• Wissenschaft in Potsdam: Moderner Gelehrter und Weltmann

Wissenschaft in Potsdam : Moderner Gelehrter und Weltmann

Der international bedeutende Astronom Wilhelm Foerster, Vater von Staudenzüchter Karl Foerster, starb vor 100 Jahren.

Die Grabstätte von Vater Wilhelm und Sohn Karl Foerster auf dem Bornimer Friedhof. 
Die Grabstätte von Vater Wilhelm und Sohn Karl Foerster auf dem Bornimer Friedhof. Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Jahrzehntelang hat die grüne Lampe über dem Schreibtisch mit ihrem Schein die Manuskripte des Staudenzüchters und Schriftstellers Karl Foerster beleuchtet. Doch auch sein Vater, der Astronom, Physiker, Universitätsprofessor und Wissenschaftsorganisator Wilhelm Foerster hat im Arbeitszimmer des Hauses am Bornimer Raubfang im Schein der grünen Lampe Bücher gelesen sowie Aufsätze und Briefe geschrieben. Als Sohn Karl 1910/11 seine Gärtnerei von Berlin-Westend nach Bornim bei Potsdam verlegte und sich auf dem neuen Grundstück ein Wohnhaus baute, zog auch Vater Wilhelm Foerster in das neue Domizil. Dessen Frau Ina starb bereits 1908. Rund zehn Jahre wohnte er bei seinem Sohn in Bornim. Am 18. Januar 1921, heute vor 100 Jahren, starb er mit 88 Jahren. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Alten Friedhof in Bornim. Freunde der Familie Foerster ehrten ihn heute Vormittag mit einem Lorbeerkranz am Grab. Dorothea Nerlichs Keramik-Stele, die gerade in ihrem Atelier im Auftrag des Kulturbunds entsteht, wird in diesem Jahr am Fenster zum Arbeitszimmer im Foerster-Garten ihren Platz finden. Ein öffentliches Gedenken kann indes in Potsdam und anderswo aus bekannten aktuellen Gründen nicht stattfinden. Die Veranstaltungen, die beispielsweise der Urania-Verein Wilhelm Foerster plante, müssen verschoben werden.

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Karl Foerster und seine drei Geschwister haben die Eltern zeit ihres Lebens sehr verehrt. Sie seien vorwärtsdrängende Zielmenschen gewesen, schrieb Karl in seinem Erinnerungstext „Elternhaus in der Sternwarte“. Über den Vater, der Direktor der Berliner Sternwarte war, wusste er im Besonderen zu berichten: „Seine Erscheinung trug den unverkennbaren Stempel eines modernen Gelehrten und Weltmanns und weckte durch leise Nebenerinnerungen an die Grazie des Rokoko und die Geschlossenheit antiker Dichter. “

Nicht den besten Ruf bei Kaisertreuen gehabt

Im 19. Jahrhundert nahmen die Wissenschaften einen großen Aufschwung. Wilhelm Foerster war noch ein Kind, als der Engländer Samuel Morse den Schreibtelegrafen erfand, ein junger Mann, als Werner von Siemens das Dynamoprinzip entdeckte, in der Reife seines Lebens stand er, als Thomas Alva Edison die erste elektrische Beleuchtungsanlage baute. Er nahm regen Anteil an den wissenschaftlichen Entwicklungen des 19. Jahrhunderts und hat selbst Wesentliches in der Forschung und bei öffentlichen Vorträgen im Wissenschaftlichen Verein der Singakademie Berlin sowie 1888 bei der Gründung der Astronomischen Gesellschaft Urania für ihre Popularisierung beigetragen. Bei den Kaisertreuen war sein Ruf nicht immer der Allerbeste, vor allem als der Astronom in den siebziger Jahren sich weigerte, das Sternbild Cassiopeia zum „Wilhelmssternbild“ zu Ehren Kaiser Wilhelms I. umzubenennen. In dem Schreiben der kaiserlichen Generalität hieß es, dass „das Sternbild der Cassiopeia bei einer bestimmten Lage zum Horizont durch die Gruppierung seiner hellsten Sterne nahezu ein lateinisches W darstelle“. Nach der Ablehnung warf man ihm „die Vernachlässigung preußischer Interessen am Sternenhimmel“ vor.

Verbale Anfeindungen überhörte er. Seinen wissenschaftlichen Vorhaben ging er unnachgiebig nach. Priorität hatte nicht nur der Sternenhimmel. Er wollte ein „Institut für die Beobachtung aller Vorgänge auf der Sonne und ihrer Umgebung, verbunden mit vollständigen Messungen aller Einwirkungen auf irdische Zustände“ gründen, eben eine Sonnenwarte. Schließlich wurde 1874 das Astrophysikalische Observatorium in Babelsberg gegründet. Auf dem Telegrafenberg entstanden in der Folgezeit eine Reihe von Gebäuden, in denen nach wie vor astrophysikalische Forschungen von internationalem Rang stattfinden. Ein Höhepunkt architektonischer Baukunst in Potsdam: der Einsteinturm, erbaut 1920 bis 1922 von Erich Mendelssohn. Zu den Ideengebern gehörte Wilhelm Foerster.
 

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