• Wellnesscenter nahe Potsdam geplant: Großes Schweigen am Glienicker See

Wellnesscenter nahe Potsdam geplant : Großes Schweigen am Glienicker See

Ein Star-Architekt plant auf der Berliner Seite ein futuristisches Gesundheitszentrum. Der Bauherr will sich nicht äußern. Der Ortsvorsteher ist erbost.

Eindringlich wird davor gewarnt, das Gelände zu betreten.
Eindringlich wird davor gewarnt, das Gelände zu betreten.Foto: Andreas Klaer

Potsdam - Es ist ein bemerkenswertes Beispiel moderner Baukunst: Nach Plänen des dänischen Star-Architekten Sigurd Larsen soll auf der zum Berliner Bezirk Spandau gehörenden Halbinsel des Groß Glienicker Sees ein Gesundheitszentrum in futuristischem Design entstehen. An der Uferstraße 51, nur ein paar Meter vom Schilf entfernt, werden sechs große Holzbauten mit hohen Glasfassaden und vielen Schrägen errichtet, die wie miteinander verwachsen wirken. Für ein erhabenes Raumgefühl sorgen sollen hohe Decken, das Bezirksamt Spandau hat eine Grundfläche von insgesamt 400 Quadratmetern genehmigt. 

Was Larsen kreiert hat, lässt sich auf seiner Homepage (sigurdlarsen.com) begutachten. In der Rubrik „Design, Architecture“ präsentiert der gebürtige Däne, der in Berlin lebt und dort als Professor an der privaten International University of Applied Sciences lehrt, Häuser und Möbel, die er entworfen hat. Unter „News“ ist eine Visualisierung des spektakulären Projekts in Spandau zu finden. „The Lake House“ heißt das Ensemble, er hat es für Veranstaltungen, Sport, Workshops und Therapien vorgesehen.

Name des Bauherrn wird gehütet wie ein Staatsgeheimnis 

Seltsam ist, dass der Name des Bauherrn, der die Millionen für das Lake House bereitstellt, gehütet wird wie ein Staatsgeheimnis. Anfragen der PNN beantwortet Architekt Larsen nicht. Recherchen ergeben, dass als Investor für das Bauprojekt Marc F. Kimmich auftritt. Auch er lässt eine PNN-Anfrage unbeantwortet.  

Kimmich ist Chef der Copro-Gruppe mit Sitz in Stuttgart und Berlin. Der Immobilienentwickler kauft Häuser in zentralen Lagen der beiden Städte und saniert sie – wie das Kaiserliche Postamt in Berlin-Zehlendorf, das die Copro Anfang 2011 mit privaten Investoren erwarb, sanierte und 2014 weiterverkaufte.

Am Groß Glienicker See in Berlin soll ein Wellnesscenter entstehen.
Am Groß Glienicker See in Berlin soll ein Wellnesscenter entstehen.Foto: Andreas Klaer


Dass Kimmich auf der Halbinsel im Groß Glienicker See investiert, soll nach Willen seines Medienanwalts nicht berichtet werden. Denn es handele sich um „kein öffentliches Bauprojekt“, zudem gebe es „kein Überwiegen des Informationsinteresses“, weil das Genehmigungsverfahren rechtskräftig abgeschlossen sei. 

Ortsvorsteher erwartet vom Investor Transparenz

Der Groß Glienicker Ortsvorsteher Winfried Sträter (Forum) sieht das anders. Es sei „ein Unding, wenn versucht wird, die Berichterstattung über das Projekt zu verhindern“, sagt Sträter. Es gehe um ein ökologisch sensibles Gebiet, „und natürlich gibt es daran ein öffentliches Interesse“. Er erwarte, dass der Investor „mit seiner Planung transparent umgeht“. 

Für Sträter ist der See, durch den seit 1945 bis zur politischen Wende in der Flussmitte die deutsch-deutsche Grenze führte, „ein Juwel“, er zählt mit einer Sichttiefe von mehr als zwei Metern zu den klarsten brandenburgischen Seen. Die Halbinsel gehörte wie das gesamte Ostufer des Sees ab 1945 zu Westberlin und blieb nach der Wiedervereinigung weiter Teil Berlins. Von Groß Glienicke aus ist sie „so nah, dass ich in weniger als zehn Minuten rübergeschwommen bin“, sagt der Ortsvorsteher.

Kommunalpolitiker Andreas Menzel hegt Bedenken 

Manchen macht diese Nähe Kummer. Andreas Menzel, der für die Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegungen (BVB)/Freie Wähler im Ortsbeirat von Groß Glienicke sowie in der Stadtverordnetenversammlung sitzt, hatte zur jüngsten Sitzung des Ortsbeirats am 14. September eine Kleine Anfrage an Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) vorbereitet: Er möge sich in Spandau über die Pläne informieren lassen. Der Ortsbeirat sei über das geplante Sport- und Wellnesscenter „beunruhigt“, hieß es in dem Antrag, der Rat befürchte, „dass das Vorhaben für den See viel zu groß sei“.

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Den PNN hatte der Kommunalpolitiker weitere Bedenken mitgeteilt. Die Lichtemission werde nachts wegen der neun Meter hohen Scheiben „den ganzen See dominieren, der See wird nie wieder so sein wie vorher.“ Doch der Ortsbeirat lehnte Menzels Antrag mehrheitlich ab. Auch Ortsvorsteher Sträter stimmte dagegen. „Ich sehe nicht, dass das Projekt unsere Interessen berührt“, sagte er den PNN. Streit um die Bebauung der Halbinsel hatte es schon früher gegeben. Für kommunale Grundstücke dort war wegen einer komplizierten Rechtslage ab 1990 die Gemeinde Groß Glienicke zuständig – und ab 2003, seit der Eingemeindung, die Stadt Potsdam. 

Nur leiser Protest in Spandau 

Um das landschaftlich reizvoll gelegene Gelände gab es 16 Jahre lang in zermürbendes Hin und Her. Als die Projektentwickler Helena Abtahi und Torsten Birlem 2005 einen Großteil der Halbinsel kauften, gehörte das Areal noch der Stadt Potsdam. Die damaligen Eheleute wollten dort ein Sport- und Gesundheitszentrum bauen, doch mit drei Bürgerentscheiden versuchten Anwohner, das Zentrum zu verhindern. 

2019 schließlich verkauften die beiden die Fläche von 3,2 Hektar an das Spandauer Bezirksamt. Schließlich kam das Duo Larsen/Kimmich zum Zuge.
Nun, als das Projekt „Lake House“ bekannt wurde, regte sich in Spandau nur noch leiser Protest. So wollte die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen vom Bezirksamt wissen, wie es um die Baugenehmigungen für das Sport- und Gesundheitszentrum und ein daneben gelegenes Wohnhaus bestellt sei. Die Antwort des Amts war erwartbar: Alles rechtens. 


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