• Windmühle in Fahrland: Nur noch fünf Jahre Lebenserwartung

Windmühle in Fahrland : Nur noch fünf Jahre Lebenserwartung

Am Pfingstmontag findet an der Fahrländer Mühle ein Fest statt – das historische Gebäude ist in Gefahr. Irgendwann klappe sie zusammen, wenn nichts an der Mühle gemacht werde, befürchtet der Eigentümer.

Die Windmühle in Fahrland hat schon bessere Zeiten erlebt.
Die Windmühle in Fahrland hat schon bessere Zeiten erlebt.Foto: A. Klaer

Fahrland - Wenigstens die Flügel könne man doch anbringen – so lautete der meistgeäußerte Wunsch der Besucher beim letzten Mühlentag in Fahrland, als die Fahrländer Mühle das erste Mal seit 2001 wieder geöffnet worden war. Doch das wäre der Tod für das 257 Jahre alte Holzgebäude: „Die Windlast würde die Mühle glatt umhauen“, sagt Claus Wartenberg (SPD). Der Ortsvorsteher ist selbst Mühlenexperte und wird im Rahmen des Mühlenfestes am 22. Deutschen Mühlentag am Mittwoch interessierte Besucher durch die Fahrländer Mühle führen.

Tatsächlich ist die gut erhaltene Bockwindmühle – die einzige historische Mühle in Potsdam neben der Holländermühle in Sanssouci – in akuter Gefahr: Sie steht leicht schief. Betreten kann man sie derzeit zwar gefahrlos, aber: „Wenn in den nächsten drei bis fünf Jahren nichts an der Mühle gemacht wird, klappt sie irgendwann zusammen“, warnt Gunter Watzke, der die Mühle samt Grundstück vor zwei Jahren bei einer Zwangsversteigerung erworben hatte. Diese technische Einschätzung stammt von einem Mühlenbauer, der das Gebäude 2014 besichtigt hatte.

Mehrere Bauabschnitte nötig

Daher müsste bei der Sanierung zuallererst die Mühle selbst gesichert und die Standfestigkeit des Bockes wiederhergestellt werden – dazu würde der Unterbau komplett entkernt und die Mühle als Ganzes einmal angehoben, so Wartenberg. Noch aufwendiger ist der zweite Bauabschnitt, bei dem die Außenhaut der Mühle sowie das Innenleben inklusive Mahlwerk erneuert werden müssten. Sogar der zentrale Hammerbalken, auf dem die ganze Mühle ruht, müsste wegen Rissen im Holz ausgetauscht werden. Erst im dritten und letzten Bauabschnitt könnten dann die langersehnten Flügel wieder angebracht werden.

Selbst dann soll es jedoch nur einen Schaubetrieb in der Mühle geben, so Wartenberg: Ein echter Mahlbetrieb – wie es ihn in der Holländermühle am Park Sanssouci gibt – würde zu viel regelmäßige Wartung und Säuberung der Technik verlangen. Langfristig wolle man auch das alte Müllerhaus wiederaufbauen, das bis in die 1950er-Jahre noch gestanden habe, so Wartenberg. 2016 soll ein Mühlenverein in Fahrland entstehen.

Nach 2000 verfiel die Mühle allmählich

In Betrieb war die Fahrländer Mühle bis ins Jahr 1968, danach diente sie als begehrter Ort für Veranstaltungen sowie als Kulisse für diverse Film- und Fernsehproduktionen, etwa für den Defa-Märchenfilm „Der große und der kleine Klaus“. Ab dem Jahr 2000 verfiel die Mühle dann zusehends, weil sich der Eigentümer aus Bayern nicht um das Gebäude kümmerte.

Durch seinen Bruder, der in der Nähe von Potsdam lebt, kam der Görlitzer Gunter Watzke eher durch Zufall zu der Zwangsversteigerung der Mühle – es war Liebe auf den ersten Blick. „Danach rief ich meine Frau an und meinte: ,Wir sind jetzt Mühlenbesitzer!’“ Ganz geplant war dies nicht – er hatte eigentlich damit gerechnet, dass sein Gebot noch überboten werde, so Watzke. Doch dies geschah nicht. „Ich habe den Kauf aber nie bereut und erfahre hier in Fahrland viel Sympathie und Unterstützung“, sagt Watzke.

Rund 150 000 Euro würde die Sanierung der Mühle wohl kosten. Watzke hofft noch in diesem Jahr auf die Zusage von EU-Mitteln aus dem Programm zur Förderung des ländlichen Raums. Gleichzeitig will er auch noch andere Wege der Finanzierung gehen: Watzke will die Mühle als Crowdfunding-Projekt ins Internet stellen. Durch diese „Schwarmfinanzierung“ können Menschen aus aller Welt etwas für die Sanierung beisteuern und erhalten für ihre Spende ein kleines Dankeschön – denkbar wäre etwa eine Verewigung des Spender-Namens in den neu anzubringenden Holzschindeln an der Außenhaut der Mühle, so Watzke. Klappt alles, könnte frühestens im Herbst dieses Jahres mit den Erhaltungsmaßnahmen begonnen werden.

Selbst Friedrich der Große hat sich angekündigt

Mit einfließen werden auch die 1430 Euro Spenden, die beim Mühlenfest im vergangenen Jahr zusammengekommen sind. Über 500 Besucher waren gekommen. „Das hatte uns total überrascht“, sagt Watzke, der am Pfingstmontag mit ebenso vielen Gästen rechnet und auf eine ähnlich hohe Spendensumme hofft. Neben Mühlenführungen wird es am Pfingstmontag auch Bier, Wein und Säfte aus der Region geben sowie Bratwurst vom Grill, selbst gebackenen Kuchen und Fladenbrot.

Eröffnet werden soll das Mühlenfest in Fahrland von Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD). Falls er verhindert sein sollte, können die Gäste mit adäquatem Ersatz rechnen, denn auch Friedrich der Große habe sich angekündigt, so Watzke geheimnisvoll.

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