• Werbung auf Straßenbahn: Kontroverse über Potsdamer Bundeswehr-Tram

Werbung auf Straßenbahn : Kontroverse über Potsdamer Bundeswehr-Tram

Seit einigen Monaten fährt eine Tram mit Bundeswehr-Werbung durch Potsdam. Das hat nun zu einer heftigen Debatte im Stadtparlament geführt.

Die Bundeswehr wirbt auf einer Tram der ViP.
Die Bundeswehr wirbt auf einer Tram der ViP.Foto: Sebastian Gabsch PNN

Potsdam - Für eine Kontroverse im Stadtparlament hat ein Antrag der Fraktion Die Andere gesorgt, dass städtische Unternehmen wie der Verkehrsbetrieb (ViP) künftig keine Werbeverträge mehr mit der Bundeswehr abschließen dürfen sollen. Anlass ist die aktuelle Werbung der Bundeswehr auf einer Straßenbahn. Damit würden „Camouflage-Farben von Kriegsgeräten zum großflächigen Erscheinungsbild Potsdams gehören“, führte Simon Wohlfahrt (Die Andere) aus. 

Die Fraktion habe deswegen mehrere empörte Zuschriften erhalten, auch von einer ehemalige Soldatin mit traumatisierender Kriegserfahrung in Afghanistan – die Werbung löse bei ihr posttraumatische Stresssituationen aus. Ferner verstoße der ViP gegen sein Prinzip, politische Werbung zu vermeiden – hier werde ein „Heldenmythos vermittelt, der Kriegseinsätze verharmlost“, sagte Wohlfahrt. 

CDU: Die Bundeswehr gehört zu Deutschland

Dagegen sagte etwa Lars Eichert (CDU/ANW), die Bundeswehr gehöre zu Deutschland – mit solchen Beschlüssen würden dann auch Werbung für die Arbeit im Zoll oder der Polizei irgendwann nicht mehr möglich sein. Schon vor einem Monat hatte CDU/ANW-Fraktionschef nach Kritik von Die Andere an der Werbung erklärt: „Für diesen Dienst an der Gemeinschaft öffentlich zu werben muss selbstverständlich sein.“ 

Auch Wolfhard Kirsch (Bürgerbündnis/FDP) warnte in der Sitzung davor, Fachausschüsse mit solchen „sinnlosen Debatten zu überfrachten“, Peter Schultheiß (SPD/Potsdamer Demokraten) sprach von einem „unerträglichen Vortrag“. 
Dagegen signalisierte Grünen-Fraktionschef Peter Schüler sein Verständnis für den Vorstoß - auch er sehe solche Werbung kritisch. Im Hauptausschuss soll nun weiter debattiert werden, entschied eine Mehrheit der Stadtpolitiker.