Jahre lang war das Gemälde verschollen und tauchte dann im vergangenen Jahr in einem Nachlass wieder auf (PNN berichteten). Bis Oktober war es in der Bildergalerie in Sanssouci ausgestellt, nun kann es mit Hilfe von Sponsorengeldern endlich restauriert werden – unter idealen Bedingungen. Solche Arbeiten sollen zumindest für einen Tag auch für die Potsdamer zu sehen sein. Im Herbst, wenn der Umzug endgültig erledigt ist, sei ein Tag der offenen Tür geplant, sagte Samuel Wittwer, Direktor der Abteilung Schlösser und Sammlungen. Der genaue Termin steht noch nicht fest.

Im September 2013 wurde der Grundstein für den fünfteiligen Bau auf dem Gelände des ehemaligen Hans Otto Theaters gelegt. 31,1 Millionen Euro kostete das Ensemble, das vom Architekturbüro Staab Architekten aus Berlin entworfen wurde. Mit dem WRZ sei ein „Meilenstein in der Jahrhundertaufgabe der Sanierung der Schlösser und Gärten erreicht“, sagte Kulturministerin Monika Grütters bei der Einweihung. Finanziert wurde der Bau durch das Sonderinvestitionsprogramm – den Masterplan –, mit dem der Bund, Berlin und Brandenburg Denkmäler der Berliner und Potsdamer Schlösserlandschaft vor dem Verfall retten. Verhandelt wird eine Weiterführung des Programms bis 2030. 200 Millionen Euro will der Bund zahlen, Berlin und Brandenburg sollen die gleiche Summe beisteuern.

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