• Wie sich die Potsdamer Mitte entwickelt: Neue Puzzlesteine für die Mitte

Wie sich die Potsdamer Mitte entwickelt : Neue Puzzlesteine für die Mitte

Es tut sich unverkennbar etwas ins Potsdams Mitte: Der Wiederaufbau der Ringerkolonnaden geht voran. Nun wurde auch eine Büste für Otto Braun aufgestellt und Gastronomie und Geschäfte locken das Publikum an.

Vorbild. Der Blick richtet sich auf den Landtag. Mit der Otto-Braun-Büste soll an den letzten demokratisch gewählten Ministerpräsidenten Preußens erinnert werden.
Vorbild. Der Blick richtet sich auf den Landtag. Mit der Otto-Braun-Büste soll an den letzten demokratisch gewählten...Foto: A. Klaer

Potsdam - Es tut sich was in der Potsdamer Mitte: Im Umfeld des Landtages gibt es neue Restaurants und Geschäfte. Auch die öffentlichen Flächen nehmen zunehmend Gestalt an. Und Potsdamer sowie Touristen nehmen die nach historischem Vorbild gestaltete Mitte mehr und mehr an.

Seit dem Sommer werden die Ringerkolonnaden wiedererrichtet

Am Dienstag kehrten nun weitere Teile der Ringerkolonnaden an den Steubenplatz zwischen Landtag und Filmmuseum zurück – nämlich die kunstvoll verzierten Kapitelle, die die Säulen nach oben abschließen. Seit dem Sommer werden sieben der ursprünglich 14 Säulenpaare wiedererrichtet, die einst das Stadtschloss und den Marstall verbanden und den historischen Lustgarten vom Steubenplatz trennten. In voller Länge können die Kolonnaden nicht aufgestellt werden, weil neben dem Landtag Platz für die Feuerwehrzufahrt bleiben muss und neben dem Filmmuseum die zweigleisige Trasse für Straßenbahnen und Busse sowie ein Radweg verlaufen.

Die Sanierung der Ringerkolonnaden führt der kommunale Sanierungsträger Potsdam im Auftrag der Landeshauptstadt mit finanziellen Mitteln aus der Städtebauförderung durch. 650 000 Euro kostet es, die Säulen an ihrem früheren Standort am Neptunbassin abzubauen, zu sanieren und am Landtag wieder zusammenzusetzen. „Auch wenn die Architektur schon vollständig am Steubenplatz steht – die Arbeiten an der Kolonnade sind noch nicht abgeschlossen“, sagte der Geschäftsführer des Sanierungsträgers, Horst-Müller Zinsius. Erst im Frühjahr kommenden Jahres sollen die Arbeiten beendet werden. Zwischenzeitlich bekommt die Säulenreihe erst mal ein Wetterschutzdach, damit die Restauration auch im Winter weitergehen kann. Allerdings bleibt auch dann der erhaltene Figurenschmuck eingelagert. Für die Sanierung der namensgebenden Ringerfiguren, Vasen und Putten fehlen die finanziellen Mittel.

Büste Otto Brauns am Landtag

Einen neuen Hingucker gibt es nun auch auf der anderen Seite des Landtages: Am Fuße der großen Kastanie ist seit gestern eine Büste Otto Brauns zu sehen. Der sozialdemokratische Politiker war von 1921 bis 1932 mit kurzen Unterbrechungen preußischer Ministerpräsident. Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD) und Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) enthüllten die Skulptur am Dienstag. Als letzter demokratisch gewählter Ministerpräsident von Preußen habe Otto Braun bis zuletzt ein republikanisches Bollwerk gegen den aufkommenden Nationalsozialismus in der Weimarer Republik vertreten. Seine Person sei nach dem Zweiten Weltkrieg etwas in Vergessenheit geraten, so Jakobs. Um dies zu ändern hatte Potsdam bereits 2013 den kleinen Platz zwischen der Auffahrt zur langen Brücke der Humboldtstraße und der Uferpromenade an der Alten Fahrt nach Braun benannt. Die bronzene Braun-Büste ist eine Replik. Ihr Original steht in der Berliner Staatsbibliothek.

Einen guten Ausblick nicht nur auf die neue Braun-Büste, sondern auch auf den Landtag und die Alte Fahrt haben die Gäste der Restaurant und Cafés am Otto-Braun-Platz. Schon seit Mitte September empfängt die L’Osteria ihre Gäste direkt am Ufer. Besonders an den Wochenenden ist es dort voll. Aber die Kellnerin rät auf Nachfrage auch zu Reservierungen für das Abendessen. Die traditionelle italienische Küche kommt offenbar gut an – selbst an einem grauen Novembernachmittag saßen am Dienstag gut 30 Gäste im Lokal. Bei der Zubereitung der Speisen kann zugesehen werden: Der Teig für die Pizzen, die die Teller meist überragen, wird in einer offenen Küche geknetet und in den Steinofen geschoben. Es duftet nach mediterranen Kräutern und aus dem Lautsprecher tönt italienischer Pop.

Frischer Kaffee-Duft und Burger am Abend

Gleich nebenan, in einer Filiale der Bäckereikette Steinecke, duftet es hingegen nach frischem Kaffee. Das Ambiente macht auch eher den Eindruck eines Cafés als einer Bäckerei. An den kleinen Bistrotischen verspeisen die Gäste Kuchen und Torten. Etwas ruhiger ist es am Nachmittag hingegen im „Hans im Glück“. Dafür ist dort am Abend mehr los. Das Lokal bietet Burger aller Art – auch vegetarische. Der Gastraum ist mit Birkenstämmen wie ein kleiner Wald dekoriert. Statt Stühlen gibt es Sitzbänke.

Ein paar Meter weiter wird am Freitag auch das erste Geschäft in der Humboldtstraße 3 eröffnen. Die Potsdamerin Liane Kempka zieht derzeit mit ihrem Juweliergeschäft Fancy Crystal ein. Hochwertiger Modeschmuck soll dort auf 45 Quadratmetern Verkaufsfläche unter einem beeindruckenden Kronleuchter angeboten werden.