• Widerstand gegen „Havelseen“-Bau: Raststätten-Protest erreicht Stadtpolitik

Widerstand gegen „Havelseen“-Bau : Raststätten-Protest erreicht Stadtpolitik

Die geplante Raststätte im Potsdamer Norden erhitzt die Gemüter. Mit Rasseln und Schellenlärm haben Anwohner vor Kommunalpolitikern gegen den „Havelseen“-Bau demonstriert.

Rund 70 Gegner der Pläne für die Autobahnraststätte protestierten am Donnerstagabend.
Rund 70 Gegner der Pläne für die Autobahnraststätte protestierten am Donnerstagabend.Foto: Ottmar Winter PNN

Potsdam - Draußen vor dem Treffpunkt Freizeit wurde es am Donnerstag am späten Nachmittag ohrenbetäubend laut: Rund 70 Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Potsdamer Norden“ erzeugten mit Schellen und Rasseln so viel Lärm wie ihnen möglich war, mitten unter ihnen ein kleines Meer von Transparenten und Schildern. „Naturerhalt statt Asphalt” war da in einem etwas holprigen Reim zu lesen, auch „Nein zur 35 Hektar Giga-Tank-und Rastanlage” und die eindringliche Bitte: “Stoppt den Wahnsinn”. 

Es war der Abend, an dem der Ausschuss für Klima, Umwelt und Mobilität (KUM) der Stadtverordnetenversammlung tagte – und die Potsdamer Kommunalpolitiker über die geplante neue Raststätte „Havelseen" an der A 10 im Norden der Landeshauptstadt sprachen. Die Empörung darüber war groß, dass Bürger wie Ortspolitiker erst vor wenigen Wochen davon erfahren hatten, dass der Landesbetrieb Straßenwesen die Standortentscheidung für die auf wohl 35 Hektar geplante Groß-Raststätte nahe der Häuser des dörflichen Stadtteils Paaren getroffen hatte – und die von etlichen Bürgern bevorzugten Alternativen wie den Ausbau der bestehenden Rastanlage „Wolfslake" verworfen hatte. 

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Silke Beckedorf, Sprecherin der BI aus Paaren, wandte sich in einem eindringlichen Appell an die Ausschussmitglieder. Fruchtbarster Ackerboden werde zubetoniert. „Bitte fassen Sie den Beschluss: Die Stadt Potsdam lehnt den Bau der Raststätte am geplanten Standort ab. Stellen Sie sich schützend vor die Menschen!“, rief Beckedorf. 

Silke Beckedorf.
Silke Beckedorf.Foto: Ottmar Winter PNN

Warum nicht die Raststätte "Wolfslake" ausbauen?

Dieter Spira (SPD), Ortsvorsteher von Satzkorn, zeigte sein Unverständnis darüber, „dass uns niemand sagt, warum der Ausbau von ,Wolfslake’ nicht weiter verfolgt wurde“. Außerdem ein Problem: das Klärwerk in Satzkorn sei für den neuen Rasthof zu klein. 

Indes fand am Donnerstag der auch von der BI ins Spiel gebrachte Vorschlag, den bestehenden Rasthof „Wolfslake“ als Alternative nochmals zu prüfen, einen wichtigen Unterstützer. Bodo Oehme (CDU), Bürgermeister von Schönwalde- Glien im Kreis Havelland, auf deren Gelände jene Raststätte liegt, nannte den Plan für die „Havelseen“ den „größten denkbaren Unsinn“. 

Die Demonstration fand vor der Sitzung des Potsdamer Umweltausschusses statt.
Die Demonstration fand vor der Sitzung des Potsdamer Umweltausschusses statt.Foto: Ottmar Winter PNN

Die Begründung des Landesbetriebs, eine Erweiterung von „Wolfslake“ sei „nicht möglich“, weil die beiden Raststätten dort in einem Landschaftsschutzgebiet lägen, sei „eine Ausrede“. Landschaftsschutzgebiete gebe es „überall, aber wenn man ein berechtigtes Interesse hat, kann man das auch ändern“, sagte er den PNN auf Anfrage. 

Wertigkeit des Bodens sehr hoch

Viele Argumente sprächen dafür, „Wolfslake“ auszubauen: Ein großer Teil der Fläche sei versiegelt, während bei dem geplanten neuen Standort im Potsdamer Norden „hochwertige Landwirtschaftsflächen geopfert werden müssen“. Die Wertigkeit des Bodens liege in Potsdam auf der Skala von 10 bis 100 sogenannten Bodenpunkten mit rund 50 Punkten sehr hoch, „bei uns sind es um den Rasthof zwischen 16 und 33“.  

Auch ein anderes Argument des Landesbetriebs fegte der Bürgermeister vom Tisch. Der habe sich schon vor Jahren gegen eine Erweiterung von „Wolfslake“ ausgesprochen, weil der Rasthof nicht an das Trink- und Abwassersystem angeschlossen sei. Oehme: „Wir haben darauf hingewiesen, dass der Anschluss schnell, einfach und unproblematisch hergestellt werden kann. Aber dann gab es nur noch Schweigen.“ 

Zudem befinde sich das Areal, das für eine Vergrößerung benötigt werde, zum allergrößten Teil im Besitz eines Eigentümers. Es ist die Agro- Uetz-Bornim GmbH – die erklärt hat, das für die Erweiterung benötigte Areal zur Verfügung zu stellen.

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