• Werkstattverfahren für Lustgarten in Potsdam: Am Ende ohne Hochhaus

Werkstattverfahren für Lustgarten in Potsdam : Am Ende ohne Hochhaus

Wie soll der Lustgarten in Zukunft aussehen? In der dritten Runde des Werkstattverfahrens zeigen sieben Architektenteams ihre Entwürfe. In einer Sache sind sich die Architekten einig: Das Hotel "Mercure" soll weg.

Städtebaulich gibt es offenbar keine Perspektive mehr für den Erhalt des "Mercure".Alle Bilder anzeigen
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02.06.2015 22:45Städtebaulich gibt es offenbar keine Perspektive mehr für den Erhalt des "Mercure".

Potsdam - Grüner, lebendiger und ohne das Hotel „Mercure“ – so soll die Zukunft des Lustgartens aussehen, wenn es nach den sieben beteiligten Architektenteams im Werkstattverfahren geht. Am Dienstag stellten sie in der Zentrale des Sanierungsträgers Pro Potsdam in der Pappelallee ihre Ergebnisse der dritten Runde des Verfahrens vor.

Im Detail halten die Entwürfe eine große Bandbreite an Nutzungs- und Gestaltungsmöglichkeiten bereit. In einem sind sich jedoch alle beteiligten Architektenteams einig: Das Hochhaus des Hotels „Mercure“ passe nicht mehr in die Umgebung der schrittweise wiedergewonnenen Potsdamer Mitte. Vor allem das breite Sockelgeschoss mit den Rampen bilde eine breite Barriere zum Lustgarten. Es zerstöre die Sichtachsen zwischen Nikolaikirche, Landtagsschloss und Neptunbecken. Um den Lustgarten in seiner Gänze wieder erlebbar zu machen, gebe es städtebaulich keine Perspektive für den Erhalt des Hotels.

"Mercure" muss als städtebaulicher Missstand definiert werden

Einen Sieger gibt es in dem Verfahren nicht. Die Jury, in der neben der Stadtverwaltung und dem Sanierungsträger auch Architekten, die Weisse Flotte und „Mercure“-Geschäftsführer Marco Wesolowski vertreten sind, soll die Entwürfe nun nach Teilbereichen bewerten. Ein noch nicht benannter Gutachter soll später daraus einen Masterplan zusammenstellen, über den die Stadtverordneten abstimmen sollen. Das seit Mitte vergangenen Jahres laufende Werkstattverfahren soll insgesamt 520.000 Euro kosten.

Eine Voraussetzung für den Abriss des Hotels ist, dass das Gebäude aus den 1970er-Jahren als städtebaulicher Missstand definiert wird. Dies rückt mit den Entwürfen der Architekten nun näher. Auch bei der Finanzierung eines möglichen Abrisses gibt es Bewegung: Zum einen könnten die steigenden Grundstückspreise die Kasse des Sanierungsträgers bei anstehenden Grundstücksverkäufen auf dem Areal der jetzigen Fachhochschule am Alten Markt füllen. Außerdem könnten laut den Entwürfen der Architektenteams für den Lustgarten weitere Grundstücke vermarktet werden. So sehen alle Entwürfe eine Bebauung entlang des Bahndamms vor. Mehrere Teams planen zudem weitere Gebäude im Inneren des Lustgartens zum Beispiel für gastronomische Angebote.

Auch vorübergehender Erhalt möglich

Hintergrund ist der Streit, ob und unter welchen Umständen das Hochhaus des Hotels „Mercure“ abgerissen werden sollte und mit welchem Ziel. Die Debatte um einen Abriss des privaten Gebäudes war im Jahr 2012 durch die Pläne von Software-Milliardär Hasso Plattner entbrannt, der das Hotel abreißen und stattdessen eine Kunsthalle bauen lassen wollte. Die Stadtspitze hätte dies begrüßt. Doch bei einigen Potsdamern hatte das Projekt für Unmut gesorgt. Plattner rückte daraufhin von dem Vorhaben ab und realisiert das Museum nun an der Alten Fahrt.

Angesichts der Unsicherheiten seien alle Entwürfe auch in einzelnen Phasen umsetzbar, hieß es. Mehrere Teams sahen auch einen vorübergehenden Erhalt des Hochhauses mit oder ohne das ausladende Sockelgeschoss vor. So hielten die Architekten Machleidt und Loidl eine Nutzung des Hochhauses als Boardinghaus für möglich. Alle Entwürfe sehen zudem Sport- und Freizeitanlagen vor. Einig war man sich auch, dass der jetzige Festplatz in dieser Form an der Breiten Straße keine Zukunft habe.

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