WENDLANDS Sicht : Frieden

Christian Wendland

Lieber Herr Szilleweit, am Donnerstag las ich Ihren Leserbrief in den PNN und möchte Ihnen dafür Danke sagen. Danke für die klaren Worte, für die Hinweise, Fragen und Aufmunterungen. Sie zeugen von einer Kenntnis, die bei vielen in der Kirche nicht vorhanden ist. Der Hinweis auf die Heilig-Kreuz-Gemeinde ist durchaus berechtigt. Natürlich hat die Gemeinde damals eine Art Entschädigung erhalten. Es war wohl das Mindeste. Aber was waren die etwa 600 000 Ostmark für die Zerstörung des Kirchenraumes, ja, der Garnisonkirche im Wiederaufbau? Diese Frage muss sich die Gemeinde stellen, die bis heute keine Kirche hat. Heute werden 100 Millionen veranschlagt für den Wiederaufbau. Der Staat in Person Walter Ulbrichts hat diese Zerstörung und Enteignung angeordnet als DDR-Staat, in den die Bundesrepublik dann als Rechtsnachfolger eingetreten ist. Eine Verantwortung jedoch für diese Enteignung und Zerstörung von über 60 Kirchen hat sie bis heute nicht übernommen.

Doch zurück zum Leserbrief: Ja, Herr Szilleweit, Sie haben recht, wenn Sie schreiben, dass die Befürworter sich bis heute nicht über die Kapellenform einigen können. Das ist so. Und warum? Weil es Menschen, Christen gibt, die das Evangelium wirklich verstanden haben und im Herzen tragen, und weil es Menschen gibt, die aufgrund ihres Studiums und Amtes meinen, es besser zu wissen? Ich vermag die Gründe nicht zu beurteilen. Doch ich weiß, dass der junge Christopher Kühn mit seinem Entwurf für die Kapelle, der ja etwas Neues ist, den Sinn, die Botschaft und die gestalterische Form der Garnisonkirche, ja des Neuen Testamentes verstanden hat, obwohl er stets erklärt, in der DDR aufgewachsen zu sein und die christliche Tradition nicht überliefert bekommen zu haben. Der Albrechtsche Kapellen-Entwurf, den unter anderem auch Wolfgang Huber und Matthias Platzeck favorisieren, soll einen Bruch darstellen.

Doch wenn ich Jesus Christus und die Gute Botschaft lese, kann ich keinen Bruch sehen. Im Gegenteil, was hören wir jede Weihnacht im Gottesdienst: „Denn ein Kind ist uns geboren, ein Sohn uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und man nennt seinen Namen: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens“ (Jesaja 9,5). Ein Friedensfürst also ist Jesus Christus für die Menschheit. Und diese Friedenswidmung stand in der Garnisonkirchturmkapelle, die mein Vater, Winfried Wendland, als Kirchenbaurat und Architekt nach dem Krieg einbauen durfte mit den Gemeindemitgliedern und Theologen – als gebaute Verkündigung. Jesus Christus ist als Heiler gekommen, nicht als Brecher. So beten wir, so bitten wir und so lautet der aaronitische Segensspruch, der älteste überlieferte Segen in der Bibel, der wie das Amen in der Kirche am Ende eines Gottesdienstes von den Pfarren gesprochen wird: „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und sei dir gnädig; Der Herr hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.“ Wenn der Wiederaufbau der Garnisonkirche Sinn haben soll, dann muss dieser Frieden auch von dieser Kirche kommen.

Unser Autor lebt seit 1945 in Potsdam. Er studierte in Berlin und Dresden und ist seit 1968 Architekt in Potsdam. Der Leserbrief ist unter www.pnn.de/leserbriefe/684617/ zu finden.

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