Potsdam : Wettbewerb mit Licht und Schatten

Erstmals suchen drei Plattenbau-Eigentümer in Drewitz nach einem einheitlichen Sanierungskonzept

Sieben statt fünf: Einen Sieger kürte das Preisgericht im Wettbewerb für die Gestaltung des Wohnblockensembles „Quartiers 8“ an der Konrad-Wolf-Allee nicht, stattdessen gab es drei zweite und drei dritte Plätze. Dieser Entwurf sieht eine Aufstockung der Blocks um zwei Geschosse vor, die Balkone sind aus Stahl und Holz statt aus Beton. Grafik: Seemann-TorrasAlle Bilder anzeigen
08.12.2014 21:40Sieben statt fünf: Einen Sieger kürte das Preisgericht im Wettbewerb für die Gestaltung des Wohnblockensembles „Quartiers 8“ an...

Drewitz - Es ist ein Novum: Bei der Sanierung eines großen Plattenbaukarrees suchen in Potsdam erstmals mehrere Wohneigentümer nach einer gemeinsamen Lösung. Für die Gestaltung des sogenannten Quartiers 8 in Drewitz im Karree zwischen Hans-Albers-Straße, Erich- Pommer-Straße, Guido-Seeber-Weg und Konrad-Wolf-Allee haben die städtische Pro Potsdam sowie die Genossenschaften „Karl Marx“ und PWG 1956 gemeinsam einen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgelobt. Ziel ist es, für die Sanierung des Gebäudekomplexes mit insgesamt 270 Wohnungen eine „energetisch, gestalterisch und architektonisch optimale Lösung“ zu finden, wie es in den Teilnahmebedingungen heißt. Vom Ergebnis erhoffen sich die Bauherren „maßgebliche Impulse“ für den weiteren Umbau von Drewitz zur Gartenstadt.

Insgesamt 28 Architekturbüros haben sich in der ersten Phase des Wettbewerbs beteiligt, zehn davon wurden aufgefordert, ihre Vorschläge zu konkretisieren. Ein Preisgericht hat die Entwürfe begutachtet, das Ergebnis steht jetzt fest: Einen Sieger gibt es nicht, stattdessen wurden drei zweite und drei dritte Plätze vergeben. Die Aufgabenstellung sei eben „sehr komplex“ gewesen, sagte Carsten Hagenau, Sprecher des Arbeitskreises Stadtspuren, dem Dachverband der Potsdamer Wohnungswirtschaft, den PNN. Es sei nicht nur um das künftige Aussehen der Wohnblocks gegangen, sondern auch um Fragen der Freiraumgestaltung oder der Unterbringung der Haustechnik. Die eine herausragende Lösung sei nicht dabei gewesen, es habe aber von allen Teilnehmern gute Vorschläge gegeben.

Am gemeinsamen Entwurf der Seemann-Torras GbR und des Ingenieurbüros für Baustatik und Sanierungsplanung aus Berlin lobte das Preisgericht vor allem die Wirtschaftlichkeit und Realisierbarkeit. Die vorgeschlagene Stahl- und Holzkonstruktion, die die alten Balkone ersetzen soll, wirke leicht und stelle einen Bezug zur Gartenstadt her. Bemängelt wurde das „nicht ganz durchdachte“ Wegesystem im Innenhof. Die Büros regen zudem an, die fünfgeschossigen Blocks um zwei Etagen aufzustocken.

Diesen Vorschlag macht auch das Münchener Architekturbüro Axel Baudendistel. Der Entwurf sieht straßenseitig durchgehende Balkonfronten vor, aufgelockert durch Vor- und Rücksprünge in der Fassade. Die Gestaltung sei zwar „solide und wertig“, wirke allerdings auch „schwer und massiv“. Kritik gab es auch an der schattigen Unterbringung der Spielflächen im Hof. Als raffiniert bewertete das Preisgericht den Vorschlag des Teams Daniel Payer Architektur mit El:ch Landschaftsarchitekten und Enerlyt Technik GmbH für eine horizontale Gliederung des Gebäudes mit ebenfalls durchgehenden Balkonfronten, kritisiert wurde ebenfalls die Lage der Spielflächen.

Welcher Entwurf letztlich umgesetzt werde, hänge von der Entscheidung der Bauherren ab, sagte Hagenau. Laut Wettbewerb sei es zwar auch möglich, dass sich jeder der drei Bauherren für ein anderes Konzept entscheidet, doch sei eine einheitliche Gestaltung das Ziel.

Im Januar wollen die Pro Potsdam und die beiden Genossenschaften noch einmal über die Entwürfe beraten. Bis zu 26,7 Millionen Euro sollen für die Sanierung der Wohnblocks ausgegeben werden, ein Baubeginn ist für das Frühjahr 2016 geplant. Die Eigentümer hoffen laut Hagenau dabei auf Landesfördermittel, um die Mieten auch nach der Sanierung niedrig halten zu können. Bewährt sich das Konzept, sei ein einheitliches Vorgehen der Eigentümer auch bei der Sanierung der anderen Wohnkarrees in Drewitz möglich, so Hagenau.

Die Wettbewerbsergebnisse sind noch bis zum 18. Dezember in der Drewitzer Rolle, Konrad-Wolf-Allee 25, öffentlich ausgestellt.