Potsdam : Wieder droht Streik in Sanssouci

Geschäftsführung lehnt Verhandlung über Haustarif für Servicegesellschaft ab

Erhart Hohenstein

Ergebnislos endeten gestern nach kurzer Zeit die Gespräche zwischen der Gewerkschaft ver.di und der Geschäftsführung von „Fridericus“ über einen Haustarifvertrag für die aus der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten in die neue Servicegesellschaft ausgegliederten Schlossführer, Kassenkräfte und das Reinigungspersonal. Laut Information des ver.di.-Verhandlungsführers Manfred Loos erklärte Fridericus-Geschäftsführer Dr. Heinz Berg, der gleichzeitig Verwaltungschef der Stiftung ist, ein Haustarifvertrag sei nicht notwendig, da die Mitarbeiter bereits nach Flächentarif bezahlt würden.

Die Gewerkschaft sieht darin einen Wortbruch, denn die Aushandlung eines Haustarifvertrages für die Fridericus-Gesellschaft war im Juni 2005 festgeschrieben worden. Nur unter dieser Voraussetzung habe ver.di der Ausgliederung von rund 100 Arbeitskräften aus der Stiftung und ihrer Überführung in eine Servicegesellschaft zugestimmt. Loos befürchtet nun, dass Fridericus die neu eingestellten Mitarbeiter mit Stundenlöhnen von unter vier Euro abspeisen will, während die aus der Stiftung übernommenen Kräfte besser bezahlt werden.Die Gewerkschaft fordere gleichen Lohn für gleiche Arbeit.

Heinz Berg wies gegenüber PNN darauf hin, dass beispielsweise auch technische Mitarbeiter auf der Berliner Museumsinsel solch niedrige Löhne erhalten. Die Stiftung, die die Mehrheit der Anteile von Fridericus hält, könne gegenüber dem Bund und den Ländern Berlin und Brandenburg als Zuwendungsgebern nicht erklären, warum sie besser zahlen solle. Er gehe jedoch davon aus, dass die Verhandlungen mit ver.di fortgesetzt werden, auch wenn dafür noch kein Termin vereinbart wurde. Angestrebt werde eine Einigung, ob sie nun Haustarif oder Betriebsvereinbarung heiße – wichtig sei ihr Inhalt.

Die Gewerkschaft ver.di forderte inzwischen die Eigner von Fridericus – 51 Prozent hält die Stiftung, 49 Prozent die Firma Dussmann – zur Vertragstreue auf und schloss einen Arbeitskampf nicht aus. Er müsste sich nicht nur auf die Beschäftigten der Servicegesellschaft beschränken, erfuhren PNN vom Personalratsvorsitzenden der Stiftung, Heiko Neubecker. Da die Beschäftigten der Stiftung der Ausgliederung ihrer Kollegen nur unter dem Vorbehalt eines Haustarifvertrages zugestimmt hatten, könnten auch sie an gewerkschaftlichen Aktionen teilnehmen. Erhart Hohenstein

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